Wandertag in Karlskrona

Nett gelegene Häuser in Karlskrona, nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt

Nett gelegene Häuser in Karlskrona, nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt

Der heutige Tag beginnt mit strahlendem Sonnenschein und mäßigem Wind. Alles verlockt zum Segeln, aber der Wetterbericht sagt für Mittags bis zu 6 Beaufort an.

Altes Fabrikgebäude in Karlskrona

Altes Fabrikgebäude in Karlskrona

Erstmal genießen wir jedoch das Frühstück im Cockpit unter der Kuchenbude. Dort ist es schön warm bei dem Sonnenschein.

Am Eingang zur Universitäts Bibliothek in Karlskrona

Am Eingang zur Universitäts Bibliothek in Karlskrona

In der Touristeninformation erkundigen wir uns nach einer passenden Wanderroute für heute. Wir werden mit reichlich Broschüren ausgestattet. Unseren ursprünglichen Gedanken, mit der Fähre auf eine Schäre zu fahren und dort zu laufen, müssen wir jedoch verwerfen. Die Fähren fahren entweder noch gar nicht oder nur zweimal täglich.

Pause auf einer Bank. Dahinter auf dem Weg müsst Ihr Euch jetzt ein knappes Dutzend Soldaten mit Rucksack im Gänsemarsch vorstellen

Pause auf einer Bank. Dahinter auf dem Weg müsst Ihr Euch jetzt ein knappes Dutzend Soldaten mit Rucksack im Gänsemarsch vorstellen

Also laufen wir nach Norden Richtung Landesinnere. Die Schären sind hier noch nicht vorbei, denn Karlskrona steht auf zahlreichen Inseln. Unser Weg führt am Wasser entlang. Wir bewundern nette Häuser mit Gartenpavillon und eigenem Bootssteg.

Noch ein Rastplatz mit schönem Ausblick nach Norden und gut geschützt vor dem kräftigen Südwind

Noch ein Rastplatz mit schönem Ausblick nach Norden und gut geschützt vor dem kräftigen Südwind

Akustisch ist es jedoch nicht ganz so idyllisch, denn die schwedische Luftwaffe ist fleißig am Üben. Auch auf dem Wasser ist die Marine fleißig und als wir an einem netten Strand eine kleine Pause einlegen, setzen sich Klaus und Claus auf eine Bank und ich auf einen flachen Felsen näher am Wasser. Als ich mich kurz nach den beiden umdrehe, laufen gerade ein dutzend Soldaten im Gänsemarsch leise hinter den beiden vorbei. Ich komme mir vor, wie in einem Asterix Comic…

Im Wald höngen sehr kuriose Nistkästen an den Bäumen

Im Wald höngen sehr kuriose Nistkästen an den Bäumen

Auf dieser netteren Wanderung kommen wir auch an der Technischen Universität von Blekinge vorbei und deren Bibliothek, die hier nahe am Ufer steht. Danach geht es bergauf und bergab, meist über Holztreppen durch den Wald. Zivilisation erwarten wir hier gar nicht mehr, trotzdem treffen wir gelegentlich auf Wohnhäuser.

Die deutsche Brauerei von 1693. Heute ist im Gebäude ein Gewerbezentrum.

Die deutsche Brauerei von 1693. Heute ist im Gebäude ein Gewerbezentrum.

Der komplette Weg am Ufer entlang ist uns zu weit. Wir kürzen ab und nun geht es durch den Ort an schmucken älteren Häusern vorbei (viele davon mit Wärmepumpe). Wir kreuzen ein paar Straßen, kommen am Krankenhaus und einem großen Friedhof vorbei und stehen dann wieder am Wasser. Nun müssen wir wieder immer am Ufer entlang, um zurück zum Hafen zu kommen. Nach 10km Wanderung  können wir ein zweites Frühstück vertragen.

