Wanderung zum Königsstuhl

Hafentag in Lohme

Wanderweg Richtung Königsstuhl

Wanderweg Richtung Königsstuhl

Heute morgen erscheint das Wetter noch ganz schön, obwohl die Wolken schon von Regen künden. Am späten Vormittag lassen wir Lorrikeet fast allein im Hafen zurück und laufen am Hang durch den Buchenwald Richtung Königsstuhl. Der Weg ist sehr matschig. Wir entscheiden uns bei der nächsten Gelegenheit am Strand weiter zu laufen. Zwei Schauer wettern wir unter den überhängenden Bäumen ab.

Kreideklippen auf dem Weg zum Königsstuhl

Kreideklippen auf dem Weg zum Königsstuhl

Nach ca. 3 Kilometern bewundern wir die spektakulären Klippen des Königsstuhl und hoffen, dass das alles noch ein wenig oben bleibt, zumindest solange wir dort unten stehen. Die Kletterpartie hinauf auf die Klippen ist schweißtreibend.

Der Blick über die Ostsee erscheint wie gemalt

Der Blick über die Ostsee erscheint wie gemalt

Wir stärken uns erst einmal im Besucherzentrum und schauen uns anschließend die Ausstellung an. Die Museumsdramaturgen haben sich hier ausgetobt. Leider bleibt die Information dabei oftmals auf der Strecke.

Blick auf die Klippen vom Königsstuhl

Blick auf die Klippen vom Königsstuhl

Mittlerweile ist es draußen sehr kalt geworden. Wir machen noch einen Abstecher zur Aussichtsplattform und vergraben dann die Fäuste in den Hosentaschen und machen uns auf den Rückweg über den Höhenwanderweg. Der führt oben an der Kliffkante durch den Buchenwald. Wir bewundern die Bäume, die Blumen und die zahlreichen Schnecken.

Schnecke auf dem Stamm einer Buche

Schnecke auf dem Stamm einer Buche

Inzwischen tröpfelt es unaufhörlich von oben. Unser Versuch, in Lohme den Einzelhändlern zu etwas Umsatz zu verhelfen. Es ist alles geschlossen. So bleibt es bei einem Schwätzchen beim Hafenmeister bevor wir uns unter Deck verkriechen und uns ein leckeres Abendessen schmoren. Das Thermometer zeigt nur noch 6°C. Die Wetterkarte zeigt, wie polare Kaltluft ohne Unterbrechung direkt zu uns weht.

Ob diese Buche bald der Kollegin zu ihren Füßen folgt?

Ob diese Buche bald der Kollegin zu ihren Füßen folgt?

Ob diese Pilze Schnecken glücklich machen?

Ob diese Pilze Schnecken glücklich machen?

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Nebelfelder

Sassnitz – Lohme (via ca. 7 Seemeilen nördlich von Arkona)
35,1 sm
SSW – WSW 2-4, schlechte Sicht, vereinzelt Nebelfelder, vereinzelt leichter Sprühregen

Die Strukturen in den Kreidefelsen von Rügen sind deutlich zu erkennen

Die Strukturen in den Kreidefelsen von Rügen sind deutlich zu erkennen

Heute morgen haben wir den Wecker früh um 6 Uhr klingeln lassen. Der Plan war, rüber zur schwedischen Südküste zu laufen, um für den kommenden stärkeren Wind aus N – NW einen besseren Ausgangspunkt für den Heimweg zu haben. Bevor wir gestartet sind, haben wir im örtlichen Supermarkt noch unseren Bestand an frischen Lebensmitteln wieder aufgefüllt.

Der Königsstuhl ist 118 Meter hoch

Der Königsstuhl ist 118 Meter hoch

Angesagt waren für heute für die südliche Ostsee SW 3-4 zunehmend 5 Beaufort und für die westliche Ostsee, in der wir hier auf der Ostseite von Rügen eigentlich nicht sind, SW – W 3 zunehmend 5 Beaufort und schlechte Sicht. Wäre die Vorhersage eingetreten, hätten wir optimale Bedingungen für diese Tour von ca. 55 Seemeilen gehabt. Unser alt vertrautes Gewittertief aus Vorpommern ist mittlerweile in der zentralen Ostsee und zieht jetzt wieder gen Westen. Das scheint ein Rundkurs zu werden, aber hier sollte es uns nicht betreffen.

