Über Lorrikeet
Willkommen bei Lorrikeet, einer Lady Helmsman Baujahr 1979, die wir im Februar 2011 gekauft haben.
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Ein Toter in der Ostsee
Grömitz – Wismar
24,2 sm
NW 3 – 4
Keine Sorge, uns geht’s gut.
Wir schlafen heute gemütlich aus, vernichten zum Frühstück diverse Reste aus unserem Vorrat, bevor wir uns gegen Mittag auf den Weg nach Wismar machen. Am Seenotrettungskreuzer war die ganze Zeit wenig los. Gestern Nachmittag war jemand mit handwerklichen Arbeiten beschäftigt, ansonsten war alles friedlich.
Als wir aus der Hafeneinfahrt fuhren, hörten wir eine Sirene. „Ach, in Grömitz haben sie Samstag Mittags wohl auch immer noch Sirenentest“ dachte ich so. Unser Funkgerät war an, aber ich hatte den Außenlautsprecher für den Ableger abgeschaltet. Es sollte uns niemand dazwischen quasseln. Als wir die Segel oben hatten, drehte Klaus ihn wieder an. Ein Segler sprach gerade mit der Rettungsleitstelle und berichtete, dass er eine im Wasser treibende Schwimmweste entdeckt hatte und kurz danach noch eine zweite. Nur leider steckte in der zweiten Schwimmweste noch ein Mensch, der jedoch offensichtlich schon tot war – die Horrorvision sicherlich jeden Seglers. Da wir den Anfang verpasst hatten, wussten wir im ersten Moment nicht, wo sich das ganze abspielte. Hinter uns schoss derweil der Sennotrettungskreuzer aus dem Hafen. Dann sahen wir auch das um Hilfe angesprochene Behördenschiff drei bis vier Seemeilen nordöstlich von uns entfernt. Zwei weitere Polizeiboote nahmen mit Höchstgeschwindigkeit Kurs auf die vom Segler angegebene Position. Beeindruckend fanden wir, dass ein Polizeiboot innerhalb von 20 Minuten von Travemünde aus nördlich von Grömitz ist. Innerhalb von wenigen Minuten ist auch ein Hubschrauber vom Bundesgrenzschutz mit von der Partie. Es ist beeindruckend, wie gut die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten klappt. Im Laufe der nächsten Stunde findet der Hubschrauber noch eine Schwimmweste, Tauwerk, einen blauen Kanister, eine gelbe Postkiste und einen schwarzen Fender, aber kein Boot. Das Polizeiboot nimmt den Toten an Bord und bringt ihn nach Neustadt, von wo aus er in die Gerichtsmedizin gefahren wird. Dem Hubschrauber geht schließlich der Treibstoff aus, der angeforderte Ersatzhubschrauber wird für einen medizinischen Notfall abgezogen und die verbleibenden Boote fahren gemeinsam das von der Rettungsleitstelle festgelegte Suchgebiet ab. Im Internet lesen wir später, dass noch ein kieloben treibendes Boot gefunden wurde.
Wir sind ein gutes Stück in Lee von diesem Gebiet, aber halten trotzdem sorgsam Ausschau nach allem, was noch im Wasser treiben könnte. Da wir uns heute abend mit einer Krimiautorin treffen werden, überlegen wir als Zeitvertreib für die restliche Strecke, wie sich aus diesem Erlebnis ein Krimiplot stricken ließe. Die Hessenregatta und die zahlreichen Charteryachten fließen mit in unsere Überlegungen ein….
Gegen halb fünf sind wir fest im Westhafen in Wismar und unsere diesjährige Segeltour ist zu Ende. Insgesamt war sie auch für Mai deutlich zu kalt. Der Wind hatte immer eine angemessene Stärke. Es gab keinen einzigen Tag mit Flaute oder Sturm. Natürlich gab es ein paar Gewitter, aber auch die waren bis auf das Gewitter bei Svinemünde eher zahm. Ohne Heizung hätten wir diese Tor nicht machen mögen und auch über unser Sprayhood und das Persenning waren wir sehr froh.
Das Segeln in Polen fanden wir sehr interessant, auch wenn wir nur kurz hinter der Grenze waren. Dort waren wir sicherlich nicht zum letzten Mal. An den erstaunten Fragen vieler Segler unterwegs haben wir gemerkt, dass eine Tour nach Polen vielen Seglern noch gar nicht in den Sinn gekommen ist.