Ein Eiderentenkindergarten im Hafenbecken

Ein Eiderentenkindergarten im Hafenbecken

Veröffentlicht unter Frühsommertour 2025, Logbuch | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert für Wandertag in Karlskrona

Nochmal Museumstag in Karlskrona

Biskup Morski, eine Skulptur von Helena Mutinen

Biskup Morski, eine Skulptur von Helena Mutinen

Tut uns ja Leid Klaus, dass Du schon einmal in Karlskrona im Museum warst, aber Deine neue Crew ignoriert gekonnt das schöne Wetter und will unbedingt auch nochmal ins Marinemuseum.

Interessante Kombination aus PV-Anlage und Windrad

Interessante Kombination aus PV-Anlage und Windrad

Also machen wir uns nach dem Frühstück direkt am Wasser entlang auf den Weg. An der Ecke des Yachthafens steht eine kleine ungewöhnliche Statue. Der Biskup Morski, zu Deutsch der Meer Bischof ist eine Sagengestalt aus dem späten Mittelalter. Angeblich wäre er in der Ostsee gefangen worden und dem polnischen König gebracht worden. Da er aber zurück ins Wasser wollte, hätte der wohlmeinende König ihm seinen Willen gelassen. Was das nun für ein Fisch war, den man da gefangen hatte oder ob es einfach eine erfundene Geschichte war, darüber gibt es verschiedene Theorien. Auf jeden Fall sollte man ihn nicht ärgern, sonst könnte er Schwerwetter verursachen. Das wollen wir natürlich nicht riskieren.

Kayakomat - hier kann man Kajaks leihen über eine App

Kayakomat – hier kann man Kajaks leihen über eine App

Auf unserem weiteren Weg entdecken wir noch eine Kombianlage aus Photovoltaik und kleinem Windrad und einem Kajakautomaten. Die scheinen hier kreativ zu sein in Karlskrona.

Bootswerft auf dem Weg zum Marinemuseum

Bootswerft auf dem Weg zum Marinemuseum

Im Eingang zum Marinemuseum ist die NATO-Flagge ausgestellt, die 2024 zum Beitritt Schwedens zur NATO gehisst wurde

Im Eingang zum Marinemuseum ist die NATO-Flagge ausgestellt, die 2024 zum Beitritt Schwedens zur NATO gehisst wurde

Im Marinemuseum führt uns unser Weg als erstes in die U-Boot Halle. Uns faszinieren die verschiedenen Techniken, wie Menschen aus einem untergegangenen U-Boot gerettet werden können, auch wenn uns Zweifel kommen, ob das in der Praxis wirklich funktioniert.

Im U-Boot Neptun sind die Schlafplätze der Crew über den Torpedos des U-Boots. Über den Doppel-T Träger darüber konnten sie geladen werden

Im U-Boot Neptun sind die Schlafplätze der Crew über den Torpedos des U-Boots. Über den Doppel-T Träger darüber konnten sie geladen werden

Dann lädt man uns ein, die ausgestellte Neptun, ein U-Boot aus dem kalten Krieg, zu besichtigen. Auf diesem U-Boot wurde auch der Kommandant des sowjetischen U-Boots verhört, welches 1981 vor Karlskrona strandete. Auch wenn die eingebaute Technik faszinierend sein mag, beklemmend ist so ein U-Boot doch.

Das Wrack unter dem Museum mit einer Gründel

Das Wrack unter dem Museum mit einer Gründel

In der anderen Halle bewundern wir die Schiffsmodelle, mit deren Hilfe auch Arbeitern und Handwerkern, die nicht der schwedischen Sprache mächtig waren, erklärt werden konnte, was gebaut werden sollte. Ein Ausflug nach unten bringt uns unter den Meeresspiegel, wo kleine Fische sich in den Resten eines echten Wracks verstecken. Wir bleiben natürlich trocken.

Drei Longboats, ähnlich unseren Marinekuttern (nur ohne Fock und Schwert) vor dem Marinemuseum

Drei Longboats, ähnlich unseren Marinekuttern (nur ohne Fock und Schwert) vor dem Marinemuseum

Nach einem Ausflug zu den Gallionsfiguren landen wir im Obergeschoss. Hier geht es um Wehrdienst, Schwedens Rolle in den beiden Weltkriegen als neutraler Staat und um den nachfolgenden kalten Krieg. Interviews mit Zeitzeugen z.B. zu dem Fall mit dem sowjetischen U-Boot bringen einem die Geschichte anschaulich näher, da auch die Ängste der Beteiligten zur Sprache kommen.

