Segeln nach Kopenhagen

Dragør ist zwar dicht an Kopenhagen dran, aber trotzdem wollen  wir dichter in die Stadt, damit wir alle Ziele mit dem Fahrrad erreichen können. Diesmal wollen wir in den Yachthafen an der alten Kalkbrennerei.

In der südwestlichen Zufahrt zum Øresund scheint eine große Übung abzulaufen. Auf dem AIS sieht man Feuerwehrboote, Polizei- und Marineschiffe und ein altes Feuerschiff auf engstem Raum. Auf Kanal 16 ist Ruhe, was bei einem echten Einsatz eher ungewöhnlich ist. Am Horizont kann man auch die Schiffe sehen, aber keine Anzeichen von Disstress.

Als wir nach Norden in das östliche Øresund-Fahrwasser einbiegen, kommt von dort ein großer Öltranker. Er ist leer und fährt Südkurs. Ein Blick auf den Plotter verrät, dass er das AIS-Signal ausgeschaltet hat und von aussen emacht er einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck. Wir vermuten, dass es sich um einen Tanker der russischen Schattenflotte handelt, der als Ziel das Ölterminal vor St. Petersburg hat. Wir machen einen Eintrag in das Logbuch und machen einige Bilder von der ‚Skiron‘ als Dokumentation.

Der Rest der Tour ist unspektakulär, nur dass wir 2 Knt Strom mit haben und das Mellemsund Fort ziemlich schnell erreichen. Das finden wir sehr gut, da es zwischendurch immer mal wieder regnet und das Segeln nicht sehr angenehm ist.

Von der Marina wissen wir nicht, um welchen Standard es sich handelt. Als wir festmachen stellt sich heraus, dass es sich um einen mittleren Standard mit sehr gemischten Booten handelt. Einige sind gut in Schuss, aber einige könnten auch etwas mehr Zuwendung ertragen. Nachdem wir den Regen abgewettert haben und sich eine Pause andeutet, steigen wir auf unsere Fahrräder und erkunden die Stadt.

Als sich erneut ein Regenschauer ankündigt, suchen wir uns mit Hilfe einer Passantin, die uns einen guten Tip gibt, ein asiatisches Restaurant. Wir landen im Hanzo, das man wirklich empfehlen kann.

Nach dem Essen und dem Regen kommt tatsächlich sogar etwas Sonne heraus und wir schauen uns noch die Brumleby, eine vorbildliche Armensiedlung aus dem 19. Jahrhundert. Heute sind die kleinen Reihenhäuser Schmuckstücke.

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Gänsetag

Ablegen aus Rødvig

Ablegen aus Rødvig

Heute soll es weiter in Richtung Kopenhagen gehen. Für das Frühstück gibt es noch Brötchen vom Brugsen in Rødvig und dann geht es los. Die Sonne scheint und es ist sogar, dass wir auf dicke Kleidung verzichten.

Nördlich von Rødvig gibt es auch eine Klippenküste. Sie ist zwar nicht so hoch wie die auf Møn, aber nicht weniger wichtig. Sie heißt Stevns Klint. Hier ist in den Kalkstein eine sichtbare extraterrestrische Iridumschicht eingelagert, die auf einen gewaltigen Metereoriten Einschlag hinweißt. Diese Schicht gilt als Beweis für die Theorie des Aussterbens der Dinos durch einen Metereoriten Einschlag, da der Zeitraum zusammenfällt.

Alte Kirche von Højerup. Der Chor stürzte vor fast 100 Jahren in die Ostsee. Eine Betonmauer stützt nun die Kirche von unten. Darauf befindet sich ein kleiner Balkon den man von der Kirche aus betreten kann.

Alte Kirche von Højerup. Der Chor stürzte vor fast 100 Jahren in die Ostsee. Eine Betonmauer stützt nun die Kirche von unten. Darauf befindet sich ein kleiner Balkon den man von der Kirche aus betreten kann.

Über der Klippe steht eine Kirche direkt am Rand. Der Raum hinter dem Altar ist in der Vergangenheit abgestürzt. Den Rest der Klippe hat man unterhalb abgestützt, so dass die Kirche immer noch steht und zugänglich ist.

