Ausflug nach Stettin

Hafentag in Trzebiez

Blick aus dem Café 22 über Stettin

Blick aus dem Café 22 über Stettin

Wir stellen heute morgen wieder den Wecker, um den Bus nach Stettin rechtzeitig zu erreichen.  So oft fährt der nämlich nicht. Braucht man nun vorher eine Fahrkarte oder kauft man die im Bus? Wir lassen es darauf ankommen, aber der Busfahrer will keine Fahrkarten verkaufen und winkt uns durch. Hmmh?! Das Unwahrscheinliche passiert: Es gibt tatsächlich eine Schaffnerin, die sich durch den schwankenden vollgestopften Bus quält, um uns Fahrkarten zu verkaufen. Wir sagen, dass wir nach Stettin wollen. Sie erklärt uns, dass der Bus nach Police fährt. Kurz vor der Endhaltestelle fangen alle um uns herum an uns wortreich auf polnisch zu erklären, wo der Bus nach Stettin abfährt. Eine junge Frau erbarmt sich unser und sagt, dass sie auch nach Stettin will und wie ihr einfach folgen sollen. Sie sorgt dafür, dass wir vorher die richtigen Fahrkarten kaufen. Der Bus nach Stettin fährt alle paar Minuten im Gegensatz zu dem Bus nach Trzebiez. Vorsichtshalber fotografiere ich den Fahrplan.

Das Schloss der pommerschen Herzöge

Das Schloss der pommerschen Herzöge

Wo wir in Stettin hinwollen? Das wissen wir auch nicht so genau. Wir haben keine Ahnung und wollen halt mal Stettin sehen. Vielleicht die Altstadt oder das Zentrum? Sie findet das seltsam. Sie will auch ins Zentrum. Wir sollen einfach mit ihr aussteigen. Wir fragen sie, was sie uns empfiehlt anzusehen. Sie ist ratlos und empfiehlt das Hafentor. Heute morgen haben wir uns noch schnell einen Stadtführer auf den Kindle geladen.  Ganz hilflos sind wir also nicht, aber einen Stadtplan bräuchten wir noch. Sie fängt an zu telefonieren. Wir verstehen kein Wort. Als wir aussteigen, stellt sich heraus, dass sie bereits ihren Bruder und ihren Cousin angerufen hat, um die schwierige Frage zu klären, was man sich in Stettin ansehen sollte. Sie schlägt ein Museum vor. Dafür ist mir eigentlich das Wetter zu gut. Ob wir erst einmal einen Überblick über die Stadt wollen? Ja gern! Wir hatten gedacht, sie würde uns in Stettin an der Bushaltestelle unserem Schicksal überlassen, aber weit gefehlt. Sie fühlt sich für uns verantwortlich und freut sich offenbar ganz ehrlich, einmal ihre Englisch-Kenntnisse anzuwenden. Statt dessen besuchen wir nun zusammen im 22. Stock des Marine-Zentrums ein Café mit phantastischem Rundumblick über die Stadt. Von oben wird schnell klar, wo die Altstadt ist, wo die Oder ist und in welche Richtung wir gehen sollen. Bei der Bedienung erkundigen wir uns nach einzelnen Gebäuden. Unsere spontane Stadtführerin laden wir erst einmal zum Tee ein. Sie kommt aus Trzebiez, heißt Anja und hat gerade etwas Zeit, da sie wegen einer Handverletzung krank geschrieben ist. Sie ist kein Fan von Stettin. Sie ist lieber auf dem Land und findet andere polnische Städte auch viel sehenswerter, z.B. Warschau, Posen, Danzig oder Krakau. Nach Stettin fährt sie nur zum Einkaufen oder aus geschäftlichen Gründen. Ihr Cousin meinte am Telefon, sie solle uns zum Shoppen schicken. Nein, vielen Dank. So viel Platz ist an Bord nun auch wieder nicht. Schließlich gehen wir einfach los. Ihre hochhackigen Schuhe sind für derartige Unternehmungen vollkommen ungeeignet und sie quält sich etwas, ist aber viel zu glücklich mit uns, als dass sie das stören könnte. Sie fragt sich einfach durch. In einem kleinen Andenkenladen kommen wir zu unserem Stadtplan mit eingezeichneten Sehenswürdigkeiten. Anja liefert uns schließlich an der Kasse des Schlosses der pommerschen Herzöge ab. Hier verabschieden wir uns voneinander. Wir kaufen Eintrittskarten für alle Ausstellungen im Schloss ohne die geringste Ahnung was uns erwartet. Aber erst einmal setzen wir uns auf eine Bank und befragen den Reiseführer, wo wir überhaupt gelandet sind.