Die Kamper Kogge am Marinemuseum

Die Kamper Kogge am Marinemuseum

Als wir das Museum schließlich verlassen, läuft gerade eine Kogge aus den Niederlanden in den Hafen ein und macht am Steg des Museums fest. Da müssen wir natürlich sofort hin. Die Kogge ist auf der Reise von Kampen an der Ijsssel nach Visby auf Gotland zu einer Hanse Veranstaltung. Sie ist deutlich kleiner als die uns vertraute Wissemara in Wismar.

Falls Ihr jetzt verwirrt seid, hilft vielleicht diese Rutsche...

Falls Ihr jetzt verwirrt seid, hilft vielleicht diese Rutsche…

 

Veröffentlicht unter Frühsommertour 2025, Logbuch | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentare deaktiviert für Nochmal Museumstag in Karlskrona

Crew Verstärkung an Bord

Petra ist mittlerweile mit Bahn und Fähre hinter uns hergefahren und hat sich für 14:12 am Bahnhof angekündigt. Morgens haben wir noch schönes Wetter, aber als wir uns auf den Weg zum Bahnhof machen, kündigt sich schon wieder Regen an.

Wir holen sie trotzdem vom Bahnhof ab und gehen danach erst einmal in die Stadt etwas essen. Das Wetter bleibt aber unangenehm. Auch den Schweden scheint das nicht zu gefallen. Die Innenstadt ist wie ausgestorben. Zudem haben fast alle Bars und Restaurants abends geschlossen.

Veröffentlicht unter Frühsommertour 2025, Logbuch | Verschlagwortet mit , | Schreib einen Kommentar

Hinterhergesegelt – Tag 2

Gestern Abend bin ich nach dem Bier in mein Bett gekrochen. Kurz vor der Abfahrt weckt mich noch eine Durchsage, die vermutlich vom Ladedeck zu mir heraufschallt. Ich wickele mich in meine Decke und mache das Verdunklungsrollo wieder hoch. So kann ich beim Auslaufen aus Travemünde zuschauen. Erstaunlich wie klein die Passat von hier oben aussieht. Dann wird es schnell dunkel draußen und ich verkrieche mich wieder in mein Bett.

Guten Morgen! Es nieselt ein wenig bei mäßigem Südwestwind

Guten Morgen! Es nieselt ein wenig bei mäßigem Südwestwind

Morgens um 7 Uhr klingelt mein Wecker. Um 5 Uhr war ich schon mal wach, das helle Tageslicht fiel durch die Ritzen. Der Seegang ist moderat. An Bord ist davon nichts zu spüren, nur das leichte Vibrieren durch den Motor ist zu merken. Beim Auslaufen war es recht deutlich, aber bei Reisegeschwindigkeit ist es weniger störend.

Frühstück mit Blick auf die Ostsee

Frühstück mit Blick auf die Ostsee

Zum Frühstücken gehe ich ins Bordrestaurant. Anscheinend bin ich zu spät aufgestanden, denn es fehlt an Verschiedenem: Teller, Brötchen usw. Jedesmal frage ich nach Nachschub, der auch kommt, aber es dauert halt. Es ist eine enge Cafeteria, wo sich alle in einer Schlange durch schieben. Die schlecht durchdachte Reihenfolge nervt deshalb besonders. Viele Menschen sind nicht an Bord. Wie ist das erst, wenn ganze Ladungen von Reisebussen mitfahren?

Auch beim Anlegen lässt sich aus dem Restaurant gut zuschauen

Auch beim Anlegen lässt sich aus dem Restaurant gut zuschauen

Bei den Sitzplätzen ist also reichlich Auswahl. Das Restaurant ist über der Brücke und ich kann fast senkrecht runter auf das Wasser schauen. Hier so weit vorne und oben ist auch ein klein wenig Schiffsbewegung zu spüren.