Große Schwärme von Gänsen überholen uns heute auf dem Weg nach Norden

Große Schwärme von Gänsen überholen uns heute auf dem Weg nach Norden

 

 

 

 

Während wir weiter Richtung Norden segeln, ziehen viele Gänse an uns vorbei nach Schweden. Wir müssen an die Geschichten von Niels Holgerson denken.

Neuer Liegeplatz - neuer Ausblick

Neuer Liegeplatz – neuer Ausblick

 

 

 

Als wir in Dragør auf dem gleichen Platz wie im letzten Jahr festgemacht haben, gehen wir erst einmal zu der Eisdiele am Hafen, wo die Waffeln noch von Hand gemacht werden. Leider können wir hier nicht per Karte bzw. Mobil bezahlen und müssen uns erst einmal einen Km entfernt im Supermarkt einige Kronen besorgen.

Danach betrachten das Treiben im Hafen. Vor der Mole trainiert der örtliche Paddelverein das Wiedereinsteigen ins Boot auf See und die Segler machen sich bereit für ihre Dienstagsregatta.

Blick über den Öresund vor dem Start einer abendlichen Tour mit den Fahrrädern

Blick über den Öresund vor dem Start einer abendlichen Tour mit den Fahrrädern

Wir schwingen uns auf unsere Räder und statten dem Gänsesyndikat in der Nähe der Strandbadeanstalt einen Besuch ab. Danach radeln wir noch etwas Küste Richtung Süden entlang.

 

 

 

 

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Mønsklint in der Frühsonne

Annäherung an Mønsklint

Annäherung an Mønsklint

Der Wetterbericht sagt für den Nachmittag auffrischenden Wind aus OSO vorher. Deshalb haben wir den Wecker gestellt, um möglichst früh den Hafen zu verlassen. Brötchen kann man derzeit nicht kaufen, so gibt es heute Müsli mit Hafertrunk.

Eine langgestreckte Wolke zieht von den Klippen hinaus auf die See

Eine langgestreckte Wolke zieht von den Klippen hinaus auf die See

Vor den Kreidefelsen von Mønsklint erwartet uns ein tolles Schauspiel. Der Himmel ist weitgehend wolkenlos und die Morgensonne scheint auf die weißen Kreidefelsen. Wir segeln mit 6-7 Knt an der Küste entlang. Aber dann ist plötzlich der Wind weg und wir schaukeln in der alten See.

Ursache ist wohl eine Wolke, die wir auch vorher schon gesehen haben. Hier scheint die Luft senkrecht nach oben zu steigen, wodurch wir natürlich keinen Wind haben. Es bleibt uns nichts anderes übrig als kurz den Motor zu starten und aus dem Einzugsbereich der Wolke herauszufahren. Danach geht es wieder weiter.

Die Klippen aus der Nähe

Die Klippen aus der Nähe

Als wir uns Rødvig nähern, geht der Wind immer mehr schlafen und dreht auf Ost. Die alte See macht uns zu schaffen, da der Wind nun aus einer anderen Richtung kommt und doch eigentlich auffrischen sollte.

Als wir Mønsklint hinter uns lassen, hat die Wolke die Klippen in Dunst gehüllt

Als wir Mønsklint hinter uns lassen, hat die Wolke die Klippen in Dunst gehüllt

Gegen  14:00 Uhr laufen wir nach Rødvig ein und machen vorne an der Pier im Sportboothafen fest. Nach einiger Zeit legt der Wind dann tatsächlich zu und wir genießen es im Windschatten mit einem Eis in der Sonne zu sitzen. Hier im Ort kann man in einem Dagli‘ Brugsen tatsächlich einkaufen, was wir gerne nutzen.

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Weiter geht’s

Der Starkwind ist vorbei und wir genießen heute eine sehr ruhige Tour nach Møn. Sogar ein Nickerchen ist zwischendurch drin.

Der Starkwind ist vorbei und wir genießen heute eine sehr ruhige Tour nach Møn. Sogar ein Nickerchen ist zwischendurch drin.

Über Nacht hat sich der Wind, wie angekündigt, etwas gelegt. Wir wollen den guten Wind nutzen, um bis nach Klintholm auf Møn zu kommen. Früh verlassen wir den Hafen und verschieben das Frühstück auf später, wenn wir um die Gedser Odde herum sind.

