Queren des Verkehrstrennungsgebietes Kadettrinne oder wie kommt man zu Fuß über die Autobahn

Nach dem heftigen Regen am Abend zuvor, erwachen wir bei schönstem Sonnenwetter. Nach dem Frühstück im Cockpit verlassen wir Kühlungsborn. Der Wind kommt aus SW und hat etwa 3-4 Bft. Heute soll es hinüber auf die dänische Seite gehen.

Südwestlich der Einfahrt in das Verkehrstrennungsgebiet bei Gedser sichten wir ein ungekennzeichnetes Marineschiff.

Südwestlich der Einfahrt in das Verkehrstrennungsgebiet bei Gedser sichten wir ein ungekennzeichnetes Marineschiff.

Die ersten zwei Stunden geht es mit gut 6 Knt schnell Richtung Nord voran, aber dann wird es immer flauer. Weiter als bis Gedser wird es wohl nichts. Aus Richtung Fehmarn Belt nähert sich ein Marineschiff ohne AIS-Kennung. Als es nahe genug dran ist, erinnere ich mich an einen Yacht-Online Artikel, nach dem sich der russische Zerstörer ‚Severomorsk‘ in dem Seegebiet aufhält und zu allem Überfluss hält ein Massengutfrachter von der Warnow kommend auf uns zu. Allerdings wird er immer langsamer und scheint ankern zu wollen. Der Wind ist nun vollständig weg und wir entscheiden uns unter Maschine in Richtung VTG Kadettrinne zu fahren. Das Großsegel lassen wir oben, aber die Genua rollen wir ein.

Zwei Frachter halten scheinbar auf uns zu, müssen aber noch ein Stück drehen, um in das Verkehrstrennungsgebiet bei Gedser einzufahren.

Zwei Frachter halten scheinbar auf uns zu, müssen aber noch ein Stück drehen, um in das Verkehrstrennungsgebiet bei Gedser einzufahren.

Als wir uns der Kadettrinne nähern, nimmt die Dichte der großen Schiffe stark zu. Man fühlt sich, als wenn man zu Fuß eine Autobahn queren möchte.

Von Westen halten drei große Schiffe in das VTG und wir sind mit allen zwar nicht auf Kollisionskurs, aber „too close for comfort“. Also drosseln wir die Geschwindigkeit und drehen so, dass wir hinter ihnen herum gehen.

Der Frachter Kanko Maru wollte uns vorlassen. Wir verzichten lieber, um nicht in den Gegenverkehr zu geraten

Der Frachter Kanko Maru wollte uns vorlassen. Wir verzichten lieber, um nicht in den Gegenverkehr zu geraten

Allerdings näher sich schon die nächste Gruppe. Als wir durch sind, kommen drei große Schiffe von Osten durch das VTG  Kadettrinne.

Dichter Verkehr vor dem Verkehrstrennungsgebiet bei Gedser

Dichter Verkehr vor dem Verkehrstrennungsgebiet bei Gedser

Eines davon ist ein riesiges Containerschiff mit 386m Länge. Alle fahren sie mit einer Geschwindigkeit von 16 – 20 Knt. Da sind wir eher ein Spielball und müssen uns freihalten. Auch die Schiffe aus Osten lassen wir vor uns passieren.

Zwischen diesem Trubel queren regelmäßig auch die beiden Scandlines-Fähren Warnemünde-Gedser das Gebiet.

Die Scandline Fähre zwischen Warnemünde und Gedser mit Flettnerrotor zum Energiesparen

Die Scandline Fähre zwischen Warnemünde und Gedser mit Flettnerrotor zum Energiesparen

Diese haben als Besonderheit einen Flettner-Antrieb, der 4-5% Einsparungen beim Treibstoff bringen soll. Die Röhre oben auf dem Deck dreht sich und erzeugt dadurch auf der Lee-Seite einen starken Unterdruck, der dann zu einem Vortrieb führt.