Diese Uhr hat der Uhrmacher des schwedischen Königs angefertigt

Diese Uhr hat der Uhrmacher des schwedischen Königs angefertigt

Die Ausstellungen sind erfreulich kurz und knapp:  Eine Fotoausstellung mit Porträts, eine Ausstellung mit alten Sonnenuhren und zum Thema Zeit und Endlichkeit in der Kunst und schließlich noch die Zinnsärge aus der Krypta im Keller zusammen mit etwas Schlossgeschichte. Der Rest des Schlosses ist nicht zu besichtigen. Hier sind verschiedenste Institutionen untergebracht, u.a. auch eine Oper und ein Kino.

Das Stettiner Haff heißt auf polnischen Plänen Oder-Haff oder Großes Haff, so wie auch auf dieser historischen Karte

Das Stettiner Haff heißt auf polnischen Plänen Oder-Haff oder Großes Haff, so wie auch auf dieser historischen Karte

Anschließend bummeln wir noch ein wenig durch die wiederaufgebaute Altstadt und fahren in der Jakobikirche mit dem Fahrstuhl auf den Turm hinauf, der durch seine großen Fenster einen weiteren großartigen Blick über die Stadt bietet. Die Kirche selbst ist aber auch einen Besuch wert. In ihrem schlichten Stil erinnert sie mich an die hannoversche Marktkirche. Im zweiten Weltkrieg war die Jakobikirche stark zerstört. Die Glasfenster sind vermutlich alle neu. Dies erklärt auch die aktuelleren Themen, die dort dargestellt sind: Sie reichen von den Verbrechen des zweiten Weltkrieges bis zu den Streiks der Werftarbeiter in den 70er und 80er Jahren. Nur der polnische Papst hat noch kein Glasfenster, dafür jedoch ein großes Gemälde.

Dann machen wir uns an die Rückreise, die vollkommen reibungslos verläuft. Im Hafen ist nun ein anderer Hafenmeister, der jetzt auch Hafengeld von uns möchte. Wir würden gern Wäsche waschen, eine Waschmaschine habe ich im Keller des Hafengebäudes bereits gefunden, aber er rät davon ab. Dort waschen sie nur Arbeitskleidung. Auch mein Wunsch nach einem WLAN-Zugang schlägt fehl. Das WLAN sei kaputt sagt er mir. Ansonsten ist er jedoch sehr nett und findet unser Schiff sehr schön.

Wir machen uns mit dem Notebook bewaffnet auf in die „Sailors Bar“, die mit einem WLAN Zugang wirbt. Tatsächlich haben wir dort einen schnellen Zugang und sitzen nett bei irischer Folklore mit polnischen Texten und polnischem Bier. Als es dämmert, stechen jedoch die Mücken schneller zu als ich tippen kann. Wir geben auf.

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Wir kreuzen durch die Stellnetze nach Polen

Ueckermünde – Trzebiez/Ziegenort (Polen)
29,6 sm
SO 4 – 6, vormittags wolkenlos, nachmittags aufziehende hohe Bewölkung

Ein Graureiher im Hafen von Ueckermünde

Ein Graureiher im Hafen von Ueckermünde

Heute morgen dürfen wir endlich mal wieder ausschlafen. Als wir aufwachen ist es schon sehr warm im Schiff. Die Sonne scheint aus allen Knopflöchern. Wir frühstücken im Cockpit und als wir gegen Mittag auslaufen, sind wir froh draußen auf dem kühleren Haff zu sein. Der Wind weht kräftig genau aus der Richtung in die wir wollen. Wenn wir nicht schon wieder motoren wollen, müssen wir kreuzen. Wir setzen nur die Genua. Das reicht erst einmal aus.

Hier verdient sich eine Trave-Fähre ihr Gnadenbrot als Ausflugsdampfer auf dem Stettiner Haff

Hier verdient sich eine Trave-Fähre ihr Gnadenbrot als Ausflugsdampfer auf dem Stettiner Haff

Auf der Seekarte ist die deutsch-polnische Grenze eingezeichnet zusammen mit einer dichten Kette von kleinen gelben Tonnen. Bis dorthin wollen wir laufen, dann eine Wende fahren und parallel zur Grenze bis zu den rot-weißen Tonnen, die das Fahrwasser markieren. Direkt an der Grenze ist der für uns befahrbare Bereich sehr viel schmaler, da einige Untiefe weit hinaus in das Haff ragen. Davor und dahinter haben wir laut Seekarte viel Platz zum Kreuzen.