Wir lassen die Kreidefelsen hinter uns

Wir lassen die Kreidefelsen hinter uns

Erst einmal laufen wir um 8 Uhr aus, setzen nur das Groß und den Robby an die Pinne, um in Ruhe zu frühstücken. Derweil bewundern wir die Kreidefelsen von Rügen. Von See aus lassen sich sehr schön die Strukturen erkennen.

Die See ist ruhig, keine alte Dünung aus Nordost mehr, so wie das gestern der Fall war. Die Sicht ist nicht besonders gut. Arkona können wir vom Jasmund aus nicht erkennen, aber wir machen ordentliche Fahrt und ich lege mich noch einmal für ein Nickerchen in die Koje. Nach einer Stunde wache ich auf, weil das Schiff plötzlich keine Lage mehr hat. Der Wind hat nachgelassen und wir haben zu wenig Geschwindigkeit, um in angemessener Zeit an die schwedische Südküste zu kommen. Mittlerweile sind wir nördlich des Tiefwasserweges, der um Rügen herumführt und südlich vom Verkehrstrennungsgebiet, für den Verkehr, der zwischen Kiel und dem Baltikum unterwegs ist. Sowohl nördlich, als auch südlich von uns fahren Frachter, die teilweise erst sehr spät zu erkennen sind. Von hier aus ist es genauso weit nach Mön, wie nach Schweden. Da der Wind eher nach Süden gedreht hat, als nach Westen, wie wir es erwartet hatten, beschließen wir den Kurs zu ändern und Richtung Mön zu laufen. So machen wir auch 2 Knoten mehr Fahrt. Mön gefällt uns als Ausgangspunkt für die nächsten Tage besser. Wir teilen uns den Horizont auf und überwachen den Schiffsverkehr um uns herum.

Dies geht nur etwas eine Viertelstunde gut, dann ist plötzlich dichter Nebel um uns herum und der Wind dreht wieder zurück und kommt diesmal fast aus Westen. Diesen Nebel haben wir noch nicht einmal als Wand vor uns wahrgenommen. Er ist einfach da. So etwas wie AIS oder Radar haben wir nicht an Bord, so dass wir andere Schiffe orten könnten. Wir haben einen Radarreflektor, so dass uns Schiffe mit Radar sehen sollten, sofern sie ihr Radargerät überwachen und gewillt sind, um uns herum zu fahren. Bei allem, was wir über den Alltag an Bord großer Schiffe wissen, erscheint uns dieses Vertrauen in die anderen nicht gerechtfertigt. Die Sicht beträgt kaum eine viertel Seemeile. Wir fühlen usn, als hätte jemand in voller Fahrt einen weißen Vorhang um unser Boot gezogen. Einem kleinen Boot könnten wir so noch ausweichen, aber einem großen Frachter in Reisegeschwindigkeit nicht mehr.

Der schöne Hafen von Lohme

Der schöne Hafen von Lohme

Was sollen wir tun? Den Kurs nach Mön können wir nicht mehr halten. Wenn wir weiter wollen nach Schweden müssen wir durch das Verkehrstrennungsgebiet hindurch. Wenn wir statt dessen nach Hiddensee gehen, müssten wir kreuzen und den Eingang in die Fahrrinne finden. Wir beschließen umzudrehen und schnellstmöglich an einen Ort zu kommen, an dem wir zumindest vor den Frachtern sicher sind. Wir fahren eine Halse und Klaus hält erst einmal nach Süden auf Rügen zu. Ich suche in der Seekarte einen Punkt südöstlich von Kap Arkona in der Tromper Wiek raus. Den programmiere ich in das GPS und auf den halten wir dann zu. Er ist ca. 7 Seemeilen entfernt. Parallel behalten wir das Echolot im Auge, falls wir uns doch der Steilküste zu dicht nähern sollten. Etwa 3 Seemeilen vor dem Kap kann ich im Nebel die obere Kante des Kaps erahnen.