Bei Südwind müssen wir leider das gesamte Fahrwasser von Gedser motoren. Vor dem Fährhafen ist ein Bagger gerade dabei, die Verlandungen aus dem letzten Winter zu beseitigen und wir sind irritiert, da er sich in der Fahrrinne etwas dreht. Wir schlupfen mit Speed vorbei und vermuten, dass wir doch die andere Seite hätten nehmen sollen. Macht nichts, es hat alles gut geklappt.

Klintholm auf Møn belohnt uns mit einem weißen Strand ganz für uns allein

Klintholm auf Møn belohnt uns mit einem weißen Strand ganz für uns allein

Bei Fahrwasser Ende werden die Segel gesetzt und es geht in Richtung der Passage des Gedser Landrevs. Dort können wir in Richtung Møn abfallen.

Die lange Küste von Falster zieht vorbei und auf der Höhe von Hesnæs, dessen Hafen immer noch wegen der Zerstörung im Oktober 2023 gesperrt ist (soll am 1. Juli diesen Jahres wieder öffnen), geht der Wind schlafen und kommt nach einiger Zeit aus OSO wieder.

Unterwegs fällt uns auf, dass wir auf dem Plotter keine anderen Schiffe sehen. Es ist zwar relativ leer hier, aber in der Ferne können wir die Großschifffahrt sehen und auch ein paar Yachten sind unterwegs. Woran kann das liegen? Im Funk hören wir sogar von weit her entsprechende Funksprüche. An der Antenne kann es also nicht liegen. Die anderen Geräte zeigen brav Wassertiefe, Geschwindigkeit, Kurs, Windrichtung und -stärke an. Am Netzwerk kann es also auch nicht grundsätzlich liegen. Zum Glück gibt es Handy Apps, auf denen der Schiffsverkehr aufgrund der empfangenen AIS-Signale angezeigt werden. Hier sind wir mit aktueller Position, Kurs und Geschwindigkeit zu sehen. Am AIS-Gerät liegt es also auch nicht. Vermutlich ist es die Netzwerkverbindung des Geräts. Die liegt gut verschraubt hinter einem Holzpaneel. Das wollen wir jetzt unterwegs nicht öffnen. Also leben wir erstmal damit, dass wir andere Schiffe nicht auf dem Plotter sehen.

Der Strand lädt zum Baden ein, aber das Wasser hatte draußen nur 13 Grad. Hier am Stand mag es zwar wärmer sein, aber das reicht uns noch nicht...

Der Strand lädt zum Baden ein, aber das Wasser hatte draußen nur 13 Grad. Hier am Stand mag es zwar wärmer sein, aber das reicht uns noch nicht…

Mit diesem wunderbaren Wind geht es dann bis nach Klintholm. Als wir einlaufen sind noch jede Menge gut geschützte Plätze frei und wir machen fest. Uns folgen aber dann noch sechs Yachten, die eine nach der anderen in den Boxen neben uns fest machen.

Nun wollen wir dem Fehler mit den AIS-Daten der anderen Schiffe auf den Grund gehen. Die Ursache ist glücklicherweise schnell gefunden: Das Netzwerkkabel des Plotters war nicht richtig eingesteckt und hatte sich vermutlich im Seegang vor Gedser gelöst. Dazu brauchten wir keinen Schraubendreher. Wir nutzen die gewonnene Zeit, um einen Tisch beim Italiener zu reservieren und vor dem Essen noch einen Strandspaziergang zu machen.

In Klintholm ist seit einigen Jahren das Thema Windkraft groß im Kommen. Vor Møn auf dem Kriegersflak ist ein großer Windpark errichtet worden, der natürlich gewartet werden muss. Dies geschieht von Klintholm aus. Der Windpark ist sowohl mit dem dänischen Netz als auch mit dem deutschen Netz verbunden. Deshalb finden sich hier Gebäude und Fahrzeuge mit der Aufschrift EnBW.

Die Einkaufsmöglichkeiten in Klintholm sind dieses Jahr auf ein Minimum reduziert, aber es gibt noch die kleinen Lokale zum Essen und die Hafenbar ‚Klap Hesten‘, der wir nach einer Pizza im Portofino natürlich auch einen Besuch abstatten. Wir kommen mit Ole Eskling gleich wieder ins Gespräch und natürlich hat er auch wieder besondere Gäste. Ein Filmschauspieler ist mit einer Motorradgruppe aus Litauen zu Besuch.