Die polnische Grenze

Die polnische Grenze

Leider sehen wir keine Reihe an gelben Tonnen, statt dessen plötzlich jede Menge Stellnetze. In der Karte wird zwar überall vor Stellnetzen gewarnt, aber auf deutscher Seite waren nur wenige Netze zu finden. Hier auf der polnischen Seite stehen sie plötzlich dicht an dicht und sind nicht so einfach zu sehen. Nachts möchte ich hier nicht durch kreuzen. Auch tagsüber ist es spannend. Der Wind nimmt etwas ab und wir setzen zusätzlich das Groß mit einem Reff.

Gut zu sehen ist das Fahrwasser vom Seekanal nach Svinemünde zur Oder. In regelmäßigen Abständen steht jeweils ein großes Leuchtturmpaar, das weithin erkennbar ist. Als wir das Fahrwasser passiert haben und weiter Richtung Osten laufen, kommt der Wind plötzlich wieder und frischt auf bis auf 6 Windstärken. Wir bergen das Groß wieder.

Wir wollen nach Ziegenort an der Mündung der Oder in das Haff. Dazu müssen wir neben dem Hauptfahrwasser eine einzelne grüne Tonne finden und von dort mit 150 Grad auf die Hafeneinfahrt zulaufen. Das Problem ist nur: Wir finden keine grüne Tonne. Wir laufen ein Stück an der Peillinie vorbei und versuchen uns anhand der Tiefenlinie in das Loch zu tasten. Das gelingt uns jedoch nicht. Als das Echolot 1,90m anzeigt, laufen wir auf. Der Untergrund ist weich und mithilfe der Fock kommen wir schnell wieder frei. Hier hilft usn der ablandige Wind.

Was man in einem Hafen sonst noch so machen kann…

Der Hafen hat noch eine zweite Zufahrt von der Oder her. Wir fahren also ein kleines Stück die Oder hinauf und probieren es noch einmal. Wenn wir von dieser Seite auflaufen, wird es schwierig, dann hilft uns kein ablandiger Wind mehr. Die Wassertiefe in der Zufahrt sinkt auf 2,30 m. Anschließend wird es wieder tiefer. Wozu heißt es dann im Hafenhandbuch, dass die Liegeplätze auf 3m Wassertiefe sind, wenn Schiffe mit solch einem Tiefgang gar nicht in den Hafen kämen?

Lorrikeet im Hafen von Trzebiez

Lorrikeet im Hafen von Trzebiez

Im Hafen soll man auf Heckbojen liegen. Das haben wir zum letzten Mal vor 10 Jahren in Darßer Ort gehabt. Wir beschließen an die mittlere Mole zu gehen, um wenigstens gegen den Wind anzulegen und nicht mit dem Wind. Als wir um die Ecke biegen sehen wir, dass dort gar keine Heckbojen liegen und einen Heckanker haben wir nicht so schnell parat, also legen wir uns längsseit an die Mole. Das Echolot beschwert sich schon wieder. Wir haben nur 2 Meter Wassertiefe.

Dorfstraße in Trzebiez

Dorfstraße in Trzebiez

Da wir uns nicht sicher sind, ob wir so liegen bleiben dürfen, gehen wir gleich zum Hafenmeister. Der ist gerade damit beschäftigt ein neues Kartensystem für die Sanitäranlagen in Betrieb zu nehmen. Unser Liegeplatz ist für ihn ok. Er drückt uns freudestrahlend als den ersten Kunden seines neues Systems eine Karte in die Hand und meint, dass wir Hafengeld auch noch später zahlen könnten.

Fischerboote im Fischereihafen von Trzebiez

Fischerboote im Fischereihafen von Trzebiez

Wir würden uns morgen gern Stettin ansehen. Auf der Karte hatten wir gesehen, dass eine Bahnlinie von Ziegenort nach Stettin führt und erkundigen uns danach. Leider Fehlanzeige: die Bahn fährt nur im Sommer. Wir müssen den Bus nehmen. Der fährt jedoch nur bis Police, wo wir noch einmal umsteigen müssen. Es wird also spannend. Mal sehen, ob wir das ohne Polnischkenntnisse hinbekommen. Wir haben glücklicherweise ein Wörterbuch. Das muss morgen auf jeden Fall mit!

