Ansegeln nach Kühlungsborn

Dick eingemummelt bei Sonnenschein im Cockpit

Eigentlich war in Wismar gestern ansegeln, aber es war so kalt und ungemütlich und ich  so müde, dass ich eigentlich gar nicht segeln wollte. Die anderen aus dem Hafen überzeugen uns, wenigstens zwei Stündchen mit rauszugehen, um anschließend zu grillen. Na gut, das kriegen wir noch hin. Zum Umdrehen und gemeinsamen Starten aus dem Hafen haben wir jedoch keine Lust. Der Wind bläst aus Nördlichen Richtungen und wir müssen das erste Stück kreuzen.

Vor Kühlungsborn sind wir Anfang Mai noch fast allein auf dem Wasser

Als wir das geschafft haben, lege ich mich in Lee im Cockpit schlafen. Klaus segelt weiter. Als ich wieder aufwache, ist bereits Rerik in Sicht. Zum Umdrehen sind wir schon viel zu weit. Die anderen müssen ohne uns grillen. Die Bukspitze können wir mühelos anliegen, also beschließen wir weiter nach Kühlungsborn zu segeln. Das Wetter hat sich mittlerweile deutlich verbessert und es segelt sich ganz wunderbar.

Der Vogel spiegelt sich im Hafenwasser von Kühlungsborn

Heute morgen haben wir bei 7°C und herrlichem Sonnenschein im Cockpit gefrühstückt! Danach gab es eine genauso schöne Tour wieder zurück nach Wismar. Erst gegen Ende des Tages zogen wieder Wolken auf.

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Voll vernetzt

„Ich dachte, Ihr habt ein Boot und keinen Bus“ sagte jemand scherzhaft, dem ich von unserem Projekt berichtete, die Navigationsinstrumente per CAN-Bus zu vernetzen. Aus dem Automobilbereich ist das Bussystem gut bekannt. Auf Schiffen läuft es unter dem Namen NMEA 2000. Eine NMEA-Schnittstelle haben Navigationsinstrumente schon lange, aber diese ist die viel unflexiblere NMEA 0183, die technisch mit dem CAN-Bus außer dem Namen nichts gemein hat. Der NMEA 2000 Bus besteht aus einer Hauptleitung, dem Backbone, der an beiden Enden mit einem Abschlusswiderstand versehen sein muss und den Stichleitungen, den sogenannten Drops, an denen die Navigations- und Anzeigeinstrumente angeschlossen sind. Der Bus versorgt die Geräte mit Strom und transportiert die Daten. Alle Daten stehen allen Geräten zur Verfügung. Prinzipiell könnten wir auch ein Notebook anschließen und dort alle Daten sehen.

Das GPS hatten wir schon letztes Jahr installiert. In diesem Winter haben wir ein kombiniertes Echolot mit Logge und Temperatursensor, eine Wetterstation und zwei Anzeigegeräte ergänzt. Die original Kabel- und Stecker waren uns zu teuer. Deshalb sind wir auf die Suche nach Alternativen aus dem Industriebereich gegangen. Fündig geworden sind wir unter dem Schlagwort CANopen mit M12 Steckverbindungen, A codiert. Der Preisunterschied ist erheblich. Die Stecker aus dem Industriebereich sind wasserdicht. Dies ist auch zwingend erforderlich. Alles hat auf Anhieb problemlos zusammengespielt.

Die neuen Anzeigegeräte, sowie Funkhandset und MOB-Taste

Während Klaus in der Woche abends Kabel gezogen und Stecker konfektioniert (nicht so einfach) hat, habe ich die Anwendungsfälle für die Anzeigegeräte geplant. Insgesamt können wir 14 verschiedene Displays anzeigen, immer eins auf Backbord und eins auf Steuerbord. Das heißt, ich habe überlegt, welche Informationen wir in den verschiedenen Situationen (vor der Abfahrt, beim Motoren, beim Segeln, beim Kreuzen, bei der Fahrt zu einem Wegepunkt, Regatta, nach der Ankunft) am dringendsten brauchen und habe dann die Informationen möglichst so auf die Displays verteilt, dass die einzelnen Displays möglichst häufig verwendet werden können. Dies habe ich zuerst mit Hilfe der Bedienungsanleitung morgens und abends in der S-Bahn auf Papier getan und dann gestern auf unserer Fahrt von Lübeck nach Travemünde in die Praxis umgesetzt. Einige Details musste ich korrigieren, da sie so nicht möglich waren, aber insgesamt ging der Plan gut auf.

Zusätzlich haben wir dem Funkgerät ein zweites Handgerät und dem GPS eine Mann-über-Bord-Taste im Cockpit spendiert. Das Aussehen hat sich dadurch ein wenig verändert. Wir finden, es sieht nun besser aus. Beides haben wir getestet und es funktioniert gut.