Nach dem Queren des Einfahrtsbereichs in die Kadettrinne setzt sich ein südöstlicher Wind durch und wir können den Rest ohne Maschine bis zur Hafenzufahrt zurücklegen. Nach 7 Stunden haben wir Gedser erreicht und machen im Yachthafen fest.

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Bloß weg hier!

Gestern sind wir mit Thomas per Raddampfer (Camper) von Hannover nach Wismar gefahren und haben die Gelegenheit genutzt, einige Sachen mitzunehmen und auf dem Weg noch einige Lebensmittel einzukaufen.

Die Backskisten sind randvoll mit Lebensmitteln. Es kann losgehen1

Die Backskisten sind randvoll mit Lebensmitteln. Es kann losgehen

Nun sind wir an Bord und stellen fest, das das Zeug gerade so noch in die Stauräume passt. Thomas macht sich nach dem Frühstück wieder auf den Weg nach Hause und wird Mitte Juni wieder an Bord kommen.

Wir verlassen nun den Hafen, da langsam die Dichte an alkoholisierten Männern mit lauter Musik und Bollerwagen voll Alkohol zunimmt.

Wir verlassen Wismar bei Flaute von vorn. Über Wismar stehen dunkle Schauerwolken. Vor uns im Norden ist blauer Himmel.

Wir verlassen Wismar bei Flaute von vorn. Über Wismar stehen dunkle Schauerwolken. Vor uns im Norden ist blauer Himmel.

Das erste Stück bis etwa Hohenwieschendorf ist sehr flau und über Land sieht man dicke Wolken und wir wissen nicht, wie sich das Wetter entwickeln wird. Vor Poel frischt der Wind aber auf angenehme 3-4 Bft aus S auf. Wir entscheiden, um die Poeler Ecke zu gehen und mindestens Richtung Rerik zu segeln.

Schauer oder Gewitter und mit Wind oder mit Flaute? Das ist hier die Frage!

Schauer oder Gewitter und mit Wind oder mit Flaute? Das ist hier die Frage!

Es geht gut weiter, so dass wir auch nicht nach Rerik einlaufen, sondern Kühlungsborn anpeilen. Als wir um die Bukspitze gehen, baut sich hinter uns ein Gewitter auf und der Wind schläft ein. Gewitter auf See steht nicht auf unserem Plan. Also schmeißen wir den Jockel an und bergen die Segel. Nun darf er einmal zeigen was er kann. Mit flotten 6,5 Knt laufen wir unter Maschine dem Hafen zu. Allerdings erwischt uns der Regen noch beim Festmachen in Kühlungsborn.

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Wintersaison 2025/2026

Es wird Zeit ein wenig die Winterarbeiten 2025/2026 Revue passieren zu lassen.

Lorrikeet am Haken

Lorrikeet am Haken

Lorrikeet kam am 7.11.25 aus dem Wasser und zeigte an einigen Stellen erheblichen Bewuchs mit Röhrenwürmern im Unterwasserbereich. Dies muss mit der langen Ruhezeit  von ihr in der zweiten Jahreshälfte bei hohen Temperaturen im Brackwasser des Westhafens zutun haben.

Reichlich Bewuchs mit Röhrenwürmern

Reichlich Bewuchs mit Röhrenwürmern

Mit Spachtel und Wasserstrahl ließ sich der Bewuchs relativ gut entfernen. Mit einem Schleifschwamm wurden die Stellen dann noch einmal bearbeitet und danach kam Anfang März wieder eine Schicht Antifouling darauf. Wir sind gespannt auf die Versuche mit biozidfreien Anstrichen, die derzeit bei uns im Hafen laufen. Vielleicht können wir in Zukunft umsteigen.

Das große Loch nach Ausbau des Saildrives

Das große Loch nach Ausbau des Saildrives

Bereits letztes Jahr bei der Motorwartung haben wir mit unserem Motorfachmann abgesprochen, dass wir diesen Winter die Saildrivedichtung tauschen und einige erweiterte Arbeiten am Motor durchführen wollen. Diese Arbeiten bedingen, dass die Verbindung zwischen Getriebe/Saildrive und Motor getrennt werden muss. Danach war es möglich den Saildrive zu lösen und nach oben zu heben.