Wurzelballen abgestürzter Bäume

Wurzelballen abgestürzter Bäume

In der Tromper Wiek gibt es zwei Häfen. Wir entscheiden uns für Lohme. Die Sicht hat sich hier etwas verbessert, aber trotzdem muss ich die weiteren 7 Seemeilen bis Lohme stur nach Kompass steuern. Die leuchtend gelben Rapsfelder hoch oben auf der Küste kann ich etwa 4 Seemeilen vorher sehen, den Ort erst etwa 1 Seemeile vorher und die Hafeneinfahrt erst etwa eine halbe Seemeile vorher. Hinter uns scheint die Sicht plötzlich wieder sehr klar zu sein.

Überwachungseinrichtung für Bewegungen des Steilhanges

Überwachungseinrichtung für Bewegungen des Steilhanges

Nachdem wir uns bei Kaffee und Kuchen von dem Schreck erholen, erkunden wir noch den kleinen Ort. Hier sind vor ein paar Jahren große Bereiche der Steilküste abgestürzt. Dies ist immer noch deutlich zu sehen. Etliche Bäume ragen grotesk mit ihren Wurzelballen nach oben aus den Geröllmassen. Um den Hang zu sichern, wird das von Landseite dagegen drückende Grundwasser mehrere Meter abgesenkt und kontrolliert in die Ostsee entwässert. Den Fussweg am Fuß des Hanges schützen große Quader aus Draht, die mit Steinen gefüllt sind. Unten am Hafen steht eine Überwachungseinrichtung, die Bewegungen des Hanges erkennen soll. Trotzdem ist dies ein sehr schön gelegener Hafen, klein und gemütlich und mit sehr schöner Kulisse. Außerdem freut uns, dass ein Mitglied unseres Segelvereins ihn mit seiner Firma gebaut hat.

 

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Zurück nach Deutschland

Swinemünde – Sassnitz (Rügen)
43,9 sm
S – SSW 3-4, bedeckt

Da ist noch viel Platz im Hafen von Swinemünde

Da ist noch viel Platz im Hafen von Swinemünde

Heute morgen ist es kühl und es ist erst einmal Flaute. Als der Wind dann endlich anfängt zu wehen, kommt er zwar aus Süden, bringt aber keine Wärme mit sich. Über Vorpommern liegt ein Tief, das im Laufe des Vormittags zum Gewittertief avanciert. Wir nutzen noch den super Service dieses Hafens und tanken Diesel. Die 26 Liter kosten unsere restlichen Slotys, die ich dem Hafenmeister auf den Schreibtisch kippe. Er ist kulant und gibt sich damit zufrieden.

Ein gelber Streifen mit Pollen vor uns im Wasser ist von weit her zu sehen

Ein gelber Streifen mit Pollen vor uns im Wasser ist von weit her zu sehen

Als wir kurz vor elf Uhr den Hafen verlassen, sind wir wohl die Letzten, die heute noch losgehen. Unterwegs treffen wir auf dem ersten Stück entlang der Küste von Usedom keinen andere Segler. Erst als wir uns dem Fahrwasser nähern, dass zwischen Greiswalder Oie und Usedom in den Greifswalder Bodden führt, tauchen die ersten anderen Segler auf. Einen polnischen Zweimaster aus Stahl mit eleganten Linien überholen wir an der Greifswalder Oie. Diesen Schiffstyp hatten wir schon in Swinemünde bewundert. Sie sehen sehr solide aus und haben trotzdem elegante Linien.