Anscheinend hat Trelleborg seit 1909 Bahnanschluss

Anscheinend hat Trelleborg seit 1909 Bahnanschluss

Um halb neun wurde über Lautsprecher angekündigt, dass wir in einer Stunde Trelleborg erreichen und dass das Frühstücksbuffet bis zur Ankunft geöffnet hat. Die Ankunft war eigentlich für 09:15 Uhr geplant. Eine Viertelstunde später eine weitere Durchsage: Wir sind in 30 Minuten in Trelleborg und wir sollen unsere Kabinen räumen, weil sie mit der Reinigung beginnen wollen. Ich sitze noch beim Frühstück. Die können mich mal…

Kuschlige Dohlen am Bahnhof in Lund

Kuschlige Dohlen am Bahnhof in Lund

Als ich nach dem Frühstück zu meiner Kabine gehe, ist von Reinigungskräften nichts zu sehen, also kein Grund zur Eile. Die Fussgänger sollen zur Rezeption kommen und dort warten. Die Rezeption ist die Bar im Restaurant. Ich hole meinen Rucksack und setze mich wieder in den Speiseraum, wo ich der Mannschaft beim Anlegen zuschauen kann. Nebenbei kaufe ich auf dem Handy in der schwedischen Bahn App, die ich zu Hause installiert hatte, meine Fahrkarte nach Karlskrona.

Eine etwas hochnäsig wirkende Krähe marschiert an den Dohlen in Lund vorbei

Eine etwas hochnäsig wirkende Krähe marschiert an den Dohlen in Lund vorbei

An der Bar wartet mittlerweile auch der ältere Herr von gestern und sonst niemand. Wir waren also tatsächlich die einzigen Fußgänger. Mein Zug geht um 10:20 Uhr. Hoffentlich müssen wir nicht warten bis alle LKW ausgeladen sind. Der Barkeeper, der jetzt die Tische abwischt ist unbesorgt.

Schönes Fries an einem alten Haus in Karlskrona

Schönes Fries an einem alten Haus in Karlskrona

Ein junger Mann taucht auf mit einer Klappleiter und öffnet die Deckenverkleidung. Dann taucht auch der Steward von gestern wieder auf und zieht sich seine Warnweste an. Ich soll nicht wieder weglaufen sagt er mir. Ich frage ihn, ob sie noch was in den Deckenplatten verstecken müssen. Im Fahrstuhl fängt er an zu erzählen. Das Schiff ist neu und in China gebaut, aber es würde nach 2 Jahren schon alles auseinander fallen. Das hätten sie wahrscheinlich alles bei Aliexpress gekauft. Der junge Mann mit der Leiter würde sich die Beine ausreißen, um ständig alles zu reparieren, weil die Qualität so schlecht wäre.

Alter Chevrolet in der Altstadt von Karlskrona -er klingt so wie er aussieht

Alter Chevrolet in der Altstadt von Karlskrona -er klingt so wie er aussieht

Unten auf dem Ladedeck lassen wir noch einen LKW passieren, dann stoppt er per Handzeichen den Verkehr, damit wir über die Rampe von Bord gehen können. Unten steht schon der Shuttlebus und man winkt uns schon zu. Zwei Fahrradfahrer werden auch noch mi eingeladen. Ausstieg ist dann am Bahnhof Trelleborg, wo in einer halben Stunde mein Zug nach Lund fährt.

Hans Wachtmeister blickt über die Altstadt von Karlskrona. Er spielte eine wesentliche Rolle bei der Schaffung des Marinestützpunktes Karlskrona

Hans Wachtmeister blickt über die Altstadt von Karlskrona. Er spielte eine wesentliche Rolle bei der Schaffung des Marinestützpunktes Karlskrona

Auch in Lund habe ich noch eine halbe Stunde Wartezeit. Es ist kalt und ich hole meinen dicken Pullover raus und ziehe die Jacke noch oben drüber. Ich vergnüge mich die kuschelig aussehenden Dohlen ähnlichen Vögel mit ein paar Krümeln zu füttern und zu fotografieren.