Fischernetze trocknen im Fischereihafen von Trzebiez

Fischernetze trocknen im Fischereihafen von Trzebiez

Solange es hell ist, schauen wir uns noch den Ort an. Es gibt viele alte Häuser. Einige wenige Häuser sind in einem sehr guten Zustand. Viele Häuser bräuchten mindestens etwas Farbe. Ansonsten fällt uns auf, dass es in jedem Haushalt ein bis zwei Hunde zu geben scheint, die uns meist ignorieren und manchmal schwanzwedelnd ankläffen.

Frisch geteerte Reusen

Frisch geteerte Reusen

Der Fischereihafen ist sehr eindrucksvoll. Die Fischerboote sind klein und bunt und es gibt enorm viele sehr hohe Trockengestelle für Netze und Reusen. So können wir uns vorstellen, wie es unter der Wasseroberfläche im Haff wohl aussieht.

Teerpfannen zum Teeren der Netze

Teerpfannen zum Teeren der Netze

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Gefangen zwischen zwei Klappbrücken

Karlshagen (Usedom) – Ueckermünde
38,1 sm
SO 4 – 6, wolkenloser Himmel

Klappbrücke Wolgast

Klappbrücke Wolgast

Auch heute morgen klingelt wieder der Wecker um 06:30 Uhr. Wir wollen heute durch zwei Klappbrücken, um in das Stettiner Haff zu kommen. Dazu müssen wir den Peenestrom hinauf. In Wolgast und in Zecherin befindet sich jeweils eine Klappbrücke, die die Insel Usedom mit dem Festland verbindet. Beide Brücken öffnen nur wenige Male am Tag zu bestimmten Zeiten.

Die Peene Werft in Wolgast

Die Peene Werft in Wolgast

In Wolgast sind um kurz nach acht Uhr das einzige Segelboot vor der Brücke, aber zur Verstärkung kommt noch ein Küstenwachboot aus Neustadt hinzu. Der Industriehafen von Wolgast liegt südlich der Brücke. Dort befindet sich auch die Peene Werft, die sich anscheinend auf Schiffe des Bundes spezialisiert hat. Nicht nur das Küstenwachboot legt dort an, sondern es liegen dort bereits zwei Minensuchboote und ein Hilfsschiff der Marine. Offensichtlich haben sie gut zu tun. Das freut uns zu sehen.

Küstenwachboot und Kräne in der Peene Werft

Küstenwachboot und Kräne in der Peene Werft

Hinter dem Industriehafen nimmt die Wassertiefe deutlich ab. In der Seekarte steht, dass der Peenestrom hier nur von Schiffen mit einem maximalen Tiefgang von 2 Metern befahren werden kann. Meist liegt die Tiefe bei 3 – 4 Metern ohne steile Übergänge. Einmal am Fahrwasserrand zeigt unser Echolot jedoch nur noch 1,80 m. Hier werden wir mit 1,75 m Tiefgang doch nervös, denn wir haben es eilig, die Öffnungszeit der Brücke in Zecherin um 11:45 Uhr zu schaffen. Da der Peenestrom in Südost-Richtung verläuft und dies heute die Richtung ist, aus der der Wind weht, motoren wir das ganze Stück und an dem einzigen Stück wo die Windungen des Stromes es zulassen, die Fock zur Hilfe zu nehmen, tun wir das natürlich auch und haben nun über 6 Knoten Geschwindigkeit.

Trotzdem wird es knapp mit der Zeit und ich versuche per Funk und schließlich per Handy den Brückenwärter von Zecherin zu erreichen. Er ist jedoch nicht verhandlungsbereit und macht uns die Brücke vor der Nase wieder zu. So ein Mist! Es kommen uns ein halbes Dutzend Yachten entgegen. Wir suchen uns einen Ankerplatz und müssen nun fast 5 Stunden warten. Wir fühlen uns gefangen.

Mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen in der Hand bewundern wir gerade die Gegend und die zahlreichen Kormoranschwärme, als ein Seeadler auf uns zu fliegt und unweit von unserem Boot mit den nach vorne ausgestreckten Fängen versucht, Fisch zu fangen. Natürlich liegen die Kameras wohl verstaut unter Deck und natürlich macht er das nicht noch ein zweites Mal, sondern sitzt die nächsten Stunden auf einem der unteren Äste eines hohen Baumes am Ufer. Mit bloßem Auge ist er dort nicht zu erkennen, aber mit dem Fernglas können wir ihn deutlich sehen.