Die Greifswalder Oie von Osten

Die Greifswalder Oie von Osten

Wir überlegen, ob wir an der Greifswalder Oie die Tour beenden, aber im Hafenhandbuch steht, dass es sich um einen reinen Nothafen handelt, der im Normalfall nicht angelaufen werden darf, also laufen wir weiter nach Sassnitz. Die Sonne versucht, sich durch die Wolken zu quälen. Diese sehen dadurch plötzlich bedrohlich dunkel aus. Angesagt waren vereinzelte Gewitter, aber da wir dem Tief hinterher fahren, was deutlich an dem Südwind zu merken ist, den wir hier haben und das Tief über Vorpommern in nördliche Richtung zieht, glauben wir nicht so recht daran und behalten damit auch Recht. Die Küste ist oft nur schwer zu erkennen und verschwindet hinter Dunst. Den Jasmund, die Erhebung mit den Kreideklippen können wir erst 6 Seemeilen vorher erkennen.

Die Star Clipper ein Viermastmarssegelschoner liegt auf Reede vor Sassnitz - so eine Kreuzfahrt lassen wir uns auch gefallen ;-)

Die Star Clipper ein Viermastmarssegelschoner liegt auf Reede vor Sassnitz – so eine Kreuzfahrt lassen wir uns auch gefallen 😉

Kurz nach 18 Uhr legen wir in Sassnitz an. Der Hafen ist genauso leer, wie der in Swinemünde. Wir beobachten mehrere Chartercrews nach uns, die sich vor lauter freien Plätzen gar nicht entscheiden können. Als wir Essen gekocht und gegessen haben, läuft die polnische Yacht ein, die wir unterwegs überholt hatten. Ihnen geht es anscheinend ähnlich, denn wir machen einen gemütlichen Spaziergang mit dem Ziel, einen Geldautomaten zu finden und als wir wieder in den Hafen kommen, nehmen sie endlich Anlauf auf den übernächsten Liegeplatz neben uns.

Auch im Sassnitzer Hafen ist noch viel Platz

Auch im Sassnitzer Hafen ist noch viel Platz

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Strandspaziergang nach Deutschland

Hafentag in Swinemünde

Die Mühle auf der Mole

Die Mühle auf der Mole

Heute morgen ist es nasskalt. Ich nutze die Gelegenheit, dass sich der Hafen neben dem Kurpark befindet und gehe eine Runde Joggen. Beim Frühstück beschließen wir, heute hier zu bleiben. Der Seewetterbericht verspricht Wind aus allen Richtungen. Genug Zeit für die Rückreise haben wir noch und außerdem würden wir gern noch die Strandpromenade sehen und wenn es geht auch noch die Seebrücke in Ahlbeck.

frisch gefangene Heringe

frisch gefangene Heringe

Kurz vor Mittag machen wir uns auf den Weg und laufen erst einmal bis zur Windmühle auf der Mole. Am Ufer der Swinja stehen zahlreiche Angler. Sie fangen Flussbarsche und Heringe. Als ein älterer Herr einen noch sehr kleinen Barsch von der Angel löst und ich neugierig zuschaue, erklärt er mir, dass der gut für die Suppe sei.

Lachmöwen am Strand

Lachmöwen am Strand

Von dort laufen wir den Strand entlang Richtung Westen. Von der Strandpromenade ist von hier unten nichts zu sehen. Als wir Kaffeedurst verspüren, gehen wir hoch durch die Dünen und an zahlreichen Buden vorbei zur Strandpromenade. Sie macht einen sehr gepflegten Eindruck. Anschließend laufen wir an einem anderen Strandzugang wieder hinunter. Rechts und links sind Buden mit Schaschlik- und Fischgrills. Das sieht sehr lecker aus, aber wir sind erst einmal satt.

Langweiliger Job an der Strandpromenade in Swinemünde

Langweiliger Job an der Strandpromenade in Swinemünde

Als wir am Strand auf ein Schild mit der deutschen Aufschrift „Hundestrand“ stoßen und oben in den Dünen eine Schneise mit daraus hervorragenden seltsamen Dächern erscheint, schließen wir, dass wir nun in Deutschland sind. Wir machen einen kleinen Abstecher nach oben. Ein Holzbohlenweg verläuft genau auf der Grenze. Wie das die Bürokraten zweier Länder wohl hinbekommen haben? Oben wartet die Lösung des Rätsels auf uns: Es war die EU! Die seltsamen Dächer sind Solaranlagen auf deutscher Seite.