Mein Zug nach Karlskrona ist gut gefüllt. Heute ist Muttertag in Schweden erklärt mir meine Sitznachbarin. Auch sie fährt zu ihrer Mutter.

Veröffentlicht unter Frühsommertour 2025, Logbuch | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für Hinterhergesegelt – Tag 2

Hinterhergesegelt – Tag 1

Während die Lorrikeet in Karlskrona auf mich wartet, fahre ich ihr nun hinterher. Ich hatte bei Finnlines für heute Abend eine Fährpassage nach Malmö gebucht. Gestern Abend kam dann die Nachricht, dass die Fahrt storniert sei und ich möge bitte zu einem anderen Zeitpunkt fahren, den Zug nehmen, bei TT-Line buchen oder die Reise stornieren. Ich setze mich schnell an den Rechner, um die beste Lösung zu finden. Dies scheint die Umbuchung auf TT-Line zu sein. Die Fähre fährt drei Stunden später, also nachts um 1 Uhr, aber man kann schon um 22 Uhr an Bord und in die Kabine. Interessanterweise ist die Kabine nicht im Preis enthalten. Eine Innenkabine möchte ich nicht. Schließlich hatte ich auch bei Finnlines eine Außenkabine gebucht. Hier ist aber nur die VIP-Kabine übrig, also buche ich die und bin schnell bei mehr als dem doppelten Preis im Vergleich zu Finnlines, aber die wollen ja den Preis für die TT-Line erstatten – wir werden sehen….

Junge Leute am Strand von Travemünde

Junge Leute am Strand von Travemünde

Einen Vorteil hat die Umbuchung: ich fahre nun nach Trelleborg statt nach Malmö. In Trelleborg ist der Fähranleger direkt beim Bahnhof. In Malmö hatte ich das auch so vermutet, musste mich aber eines Besseren belehren lassen: dort ist der Fähranleger in einem Industriegebiet ca. 8km vom Bahnhof entfernt. Der Bus zum Bahnhof fährt leider nur Montags bis Freitags.

Zwei Erpel am Strand von Travemünde

Zwei Erpel am Strand von Travemünde

Da ich danach genug hatte von der Umbucherei, fahre ich mit der Bahn wie ursprünglich geplant nach Travemünde. Dort kennt man sich mit Schildbürgerstreichen nämlich auch aus: Es gibt zwar einen Bahnhof „Travemünde Skandinavienkai“ an dem der Regionalexpress aus Hamburg alle zwei Stunden hält, aber der Check-In für die Fähren ist von dort aus zu Fuß nicht zu erreichen. Ein Umsteigen auf den Bus von Lübeck aus nach Travemünde hilft auch nicht wirklich, der hält nämlich nicht mehr am Terminal. Es gibt nur noch die Buslinie 36 von Lübeck Roter Hahn nach Travemünde Priwallfähre oder umgekehrt. Die fährt so alle ein bis zwei Stunden. Ich fahre also lieber rechtzeitig und wenn alles klappt wie geplant, habe ich noch Zeit an den Strand zu gehen.

Unvollendetes (?) Kunstwerk an der Trave

Unvollendetes (?) Kunstwerk an der Trave

So kommt es denn auch und ich fahre gleich bis Travemünde Strandbahnhof durch und erlebe wieder dieses Glücksgefühl, wenn man das kurze Stück vom Bahnhof zum Strand läuft und dann der große Strand und die Ostsee in ihrer ganzen Weite vor einem liegen. Anderen Menschen scheint es auch so zu gehen. Sie tollen wie junge Hunde am Strand. Mir ist dafür mein Rucksack zu schwer.

Gänsefamilie an der Trave

Gänsefamilie an der Trave

Ich habe nun zwei Stunden Zeit, um zur Priwallfähre zu gehen und von dort aus den Bus zu nehmen. Das ist mehr als genug und ausreichend Zeit für ein leckeres Eis und den Kauf eines Fischbrötchens als Proviant für die Wartezeit im Hafenhaus.