Wir nutzen die Zeit für kleine Bastelarbeiten am Schiff: Klaus markiert unsere Ankerleine alle 5 Meter mit einem Takling, so dass die ausgesteckte Länge leichter zu erkennen ist. Ich räume die Bedienungsanleitungen auf und installiere eine USB Schnittstelle für unser NMEA 2000 Netz an Bord. Kurz nach halb fünf gehen wir Anker auf. Dies war der erste Einsatz unseres neuen Ankers und er hat in diesem Schlick bei dem kräftigen Wind super gehalten, entsprechend muss Klaus kämpfen, um ihn wieder aus dem Grund zu lösen. Den edlen Spendern noch einmal herzlichen Dank!

Überreste der Eisenbahnhubbrücke in Karmin

Auch das restliche Stück des Peenestroms müssen wir motoren. Wir bekommen noch einmal einen Seeadler bei der Jagd zu sehen. In Karmin passieren wir die Überreste einer eindrucksvollen zerstörten Eisenbahnhubbrücke. Nach der Erfahrung mit der Klappbrücke in Zecherin bin ich nicht traurig, dass uns die Hubbrücke nicht mehr im Weg ist.

Einer der Gründe warum man sich in der pommerschen Rinne an das Fahrwasser halten sollte....

Einer der Gründe warum man sich in der pommerschen Rinne an das Fahrwasser halten sollte….

Draußen auf dem Stettiner Haff haben wir nun die Nase voll vom Motoren und setzen um kurz nach 18 Uhr die Genua. Bei 5-6 Windstärken kreuzen wir gegen die kurze Welle an und ducken uns hinter die Sprayhood, um nicht zu nass zu werden. Das Wasser schmeckt hier süß.

Wir laufen nach Ueckermünde in die Lagunenstadt Marina. Zwei Hafenbecken sind umstanden von Gebäuden und vielen hohen Bäumen. Es ist ein sehr geschützter Hafen. Die Schwalben jagen die zahlreichen Insekten und etliche Graureiher gehen im Hafenbecken auf Jagd nach Fischen. Es ist fast halb neun als wir fest machen. Auf der Suche nach einem geöffneten Klo landen wir am Strand und kommen dem Schließdienst knapp zuvor. An der Strandhalle finden wir eine wundervolle windgeschützte Sitzgruppe, mit der sich sogar schaukeln lässt. Wir bekommen noch einen großen Glas Alster und ein warmes Abendessen. In der zunehmenden Dunkelheit blicken wir über das Stettiner Haff und versuchen die einzelnen Lichter zu identifizieren.

 

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Vor Fock in den Peenestrom

Stralsund – Karlshagen (Usedom)
31,8 sm
SW – W 5-6 in Böen 7

Die geöffnete Ziegelgrabenbrücke und dahinter die neue Hochbrücke nach Rügen

Die geöffnete Ziegelgrabenbrücke und dahinter die neue Hochbrücke nach Rügen

Heute bestimmt die Ziegelgrabenbrücke in Stralsund unseren Tagesbeginn. Sie ist eine Klappbrücke und macht morgens nur zweimal auf und das Dumme ist: Wir müssen da durch. Also klingelt der Wecker um 06:30 Uhr. Der Wind bläst kräftig und hat auch stürmische Böen im Repertoire. Wir rollen nur die Fock aus. Das reicht bereits, um teils über 7 Knoten zu laufen. Später geraten wir damit auf den Wellen des Greifswalder Boddens ins Surfen.

Blick auf die Volkswerft Stralsund

Blick auf die Volkswerft Stralsund

Erst einmal frühstücken wir auf dem Strelasund und wundern uns, warum eine rote Tonne fehlt, die wir eigentlich erwartet hatten. Dann wird uns klar, dass ein Tonnenleger sie gerade eingesammelt hat zur Wartung. Dieser Tonnenleger bereitet uns noch bis zum Ausgang des Strelasunds und meldet bei der letzten Tonne über Funk, dass die Störung an dieser Tonne nun behoben ist.