Deutsch-Polnische Grenze

Deutsch-Polnische Grenze

Wir laufen am Strand weiter bis Ahlbeck. Dort ist vielmehr Trubel als auf der polnischen Seite. Hier würden wir gerne wieder so ein Usedomrad leihen, wie in Karlshagen. Das können wir nämlich in Swinemünde am Hafen wieder zurückgeben, aber mittlerweile ist das Wetter so schön geworden, dass wohl alle Leihfahrräder unterwegs sind. Der Fuß- und Radweg, der uns durch die Dünen zurückführt, ist jedenfalls stark frequentiert.

Fischkutter am Strand von Ahlbeck

Fischkutter am Strand von Ahlbeck

In Swinemünde gönnen wir uns dann in einer der Buden den gegrillten Lachs. Dazu spendiert uns der Wirt einen Wodka mit Grapefruitgeschmack.

Strandpromenade in Ahlbeck

Strandpromenade in Ahlbeck

Als wir an Bord zurückkehren, waren wir mehr als sechs Stunden unterwegs. Ich vervollständige unsere Blogeinträge. In Swinemünde gibt es an vielen Stellen freies WLAN, aber die Reichweite ist für das Netbook hier am Liegeplatz nicht ausreichend. Ich weihe deshalb den WLAN-USB-Stick ein, den ich an einem 5 Meter langen USB-Kabel in die Takelage hochziehe. Das funktioniert wunderbar. Im nächtlichen Hafen sind wir am konstanten Blinken des WLAN-Sticks weithin erkennbar.

Der durchgehende Fuss- und Radweg zwischen Ahlbeck und Swinemünde wechselt an der Grenze die Pflasterung

Der durchgehende Fuss- und Radweg zwischen Ahlbeck und Swinemünde wechselt an der Grenze die Pflasterung

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Erst Flaute dann Gewitter

Trebiez – Swinemünde
21,6 sm
NW 1-2, später 3-4 und Gewitter mit Starkregen

Heute morgen hatten wir den Wecker nicht gestellt, aber für pünktliches Aufstehen sorgen die Bauarbeiter, die auf der Insel vor dem Hafen mit lautem Gepolter dicke Steine von zwei Schuten auf LKWs umladen. Damit wird derzeit ein Schutzwall rings um die Insel gebaut, die wohl ursprünglich nur eine Sandbank war und dann mit dem Aushub aus der Oder immer höher wurde und nun von hohen Bäumen bestanden ist.

Wind ist kaum da. Das bißchen säuselt weiterhin schwach aus Südost. Es sieht aus, als könnten wir endlich einmal den Spinnaker trocknen. Den Hafenmeister spreche ich auf die nördliche Ausfahrt an. Die Fischer nehmen diese Ausfahrt, die Schuten wurden dort entlang geschoben und gestern abend kam ein schwedischer Segler von dort in den Hafen. Ist sie vielleicht doch tief genug? Er versichert mir, sie sei tief genug und geht mit mir vorne auf die Mole, um zu erklären, wie wir fahren müssen. Er bestätigt, dass die grüne Tonne, die wir vor zwei Tagen gesucht haben, nicht mehr vorhanden ist. Als dann ein einheimischer Segler losfährt und den Hafen durch diese Ausfahrt verlässt, beeilen wir uns hinterher zu kommen. Tatsächlich sinkt die Wassertiefe nicht unter 3,50m, Meistens liegt sie sogar bei 4,50m.

