Eine Flaschenpost

Dieses Wochenende hatten wir Besuch an Bord und unsere Hundekojen wurden eingeweiht. Angesichts der Wetterlage (4 – 6 Windstärken und nächtlichem Gewitter mit Böen von 8 Windstärken) haben wir nur einen kurzen Ausflug nach Neustadt gemacht. Dort war Fischerfest und es gab reichlich Unterhaltung. Wir haben die Gelegenheit genutzt, der Lisa von Lübeck einen Besuch abzustatten.

Außerdem wurde unser Beiboot, das Knurrküken, vom Jüngsten an Bord kräftig genutzt. Dabei sammelte er im Neustädter Hafen eine Flasche und einen Korken auf. Was liegt da näher, als eine Flaschenpost daraus zu machen. Er will erst nicht so recht, aber wir helfen ein wenig nach. Auf halber Strecke zwischen Neustadt und Travemünde fliegt das Stück bei Südwest-Wind über Bord.

Einlaufen nach Travemünde mit Galionsfigur

Nachtrag:

Die Flaschenpost wird am 10. August bei Wustrow gefunden. Das sind 55 Seemeilen! Die Finder haben eine sehr nette Postkarte geschrieben. Daran wird sich der Junior sicher noch lange erinnern.

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Ein langer Weg nach Hause

Dass wir gestern so eine lange Strecke bei schönstem Wetter unter Spinnacker gesegelt sind, haben wir uns teuer erkauft. Denn heute ändert sich die Windrichtung nicht. Wir haben weiterhin Südost bis Süd und der Wind nimmt den Tag über zu. Das bedeutet, wir müssen 36 Seemeilen nach Hause kreuzen!

Um das zu schaffen, sind wir pünktlich aufgestanden. Es regnet und der Wind steht genau auf die Einfahrt zum Burger See. Von der Mecklenburger Küste haben die Wellen schon ausreichend Anlauf kommen, so dass hier nun richtig Seegang ist. Wir motoren nach draußen, schnell sind wir so natürlich nicht. Draußen setzen wir das gereffte Groß und rollen die kleine Genua nur teilweise aus. Selbst das ist zu viel und so reffen wir das Groß noch weiter ein. Der Südost bläst mit 5 – 6 Windstärken.

Es ist ein harter Kampf gegen den Seegang. Nach zwei Stunden haben wir gerade mal Großenbrode querab. Jeder von uns spielt im Kopf die Alternativen durch: Nach Großenbrode, nach Grömitz oder nach Wismar könnten wir laufen, wenn wir den Kampf nicht durchhalten. Aber keiner von uns spricht das aus. Wir wollen es schaffen.

Nach 4 Stunden hört der Regen endlich auf und es kommt etwas Sonne heraus. Leider dreht der Wind nun weiter südlich und nimmt ab, so dass wir nicht mehr richtig vorankommen und Stück um Stück ausreffen.

Eine Stunde später nimmt der Wind wieder zu und wir reffen wieder ein. Eine weitere Stunde später reffen wir wieder aus. Langsam können wir das, aber es nervt!

Achteinhalb Stunden später säuselt der Wind nur noch mit 3 Windstärken und wir bergen vor Travemünde hungrig und erschöpft die Segel. Bei dem Seegang war es schwierig unterwegs Kaffee oder Tee zu trinken. Ich schmiere schließlich Brote, um den ärgsten Hunger zu bekämpfen.

Über Funk hören wir viel über ein Schiff namens Arcadia, dass aus Travemünde auslaufen soll. Die Ausflufsdampfer wollen gleichzeitig mit auslaufen. Muss wohl was besonderes sein.