Der Tonnenleger ist fertig und fährt zurück nach Stralsund

Der Tonnenleger ist fertig und fährt zurück nach Stralsund

Wir laufen ziemlich genau Ost und biegen vor der Insel Ruden in die Peene ab. Dort ist der Seegang vorbei und alles wirkt sehr friedlich. Wir beschließen nach Karlshagen zu gehen. Nach den Städten und großen Marinas, hätten wur nun gern mehr Idylle und Wolgast scheint nicht so optimal zu sein. Wir werden von zwitschernden Rauchschwalben begrüßt. Die hatte ich die letzten Tage schon vermisst. Hier sind sie also…

Kilometerweise feinster Strand auf der Ostseeseite von Usedom

Kilometerweise feinster Strand auf der Ostseeseite von Usedom

Vor 10 Jahren waren mit dem Knurrhahn schon einmal in der Peene und hatten damals in Kröslin gelegen. In Peenemünde war noch kein Yachthafen, aber wir sind trotzdem rüber gefahren, um dort ins Museum zu gehen. Karlshagen gehörte auch mit zum Einzugsbereich der Heeresversuchsanstalt. Hier gab es die Wohnsiedlungen, Zwangsarbeiterlager und KZ. Davon sieht man bei oberflächlicher Betrachtung erst einmal nichts. Im Gegenteil hier sind viele Ferienhäuschen gebaut worden, die einen netten Eindruck machen.

Gebäudereste im Wald

Gebäudereste im Wald

Wir mieten uns mit Hilfe von Handy und Kreditkarte zwei Fahrräder und machen uns auf den Weg, um mehr zu sehen. Wir radeln quer über die Insel Richtung Ostseestrand, laufen dort ein wenig am Strand spazieren und fahren dann weiter Richtung Peenemünde. Rechts und links vom Weg warnen Schilder vor dem Betreten der Wälder und der dort noch vorhandenen Munition. Am Strand warnte ein Schild die Bernsteinsammler vor Phosphor, der Bernstein wohl zum Verwechseln ähnlich sehen soll. Alle gesammelten Steine sollen in Metallbehältnissen aufbewahrt werden und sind auf keinen Fall am Körper zu tragen!

Mit den geliehenen Fahrrädern fährt es sich prima

Mit den geliehenen Fahrrädern fährt es sich prima

Aber aus der Not wurde auch öfter eine Tugend gemacht: Die Bahnlinie von damals benutzt heute ein Schienenbus. Die existierende Kläranlage stammt noch aus dem Dritten Reich und es gibt eine Bootslagerung mit Flughafen. Ansonsten erobert sich die Natur das gesperrte Areal zurück. Wir sehen wenig und können nur manchmal etwas erahnen. Glücklicherweise gibt es eine ausführliche Beschilderung. Besonders eindrucksvoll ist der Tunnel, der sowohl als Bahnunterführung diente als auch als Luftschutzbunker. Er steht halb hoch unter Wasser. Die Bombenkrater von einst sind heute stille Tümpel, die als Brutstätten für Mücken dienen. Sobald wir stehen bleiben, um etwas genauer zu sehen, stürzen sie sich hungrig auf uns. Nur der Fahrtwind hilft gegen die Plage.

Zurück in Karlshagen biegen wir kurz vor dem Hafen noch einmal rechts ab Richtung Peenemünde. Nun führt der Weg durch sehr nasses Marschland. Hier bläst der kräftige Wind die Mücken davon.

Auf halber Strecke Richtung Peenemünde stoßen wir auf eine sehr unwirkliche Szenerie: Hier standen Bunker, die als Lagerhallen dienten. Diese wurden gesprengt und die Träger sehen nun aus wie alte Viadukte. Ich spiele abends noch mit der Bildbearbeitung, um diesen unwirkliche Eindruck auch auf den Fotos entstehen zu lassen:

Abends hören wir den neuesten Seewetterbericht. Er verspricht für die nächsten Tage Ostwind. Mit Rückenwind ist es also erst einmal vorbei, wenn wir weiter nach Osten wollen. Wir beschließen statt dessen das Stettiner Haff zu erkunden.

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Besuch beim Pinguin vom Dienst

Hafentag in Stralsund

Heute morgen zum Sonnenaufgang kehrt der Wind zurück und die Spifallen klappern am Mast bis sie es geschafft haben und ich endlich aufstehe. Das ist auch gut so, denn wir wollen ins Ozeaneum und natürlich noch ein paar Einkäufe machen. Insofern spare ich mir viele Worte und lasse lieber die Bilder des heutigen Tages sprechen:

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