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Site Seeing in Gedser

Wie angekündigt, hat der Wind über Nacht auf SW gedreht und kräftig auf 5-6 Bft aufgefrischt. Bei diesem Wind wollen wir nicht weiter und verbringen den Tag in Gedser.

Der Wind braust aus Südwest. Lorrikeet liegt geschützt im Hafen und wir reisen heute mit unseren Drahteseln "Adele" und "Anton".

Der Wind braust aus Südwest. Lorrikeet liegt geschützt im Hafen und wir reisen heute mit unseren Drahteseln „Adele“ und „Anton“.

Wir packen nach dem Frühstück unsere Fahrräder aus und machen uns auf den Weg. In einem YouTube Video über die Scandlines Fähre nach Warnemünde ist von einem Eisenbahnmuseum in der Gedser Remise die Rede. Dort radeln wir zunächst hin.

Gedser war seit 1883 Endbahnhof zu der Fähre nach Deutschland. Neben dem Bahnhof gab es dort dann auch eine Wartungswerkstatt mit einem großen Lokschuppen. In den 1980er Jahren verlor er seine Bedeutung und stand leer. Heute wird er von Ehrenamtlichen als Museum betrieben und beherbergt eine Menge alter Dampfloks und Wagons. In dem alten Stellwerkturm, der früher auf dem Kopenhagener Güterbahnhof stand, wurde auch eine Folge der Olsen-Bande gedreht.

Am alten Fischereihafen holen wir uns einen Tee und schauen auf die aufgewühlte See vor dem Hafen. Von hier geht auch eine kleine Straße zur Gedser Odde, dem südlichsten Punkt Dänemarks und damit auch Skandinaviens. Die Kulturstätte dort ist leider nicht mehr in Betrieb, da sie droht die Steilküste hinab ins Meer zu rutschen. Bei allen Winden von Ost über Süd bis SW können die Wellen hier eine große Kraft entwickeln. Am Strand finden wir auch noch das halb verwesten Kadaver eines kleinen Wals, höchstwahrscheinlich ein Schweinswal.

Nun machen wir uns wieder zurück auf den Weg nach Gedser, da ein dicker Schauer über See auf uns zu zieht. Die Räucherei, in die wir eigentlich wollen, ist schon seit 16:00 Uhr zu, so dass wir in den Krogaarden gehen, der nicht weit vom Hafen liegt. Neben Speisen und Getränken gibt es hier auch eine Galerie mit interessanten Bildern und einigen Schmuckgegenständen. Zusätzlich wird hier auch eigenes Bier gebraut, von dem wir uns noch eine Zusammenstellung mitnehmen.

Als wir wieder im Hafen an Bord sind, bekommen wir noch ein ausgiebiges Hafenkino geboten. Klar, bei dem Wind ist es nicht einfach anzulegen, aber zwei offensichtliche Charteryachten laufen ein. Die eine Yacht hat sich eine viel zu kurze Box ausgesucht und fährt vor dem Wind ungebremst gegen den Steg. Die Heckleinen, die dies verhindern sollen, hängen immer noch nach vorn durch. Der Aufprall des Ankers auf dem Steg ist im ganzen Hafen zu hören.

Die andere Yacht lieg in legerwall Position vor den Pfählen und versucht mit einem jämmerlichen Bugstrahlruder die Yacht gegen den Wind zu drehen. Die Besatzung macht einen etwas überforderten Eindruck. Ich hatte bisher den ‚Luvfender-Bediener’ immer für einen Witz gehalten, aber hier kann man tatsächlich ein solches Exemplar beobachten, wie er mit einem Fender und einer Leine auf der Luvseite bewaffnet auf seinen Einsatz wartet. Nach einiger Zeit hat man offensichtlich begriffen, dass es besser ist, Leinen auf die Pfähle zu legen und dann um einen Pfahl zu drehen.

Als die Yacht dann unter lautem Quietschen mit dem Heck durch die Pfähle rutscht, hat leider niemand achtern Leinen bereit, um sie helfenden Händen am Steg hinüber zu werfen. Die Yacht droht auch auf der anderen Seite querzuschlagen. Zu guter Letzt klappt es aber doch und die Yacht liegt einigermaßen fest mit einigen zusätzlichen Schrammen in der Box. Die Besatzung wuselt noch lange planlos über Deck und durch das Cockpit. Vielleicht sollte man hier einmal über ein Skippertraining nachdenken.

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