Das Heck der Arcadia

Als wir in die Trave einlaufen, trauen wir unseren Augen nicht: die Ufer sind voller Menschen, klassische Musik ist zu hören und uns kommt ein unglaublich großes Kreuzfahrschiff entgegen. Die Menschen applaudieren, die Passagiere der Arcadia stehen auf ihren Balkonen und wir fahren dazwischen und bilden uns spaßeshalber ein, dass man uns für unsere heutige Leistung applaudiert 😉

Nach 10 Stunden sind wir endlich in Schlutup. Gestern haben wir nur 7 Stunden für die Strecke gebraucht. Nun bräuchten wir dringend eine warme Mahlzeit, aber der Kocher streikt und qualmt aus dem Auspuff. Das können wir jetzt nicht gebrauchen!

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Der große Spinnaker

Heute ist das Wetter perfekt – endlich mal. Wir wollen nach Fehmarn. Der Wind kommt aus südlichen Richtungen und wir packen zum ersten Mal den großen Spinnaker aus:

Der Spinnaker liegt bereit

Nun muss der Spibaum von seinem Platz am Großbaum geholt werden

Ganz schön lang so ein Spibaum!

Nun noch die Schoten entwirren

Hoch mit dem Spinnaker!

Stimmt alles?

Wieder runter und nochmal das Ganze!

Und wieder hoch...

Nein, so ist es auch verkehrt!

Schon besser, aber noch ein bisschen zu tief

Woran liegt's?

Sieht trotzdem nett aus

So ein Spinnaker ist nicht nur schnell, sondern auch dekorativ!

 

 

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In Böen 8

Heute kommen wir erst Mittags an Bord. Das Wetter ist schön, es gibt ein paar Wolken und der Wind bläst mit 4 -5 Windstärken aus Südost. Erstaunlich ist nur, dass scheinbar kaum jemand den Hafen verlassen hat. Als wir verkünden, dass wir noch nach Wismar wollen, schaut man uns ungläubig an: „Habt Ihr denn keinen Wetterbericht gehört? Es soll Gewitter mit Sturmböen geben!“ Nein, das haben wir in der Tat nicht gehört. Was nun? Wir beschließen trotzdem abzulegen. In Travemünde können wir die Reise immer noch abbrechen, aber bei dem schönen Wetter wollen wir nicht im Hafen bleiben.

Unterwegs behalte ich das Barometer im Auge. Es steht bei 1015 hPa und bewegt sich kein bißchen. Über Handy rufe ich die Karte mit den Blitzen bei Siemens ab. Nur bei Basel ist ein einziger Blitz sonst ist von Gewitter keine Spur. Stündlich kontrolliere ich Barometer und Blitzkarte. Nach einer Stunde sind wir draußen vor Travemünde. Der Wind nimmt ab auf 2 Windstärken und es schieben sich Wolken vor die Sonne, aber nach wie vor gibt es keine Anzeichen für ein Gewitter. Wir reffen aus.

Zwei weitere Stunden später haben wir Boltenhagen querab. Der Wind hat noch weiter abgeflaut und kommt jetzt aus Süden. Laut Wetterbericht soll er mit dem Durchgang der Front auf Südwest drehen. Es gibt einige wenige Regentropfen, aber noch halten wir durch. Es ist schön hier draußen und sehr einsam für einen Samstag Nachmittag.

Plötzlich dreht der Wind auf Ostsüdost und nimmt ein klein wenig zu. Die Sonne blinkt gelegentlich wieder durch die Wolken.  Leider kommt er nun genau von vorn. Wir werfen den Motor an, zum Kreuzen ist es uns zu spät. Aber warum dreht der Wind nun wieder zurück nachdem er schon aus Süd kam? Er sollte doch auf Südwest drehen! Wir brauchen ein paar Minuten, um zu begreifen. Aber dann ist uns plötzlich alles vollkommen klar: Die Wolkenbank hinter uns im Südwesten ist nicht nur eine Front – das muss ein Gewitter sein. Die Luft steigt dort auf und deshalb weht uns der Wind nun entgegen auf die Wolken zu. Nichts wie weg hier!