Alles wieder zusammen mit neuer Dichtung

Alles wieder zusammen mit neuer Dichtung

Der Bereich unter der Dichtung, der normalerweise immer im Wasser ist, sah erstaunlich gut aus. Trotzdem habe ich die Chance genutzt alles sauber zu machen und eine Epoxidichtung dort aufzutragen. Rückblickend kann ich nur sagen, dass ein Gebläse mit Frischluft gut getan hätte. Anfang März haben wir den gereinigten Saildrive, die Dichtung und eine neue Wasserpumpe eingebaut. Nur zur Erinnerung, die Versicherungen schreiben vor, dass diese Dichtung etwa alle 10 Jahre erneuert wird. Tut man das nicht, erlischt der Versicherungsschutz für das Boot.

Die Saison 2026 kann beginnen

Die Saison 2026 kann beginnen

Als letzte große Neuerung haben wir Lorrikeet wieder bei Jan-Segel eine neue Genua 2 gegönnt, nachdem ich im letzten Jahr einen halben Tag mit Flickarbeiten in Klintholm zugebracht habe. Das war übrigens die Genua, die wir als erstes in 2012 haben erneuern lassen. Da es sich bei diesem Segel um unsere Standard Genua handelt, kann man sagen, dass sie ein vernünftiges Alter erreicht hat. Am 31.03.26 kam Lorrikeet dann wieder blitzend ins Wasser.

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Zurück im Heimathafen

Das Salzhaff bei Rerik

Das Salzhaff bei Rerik

Nachdem der Wind Samstagabend komplett eingeschlafen ist, kommt über nacht wieder Wind aus SSW auf. Das heißt, dass wir das Fahrwasser durch das Salzhaff wieder mit der Maschine bewältigen müssen. Wir lassen uns Zeit und laufen erst gegen 11:00 aus.

Im zweiten Teil vom Salzhaff können wir die Segel setzen und um die Kielung fahren. Auch wenn Klaus das schon viele Male gemacht hat, ist es immer wieder spannend in unmittelbarer Nähe des Ufers entlang zu fahren, zumal man weiß, dass es auf der anderen Seite entgegen aller Vermutung schnell zu flach wird.

Mit nur drei Wenden auf der ganzen Etappe in die Wismarer Bucht schaffen wir es bis zur Wendorfer Seebrücke, wo wir die Segel bergen. Der Wind hat nun eher auf Süd gedreht, so dass wir ab hier noch einige Schläge durch das enge Fahrwasser bis zum Westhafen hätten machen müssen.

Im Hafen finden wir unseren Liegeplatz frei vor und machen fest. Der Hafenmeister, bei dem wir unser Hafenpersenning deponiert haben, erkennt Klaus mit Sonnenbrille, Käppi, langem Bart und langen Haaren nach gut 7 Wochen erst nicht wieder und will uns nicht ins Lager lassen. Gutes Zureden erzeugt dann aber doch die notwendige Erinnerung. 

Den Tourabschluss feiern wir dann im New Orleans. Lorrikeet ist dieses Jahr vom 2.5.25 bis zum 22.6.25 unterwegs gewesen und hat in der Zeit mit 5 Crewmitgliedern in wechselnder Besatzung 843,7 Seemeilen geloggt. Dabei sind wir in ein Revier vorgestoßen, dass wir bisher noch nicht kannten, aber immer schon auf dem Wunschzettel stand.

Die ersten drei Wochen im Mai waren für die Crew an Bord aber sehr kalt. Wenn man sich die Karte der Wassertemperatur der Ostsee in dieser Zeit anschaute, konnte man erkennen warum. Das Wasser bei Öland war etwa 4-5°C kälter als in der Lübecker Bucht. Das sollte man bei einer erneuten Tourplanung in diese Gegend oder auch weiter nach Norden berücksichtigen.