Leuchtturm-Paare markieren den Weg in den Kanal nach Swinemünde

Leuchtturm-Paare markieren den Weg in den Kanal nach Swinemünde

Das Haff ist spiegelglatt. Es ist diesig. Der Himmel ist zur Hälfte bedeckt mit Wolken die nichts Gutes verheißen und heute morgen im Radio war von Schauern und Gewittern die Rede. Das glauben wir gerne, so drückend wie es bereits ist. Als wir im Fahrwasser angekommen sind, kommt von vorn ein Brisenstrich auf dem Waserr auf uns zu. Der Wind kommt nun genau von vorn und wir müssen wieder kreuzen, aber es ist ein angenehmes Segeln. Auf dem Haff sind wir fast allein. Ein paar Handelsschiffe passieren uns auf dem Weg in die Oder und zurück. Einige kleine Fischerboote sind unterwegs, aber kaum Segler. Es ist ein Pfingstsamstag und schönes Wetter. In Deutschland sind sicher Tausende von Seglern unterwegs. Hier in Polen ist Segeln noch weit davon entfernt, ein Breitensport zu sein.

Kormorane nisten auf einer Insel im Kanal

Kormorane nisten auf einer Insel im Kanal

Im Süden verfärbt sich der Himmel langsam dunkelgrau. Das wird bestimmt bald nass. Der Wind dreht ein wenig und frischt dann auf. Als wir in den Kanal nach Swinemünde einlaufen, fängt es hinter uns an zu donnern. Rechts und links am Ufer sind ganze Schwärme von Graureihern. So viele habe ich noch nie auf einmal gesehen. Es ist sehr eindrucksvoll. Leider haben wir gerade zu viel mit dem Bergen der Segel zu tun und können nicht fotografieren.

Schnappschuss in Swinemünde

Schnappschuss in Swinemünde

Dann fallen die ersten Tropfen und das Gewitter rückt näher. Wir ziehen das Ölzeug über kurze Hose und T-Shirt. Das Gewitter scheint parallel zu uns zu ziehen. Die Blitze sind nur noch 1 Kilometer entfernt und wir sind sehr froh im Kanal zwischen den hohen Bäumen zu sein. Von hinten kommt die weiße Wand mit dem Regen auf uns zu. Wir beschließen langsamer zu fahren und sehr dicht am Ufer, damit das Gewitter schneller an uns vorbeizieht und wir im Schutz der hoffentlich höheren Bäume sind. Die Taktik scheint aufzugehen. Als wir in Swinemünde fest machen, regnet es gerade kaum noch, aber es steht bereits das nächste Gewitter im Süden. Wir können gerade noch die Kuchenbude aufstellen. Dann schüttet es schon wieder.

Das mittlere Haus ist alt. Die neueren Häuser daneben passen im Stil gut dazu

Das mittlere Haus ist alt. Die neueren Häuser daneben passen im Stil gut dazu

Zwischen zwei Gewittern machen wir einen kurzen Gang durch die Stadt. Swinemünde ist im zweiten Weltkrieg stark zerstört wurden. Der Revierführer schreibt, dass hier in einer einzigen Nacht 16000 Menschen starben. Wir finden eine kleine Ausstellung mit alten und neuen Fotos, die die Stadt vor dem zweiten Weltkrieg zeigen und jetzt. Einiges was neu gebaut wurde, passt sich im Stil gut an das Alte an. Dies ist vermutlich in den letzten Jahren entstanden, aber wir finden auch Plattenbauten vom üblichen Typ Leningrad.

Renovierungsbedürftiges altes Haus in einer Seitenstraße

Renovierungsbedürftiges altes Haus in einer Seitenstraße

Wir nutzen die Zeit, um unsere Wäsche zu waschen. Diesmal empfiehlt uns der Hafenmeister seine Waschmaschine ausdrücklich. Als die Gewitter später am Abend nachlassen laufen wir noch einmal los in unseren klitschnassen Segeljacken. In der Engelsburg, einem alten Fort aus der Zeit der Preußen, finden wir ein Café mit brennendem Kamin. In den alten Gewölben. Wir versuchen unsere Jacken ein wenig zu trocknen.

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