Wir bergen das Groß und geben Vollgas. Als wir etwas über eine Stunde später vor Timmendorf auf Pöel sind, steht die Wolkenbank über Boltenhagen. Blitze sind immer noch keine zu erkennen, auf der Blitzkarte sind die nächsten Blitze irgendwo bei Bremen. Das ist weit genug weg. Der Timmendorfer Hafen ist voll und bei Westwind wahrlich kein Vergnügen. Wir beschließen weiter zu fahren. Sollten in der Front schwere Böen stecken, möchte ich auch nicht in dem Moment einen Anleger fahren. Das wettern wir lieber hier draußen ab.

Wir ziehen uns regenfest an und beobachten interessiert dieses Naturschauspiel. Wieviel Wind mag da wohl drin stecken? So schlimm sieht es gar nicht aus. Wir tippen auf 5 -6 Windstärken. Aus Wismar läuft ein Frachter aus und kommt uns entgegen. Wir bleiben den Fahrwasser fern und laufen zwischen der Steilküste von Pöel und dem Fahrwasser, das hier einen Schwenk nach Westen macht und viel Platz lässt. Nun sehen wir den Regen kommen, wie ein dichter Vorhang zieht er von Südwesten auf uns zu. Wie heißt noch der Merksatz:

Kommt der Regen vor dem Wind, berg die Segel ganz geschwind.

Nun, unsere sind schon unten. Es fängt an zu schütten und dann kommt schlagartig der Wind mit Böen von vermutlich 8 Beaufort. Lorrikeet legt sich vor Topp und Takel kräftig über. Klaus nimmt Gas weg und ändert den Kurs, damit wir gegen den Wind laufen und nicht so viel Lage schieben. Uns klingen noch die Worte des Voreigners im Ohr, dass der Motor bei viel Lage nicht ausreichend Kühlwasser bekommt. Das wollen wir nicht riskieren. Sehen tun wir nichts mehr, aber außer uns war kein Segler mehr draußen und der Frachter sollte im Fahrwasser sein. Bis dahin haben wir noch Platz.

Plötzlich lichtet sich die Regenwand ein wenig und wir trauen unsern Augen nicht. Der Frachter hält direkt auf uns zu! Ich springe ans Funkgerät, schütte dabei die Regenlachen von meiner Jacke über das Logbuch und rufe Wismar Traffic an. Wenn wir jetzt AIS hätten könnte ich sehen, wie der Frachter heißt und ihn direkt anrufen. Da ich das nicht weiß, wähle ich den Umweg über die Verkehrszentrale. Von dort rufen sie nun den Frachter. Eigentlich müsste der uns auf dem Radar sehen, aber warum hält er dann so auf uns zu?

Der Frachter gibt zurück, auf welcher Seite er vorbei fährt und dass er uns gesehen hat. Nun sollte alles klar gehen, aber Klaus fängt an von draußen zu rufen. Ich kann das unter Deck nicht verstehen und begreife auch nicht, was er will. Also klettere ich wieder nach oben.  Er hat noch einen Paddler entdeckt, der direkt vor dem Bug des Frachters um sein Leben paddelt. Um Himmels willen! Ich springe wieder ans Funkgerät, vergesse sämtliche Funkdisziplin und versuche nur so schnell wie möglich dem Frachter klar zu machen, dass er seine Maschine auskuppeln soll. Ob er’s begriffen hat weiß ich nicht. Der Paddler ist glücklicherweise davon gekommen und spannt nun seinen Regenschirm als Segel auf, um erst einaml wieder Luft zu holen. Gerade nochmal gut gegangen! Was lernen wir daraus? Bei Schwerwetter ist das zweite Handset vom Funkgerät im Cockpit notwendig. Der Weg in die Kajüte an den Kartentisch ist in solchen Momenten zu lang.

Eine Stunde später sind wir in Wismar. Der Wind hat wieder abgeflaut. Auf der Rückseite der Wolkenbank konnten wir vereinzelt Blitze zwischen den Wolken beobachten. Ich schalte um auf DP07. Dort läuft gerade die große Konferenz. Jemand im Greifswalder Bodden fragt, wann denn nun endlich der Südwestwind kommt. Er hat die Nase voll von der Flaute. Das kann ich so nicht stehen lassen. Ich greife noch einmal zum Funkgerät und berichte von unserem Erlebnis.