Die Hanö Bucht zwischen Simrishamn und Utklippan ist berüchtigt für seine vielen Schiess- und Übungsgebiete. Das können wir nun aus eigener Erfahrung bestätigen, aber die Kameraden von der Marine waren immer sehr freundlich und Kompromiss bereit und es gibt tatsächlich im Internet eine Stelle, an der man die Schiesszeiten nachschauen kann, allerdings dort immer. nur für den aktuellen Monat und zum Monatswechsel gibt es Probleme mit der Vorschau in den nächsten Monat.

Vorbereitungen zur "Drei Groschen Oper" in der Georgen Kirche

Vorbereitungen zur „Drei Groschen Oper“ in der Georgen Kirche

Am nächsten Morgen gehen Matthias und Klaus, der den unzertifizierten Stadtführer von Wismar macht, noch einmal in die Altstadt von Wismar. Eigentlich wollen wir, bevor wir den Zug nach Hause nehmen, noch in der Seeperle essen. Es zieht aber von Südwesten eine Gewitterfront auf.

Gewitterfront über Wismar

Gewitterfront über Wismar

Wir schaffen es gerade noch vor dem Wolkenbruch an Bord, wo wir uns unter dem zu 2/3 bereits gesetzten Hafenpersenning verkriechen. Als der Regen etwas weniger wird machen wir das Persenning fertig und sehen  zu, dass wir zum Bahnhof kommen. So sitzen wir halb durchgeweicht im Zug nach Schwerin.

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Kurze Tour im Heimatrevier

Für heute ist ab späten Vormittag, nach anfänglicher Flaute, etwas Wind aus WSW angesagt, der dann gegen Nachmittag auf SW drehen und wieder schlafen gehen soll. Das bedeutet, dass wir um die Buk-Spitze kreuzen müssen, aber Lorrikeet hat da ja bekanntlich ihre Spezialität.

Wir machen uns also in aller Ruhe fertig, um den Hafen zu verlassen. Offensichtlich sind wir zu ruhig. Als wir die letzte Vorleine lösen und mit der Maschine rückwärts geben wollen, kommt vom Nachbarschiff der Hinweis „Ihr habt noch den schwarzen Festmacher dran!“. Also Leine wieder fest und noch schnell das Kabel aus der Steckdose ziehen und einsammeln.

Lorrikeet in Rerik

Lorrikeet in Rerik

Das Aufkreuzen in die Mecklenburger Bucht geht, wie erwartet, sehr gut und der Wind hat mit 3 Bft. eine angenehme Stärke. Mit einer Comfortina 42, die mit uns gemeinsam ausgelaufen ist, liefern wir uns eine kleine privat Regatta, bei der sich beide Boote nichts geben. Ziel für heute ist Rerik. Als wir in Richtung der Kielung, der schmalen Einfahrt in das Salzhaff, segeln, dreht plötzlich der Wind und schläft schlagartig ein. Es bleib uns nichts anderes übrig, als den Motor zu starten und die Segel einzupacken.

Livemusik am Strand

Livemusik am Strand

Auch in Rerik gibt es am Hafen ein Fest mit Musik. Wir ziehen es aber vor zum Sonnenuntergang an den Strand zu gehen. Leider hat Kalle’s Strandbar schon geschlossen, aber man trifft sich trotzdem dort. Die Strandbar ist dieses Jahr etwas kleiner, aber es gibt einige Sitzgelegenheiten. Wir bekommen zum Sonnenuntergang sogar etwas Livemusik. Ein junges Paar packt die Gitarre aus und bringt uns allen ein Ständchen.

Sonnenuntergang in Rerik

Sonnenuntergang in Rerik

Am Horizont treiben die Teilnehmer der Midsummersail, die von Wismar nach Törre in Finnland geht, vor der untergehenden Sonne vorbei.

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