Wie angekündigt, hat der Wind über Nacht auf SW gedreht und kräftig auf 5-6 Bft aufgefrischt. Bei diesem Wind wollen wir nicht weiter und verbringen den Tag in Gedser.

Der Wind braust aus Südwest. Lorrikeet liegt geschützt im Hafen und wir reisen heute mit unseren Drahteseln „Adele“ und „Anton“.
Wir packen nach dem Frühstück unsere Fahrräder aus und machen uns auf den Weg. In einem YouTube Video über die Scandlines Fähre nach Warnemünde ist von einem Eisenbahnmuseum in der Gedser Remise die Rede. Dort radeln wir zunächst hin.
Gedser war seit 1883 Endbahnhof zu der Fähre nach Deutschland. Neben dem Bahnhof gab es dort dann auch eine Wartungswerkstatt mit einem großen Lokschuppen. In den 1980er Jahren verlor er seine Bedeutung und stand leer. Heute wird er von Ehrenamtlichen als Museum betrieben und beherbergt eine Menge alter Dampfloks und Wagons. In dem alten Stellwerkturm, der früher auf dem Kopenhagener Güterbahnhof stand, wurde auch eine Folge der Olsen-Bande gedreht.
Der Lokschuppen heißt jetzt Remise und ist ein Eisenbahnmuseum, welches von Freiwilligen betrieben wird.
Im Eisenbahnmuseum Remise dürfen wir die meisten Fahrzeuge auch von innen besichtigen und so klettern wir nach Herzenslust in alles hinein und genießen den Ausblick.
Schöne alte Lokomotive in der Remise
Wer sich einmal als Lokführer fühlen möchte, hat hier in der Remise seinen Spaß.
Man nehme eine Dampfmaschine und setze sie auf ein Fahrgestell und schweiße noch ein Führerhaus dran und fertig ist die Lokomotive.
Zwei alte Damen aus verschiedenen Zeiten
Besuch bei den alten Damen, auch wenn bei manchen der Lack schon etwas ab ist.
Schönes Detail im Eisenbahnmuseum
Als würde sie gleich losfahren, aber ob der Kessel den Druck noch aushalten würde?
Hier können wir mal schauen, welchen Blick ein Lokführer einer Dampflok so haben konnte.
Wo wir heute Spannung überwachen, musste damals Druck überwacht werden.
Dieses schöne alte Häuschen der Signalwärter stand ursprünglich in Kopenhagen und wurde per Schiff und Schwertransport nach Gedser gebracht, um das Museum zu bereichern.
Als Stempel noch Fortschritt bedeuteten...
Dieses Poster an der Wand im Museum zeigt die Warnemünde-Gedser Fähre aus den 90er Jahren im schweren Seegang. Damals fuhren die Züge noch auf die Fähre.
Am Eingang begrüßt uns die Olsen Bande, die uns aus unserem Dänisch Unterricht noch vertraut ist. Auf einem Bildschirm läuft "Die Olsen Band stellt die Weichen" - ein Film, der zum Teil hier in Gedser gedreht wurde.
Am alten Fischereihafen holen wir uns einen Tee und schauen auf die aufgewühlte See vor dem Hafen. Von hier geht auch eine kleine Straße zur Gedser Odde, dem südlichsten Punkt Dänemarks und damit auch Skandinaviens. Die Kulturstätte dort ist leider nicht mehr in Betrieb, da sie droht die Steilküste hinab ins Meer zu rutschen. Bei allen Winden von Ost über Süd bis SW können die Wellen hier eine große Kraft entwickeln. Am Strand finden wir auch noch das halb verwesten Kadaver eines kleinen Wals, höchstwahrscheinlich ein Schweinswal.
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Seegang an Gedser Odde
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Seegang am Strand
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Blick von Gedser Odde nach Norden
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Am Strand von Gedser Odde wird uns klar, warum das schön gelegene Gebäude oben auf der Steilküste leer steht.
Nun machen wir uns wieder zurück auf den Weg nach Gedser, da ein dicker Schauer über See auf uns zu zieht. Die Räucherei, in die wir eigentlich wollen, ist schon seit 16:00 Uhr zu, so dass wir in den Krogaarden gehen, der nicht weit vom Hafen liegt. Neben Speisen und Getränken gibt es hier auch eine Galerie mit interessanten Bildern und einigen Schmuckgegenständen. Zusätzlich wird hier auch eigenes Bier gebraut, von dem wir uns noch eine Zusammenstellung mitnehmen.
Als wir wieder im Hafen an Bord sind, bekommen wir noch ein ausgiebiges Hafenkino geboten. Klar, bei dem Wind ist es nicht einfach anzulegen, aber zwei offensichtliche Charteryachten laufen ein. Die eine Yacht hat sich eine viel zu kurze Box ausgesucht und fährt vor dem Wind ungebremst gegen den Steg. Die Heckleinen, die dies verhindern sollen, hängen immer noch nach vorn durch. Der Aufprall des Ankers auf dem Steg ist im ganzen Hafen zu hören.
Die andere Yacht lieg in legerwall Position vor den Pfählen und versucht mit einem jämmerlichen Bugstrahlruder die Yacht gegen den Wind zu drehen. Die Besatzung macht einen etwas überforderten Eindruck. Ich hatte bisher den ‚Luvfender-Bediener’ immer für einen Witz gehalten, aber hier kann man tatsächlich ein solches Exemplar beobachten, wie er mit einem Fender und einer Leine auf der Luvseite bewaffnet auf seinen Einsatz wartet. Nach einiger Zeit hat man offensichtlich begriffen, dass es besser ist, Leinen auf die Pfähle zu legen und dann um einen Pfahl zu drehen.
Als die Yacht dann unter lautem Quietschen mit dem Heck durch die Pfähle rutscht, hat leider niemand achtern Leinen bereit, um sie helfenden Händen am Steg hinüber zu werfen. Die Yacht droht auch auf der anderen Seite querzuschlagen. Zu guter Letzt klappt es aber doch und die Yacht liegt einigermaßen fest mit einigen zusätzlichen Schrammen in der Box. Die Besatzung wuselt noch lange planlos über Deck und durch das Cockpit. Vielleicht sollte man hier einmal über ein Skippertraining nachdenken.