Dieses quietschende drehende Kunstwerk schaufelt dunkle Wolken um die Ecke - jetzt brauche ich ein Dach über dem Kopf

Dieses quietschende drehende Kunstwerk schaufelt dunkle Wolken um die Ecke – jetzt brauche ich ein Dach über dem Kopf

Als der Bus kommt, steigen nur wenige Menschen ein. Zum Hafenhaus fahre nur ich. Gegen 19:45 Uhr komme ich an und kann gleich einchecken. Gegen 21 Uhr soll der Shuttlebus zum Schiff kommen. Das klingt gut, ich hatte erst mit 22 Uhr gerechnet. Ich versuche noch herauszufinden, was mit der Finnlinesfähre passiert ist, aber das weiß anscheinend niemand.

Mit dem Shuttlebus geht es zur Fähre Peter Pan

Mit dem Shuttlebus geht es zur Fähre Peter Pan

Die Zeit vertreibe ich mir mit einem Rundgang durch den Laden, einem Spaziergang nach draußen, wo gerade meine Fähre anlegt, dem Genuss meines Fischbrötchens und einem Buch. Viel früher als erwartet, steht plötzlich der Shuttlebus da. Außer mir steigt nur noch ein älterer Herr ein und dann geht’s auch schon los. Sind wir die einzigen Fußgänger oder holen sie die anderen später ab? Ich weiß es nicht. Es ist schließlich erst 20:30 Uhr.

Das Bunkerschiff legt ab

Das Bunkerschiff legt ab

Der Bus fährt direkt in die Fähre. Ein Steward schwer beladen mit einer roten Tasche nimmt uns mit. Es ist das Wechselgeld für die Bar verrät er uns. Der ältere Herr muss auf Deck 9, ich auf Deck 10. Der Steward steigt auf Deck 9 mit dem älteren Herrn aus, um ihn zu seiner Kabine zu begleiten. Ich soll auf ihn warten, aber natürlich tut der Fahrstuhl was Fahrstühle so tun: die Türen schließen sich und er fährt wieder nach unten. Ich drücke auf die Taste für Deck 10. Ich weiß doch meine Kabinennummer und habe auch schon die Schlüsselkarte beim Einchecken erhalten. Den Weg werde ich schon finden. Es ist doch alles ausgeschildert.

Entspannter Blick auf den Trubel am Fährterminal

Entspannter Blick auf den Trubel am Fährterminal

Als ich auf Deck 10 aussteige, legt gerade das Bunkerschiff ab. Ich gehe ans Fenster zum Fotografieren. Dann höre ich den Steward. Er schimpft, dass ich nicht auf ihn gewartet hätte – naja ich schon, aber der Fahrstuhl nicht 😉 Er entschuldigt sich.

Blick die Trave hinab. Rechts ist der Priwall

Blick die Trave hinab. Rechts ist der Priwall

Meine Kabine liegt ganz am Ende des Ganges. Sie hat ein großes Fenster mit Blick nach hinten. Von oben kann ich die Beladung und die Manövrierkünste der Trucker bewundern. Aber mein Fischbrötchen will schwimmen und ich hätte gerne ein Bier. Ich zieh mir einen dicken Pullover über und gehe das Schiff erkunden. Es ist vor drei Jahren in China gebaut worden. Ganz stolz sind sie auf die Dieselmotoren, die auch mit Flüssiggas fahren und dann deutlich weniger Feinstaub produzieren. Ob sie diese Fähigkeit auch nutzen, verraten sie uns nicht. Oben auf Deck stehen große Stahlgestelle, in die Netze aus robusten Leinen gespannt sind. Ich lege mich herein und bewundere den Himmel. Das Ganze erinnert an überdimensionale ägyptische Strandliegen. Es fehlen nur noch die Vorhänge. Schön hier, aber ich wollte doch ein Bier, also wieder aufstehen. Das ist gar nicht so einfach, wenn man erstmal drin liegt.

Veröffentlicht unter Frühsommertour 2025, Logbuch | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert für Hinterhergesegelt – Tag 1