Manche Informationen wollten wir gar nicht so genau wissen...

Gestern abend bekamen wir dann in Travemünde den ersten Kaffeebesuch dieses Jahres. Heute sind wir trotz anfänglich großer Kälte mit schönem Wind nach Wismar auf unseren neuen Liegeplatz gesegelt. Dort wurden wir sehr herzlich empfangen.

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Von der Werkstatt zum Schiff

Gestern abend haben wir noch eine Spätschicht eingelegt. Als wir heute morgen im Winterlager eintrafen, sah es im, auf und um das Schiff herum noch sehr nach Werkstatt aus. Als erstes haben wir die Badeleiter angebaut, dann den gestern noch zerlegten Propeller gereinigt und frisch gefettet, diverse Stellen unter Wasser mit Anti-Pocken-Fett versorgt, die Vögel noch einmal poliert, das Cockpit poliert und noch schnell den Offset des Echolot ausgemessen. Danach haben wir die Werkstatt aufgeräumt, in und um das Schiff herum Platz geschaffen, während kontinuierlich die Dieselschwaden der Trecker durch die Halle wehten und um uns herum schon die Schiffe von ihren Plätzen gezerrt wurden. Dann waren wir anderthalb Stunden zu früh schon dran und schwammen Punkt 16 Uhr im Travewasser begleitet von den ungeduldigen Flüchen des Kranführers, der in seiner Hektik fast noch unser Ruder abbrechen wollte…

Anschließend begann der gefühlt dreckigste Teil der alljährlichen Winterarbeit: den Platz säubern, Müll entsorgen und aufräumen.

 

 

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Uuups, wir haben den Stöpsel rausgezogen!

Wo jetzt noch ein großes Loch ist, soll das Echolot hin.

Dieses Wochenende haben wir den Kocher wieder abgeholt und dabei gleich schon die meisten Geräte mitgenommen, die wir bestellt hatten. Da sowohl Echolot als auch Logge nur Hausnummern anzeigten, haben wir uns entschlossen, sie auszutauschen. Das alte Echolot war von innen aufgesetzt. Die Logge saß leicht seitlich kurz dahinter. Das neue Gerät ist ein Dreifachsensor mit Echolot, Logge und Temperaturfühler. Den ersten Gedanken, einfach die alte Logge rauszuziehen und statt dessen den neuen Sensor einzusetzen, verwerfen wir ganz schnell wieder.  Der Rumpf ist dort sehr stark geneigt und wir könnten das Echolot nicht parallel zum Grund einbauen. Wenn das Schiff Lage schiebt, würden wir wahrscheinlich den Abstand zur nächsten Küste messen, statt des Abstands zum Grund. Nun müssen wir tapfer sein! Klaus greift zu Hammer und Stecheisen und operiert erst einmal das alte Echolot heraus. Dann bohrt er ein kleines Loch zur Führung für den großen Lochbohrer und schließlich ein großes Loch mit dem 51er Lochbohrer. Als wir den Bohrkern sehen, wundern wir uns nicht mehr, warum das Echolot nur Hausnummern angezeigt hat. Der Rumpf ist dort viel zu dick und zu stark gekrümmt, um ein von innen aufgesetztes Echolot zu ermöglichen. Das Außenprofil muss wie eine Linse gewirkt haben. Die Logge können wir einfach herausziehen und fast wie in der Badewanne statt dessen einen Stöpsel einsetzen.

Das Loch von innen.

So richtig wohl fühlen wir uns nicht mit solch einem Loch im Rumpf, also macht Klaus gleich weiter. Im Baumarkt kaufen wir ein passendes Abflussrohr und Epoxy. Damit modelliert er von außen ein passendes stromlinienförmiges Profil. Der Sensor würde ohne dieses Profil mit seinen Kanten aus dem Rumpf heraus ragen. Wir witzeln herum, dass wir jetzt auch eine Unterwasserbeleuchtung einbauen könnten…

In der Einbauanleitung steht, dass man die äußeren Teile des Sensors mit einem wasserbasierten Antifouling streichen solle. Wir haben noch nie gehört, dass es so etwas geben soll, auch in der Segelabteilung des Baumarkts haben sie noch nie etwas davon gehört, wollen sich aber schlau machen. Im Internet schlage ich die Inhaltsstoffe unseres Antifoulings nach. Es enthält keine Ketone. Diese können laut Einbauanleitung den Sensor beschädigen. Mit dem Hinweis auf das wasserbasierte Antifouling wollen sie sich wahrscheinlich absichern. Aber nun bin ich neugierig und suche im Internet nach dem Schlagwort. Das Ergebnis: es scheint tatsächlich wasserbasierte Antifoulings zu geben. Im Laden habe ich sie jedoch noch nie gesehen. Mal sehen, was die im Baumarkt herausbekommen…

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