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Vom Hawai’i des Nordens zurück nach Schlutup

Orth auf Fehmarn

Die Nacht haben wir in Orth auf Fehmarn verbracht. Uns kommt es vor, wie das Hawai’i des Nordens. Surfer, Segler und Fischer leben einträchtig nebeneinander. Selbst die Enten sind entspannt und schlafen direkt neben dem Weg oder mitten im Hafenbecken. Lästig ist das nur, wenn man Hilfe braucht, so wie wir gestern Abend. In Dänemark stand fast immer schon jemand auf dem Steg , um uns beim Anlegen zu helfen. Hier lehnt ein langhaariger Jüngling entspannt über der Reling seines alten Kutters und schaut zu, wie wir schon die zweite Runde drehen, um am letzten freien Platz des Hafens anzulegen. Es ist wohl nicht umsonst der letzte freie Platz, denn der Wind treibt uns immer wieder ab und wir müssen an zwei freistehenden Dalben vorne und hinten Leinen festmachen, um dann in der Mitte über einen schmalen Steg an Land kommen zu können. Erst als ich laut nörgele, dass uns auch mal jemand helfen könnte, gleitet er lässig von Bord und kommt barfüßig auf den Steg, um eine Leine anzunehmen.

Schlafende Erpel

Zum Ausgleich ist der Hafenmeister morgens umso freundlicher. Er lässt uns in Ruhe ausschlafen und erzählt uns, dass noch eine Lady im Hafen liegt. Wir hatten sie gestern abend schon gesehen, waren uns aber im Vorbeifahren nicht so sicher gewesen. Mit uns sind es also mindestens 4 Lady Helmsmans in der Mecklenburger Bucht. Es ist schön, mal wieder bei einem leibhaftigen Hafenmeister zu bezahlen. In Dänemark gab es nur in Marstal einen Hafenmeister. In allen anderen Häfen waren sie wegrationalisiert und durch Automaten ersetzt. Die sind zwar 24 Stunden am Tag in Betrieb, aber trotzdem ist es uns zu anonym.

Lorrikeet in Orth

Da auch heute die Vorhersage für morgen nicht besser ist, laufen wir aus und fahren weiter. Gestern hatten wir bereits unsere alte Genua II gesetzt. Richtig gesetzt mit geschlossenem Reißverschluss steht sie richtig prima. Mit ihr reisen wir auch heute. Wir haben Westwind Stärke 5 in Böen 7. Da reicht die Genua vollkommen aus.

Ein Schauer zieht vor uns lang

Sieben Stunden später machen wir in Schlutup fest. In Travemünde müssen wir das Segel wegnehmen. Die Abdeckung ist zu stark und hinter uns läuft die Nils Holgersson ein. Am Wendeplatz dreht sie. Wir warten lieber und trinken erst einmal Kaffee. Dabei können wir bewundern, wie toll solch eine Fähre manövriert. Wir verstehen jetzt aber auch wozu Bug- und Heckstrahlruder gut sind.

Warten auf die Nils Holgerson

Das Fazit der Tour: nach 10 gesegelten Tagen und über 250 Seemeilen, haben wir enorm an Vertrauen gewonnen in unser neues Schiff. Überholt hat uns mit Groß und Fock niemand. Nur wenn wir auf das Großsegel verzichtet haben, fuhr gelegentlich jemand vorbei. Sie ist ein sehr schnelles Schiff und läuft prima in der See, auch wenn wir nur die Genua gesetzt haben. Nach zahlreichen Bastelarbeiten hat sich der Wohnkomfort schon deutlich verbessert. Als nächstes müssen jedoch unbedingt noch weitere undichte Stellen beseitigt werden. Ansonsten konzentrieren wir uns ab jetzt auf das Segeln. Wir finden, das haben wir uns verdient.

Die Schwäne in Schlutup stellen uns ihren Nachwuchs vor

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