Veröffentlicht unter Frühjahrstour 2013, Logbuch
Verschlagwortet mit DGzRS, Grömitz, Wismar
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Wir sichten den ersten Schweinswal
Burgtiefe (Fehmarn) – Grömitz
20 sm
NNW 4 – 6
Der Wind weht kräftig heute morgen und sehr seitlich für uns am Liegeplatz, so dass wir erst einmal die Leinen so vorbereiten müssen, dass wir hier ohne abzutreiben aus der Box herauskommen. Als wir alles fertig haben und am Ablegen sind, kommt die Vorhut der Hessenregatta, ein sehr großes Motorboot. Wir müssen stoppen, denn sie blockieren uns den Platz, den wir zum Ablegen brauchen. Unsere Arme werden dabei lang, denn sie finden lange keinen passenden Platz. Schließlich beschweren wir uns und sie lassen uns erst einmal raus. Nun schnell weg hier. Die ersten Segler der Regatta biegen schon um die Ecke.
Draußen ist trotz des Windes die See recht ruhig. Beid er Windrichtung kommen wir in den Genuss der Landabdeckung. Wir setzen nur die Genua. Die Regattasegler kommen uns an der Kreuz entgegen. Es ist eine gemütliche Tour. Ich sitze auf dem Achterschiff und lese die letzten Seiten meiner Urlaubslektüre, als ich hinter mir ein Platschen und Schnaufen hören. Es hört sich an wie ein Schweinswal. Ich will mich nicht narren lassen, denn bei solch einem Wetter haben wir noch nie Schweinswale gesehen und drehe mich gar nicht erst um. Plötzlich ruft Klaus, denn er hat einen Fisch springen sehen und dahinter einen Schweinswal. Der Wal folgt uns im dichten Abstand eine kurze Zeit im Kielwasser.
In Grömitz finden wir einen langen schmalen Platz direkt beim Seenotrettungskreuzer. Nach einer Tasse Kaffee machen wir einen Ausflug entlang der Steilküste, um das schöne Wetter zu genießen. Am Strand finden wir etliche Donnerkeile (Versteinerungen von Belemniten, die vor 67 Millionen Jahren lebten) und eine weitere Versteinerung, die wir nicht ganz zuordnen können, vermutlich ein Kieselschwamm.
Den Tag beschließen wir bei einem kühlen Getränk an der Wassersportschule, wo wir den schönen Abend genießen.
Veröffentlicht unter Frühjahrstour 2013, Logbuch
Verschlagwortet mit Grömitz, Schweinswal
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Auf die Sonneninsel zum Kaffee trinken
Kühlungsborn – Burgtiefe (Fehmarn)
26,6 sm
NO 1 – 5
Heute morgen war es leicht schwül und sehr flau. Es sah aus, als würde es sofort wieder gewittern, aber der Meteorologe, der morgens um 9 Uhr in Kühlungsborn immer die aktuelle Wetterlage erläutert, meinte es habe sich ausgewittert und wir müssten heute auf See nicht mit Gewittern rechnen. Nur über Land könne es welche geben. Der Deutsche Wetterdienst sieht das anders und hat eine Böenwarnung herausgegeben. Wem glauben wir nun?
Als leichter Wind aufkommt, verschwindet tatsächlich die schwüle Luft und wir beschließen, es zu wagen. Das Wetter gibt uns recht. Wir haben einen wunderbaren Wind aus Nordost, der zwischendurch bis auf 5 Beaufort ansteigt. Von Norden ziehen noch ein paar Wolkenbänke über uns hinweg und dann folgt dahinter von Fehmarn aus einfach nur blauer Himmel und viel Sonnenschein. Fehmarn macht seinem Ruf als Sonneninsel alle Ehre.
Das Regattafeld der Hessen sehen wir am Horizont unter Spinnaker nach Grömitz fliegen. Wir geben uns auch Mühe und zupfen unsere Segel in Form. Lorrikeet belohnt uns halben Winds mit über 8 Knoten Geschwindigkeit. Nur kurz vor Fehmarn ist der Wind zeitweilig weg, Wir genießen es, in der Sonne dahin zu schleichen, aber dies ist nur von kurzer Dauer und so sind wir pünktlich zum Kaffee trinken in Fehmarn, wo die Sturmmöwen derzeit lautstark ihr Liebesleben diskutieren.
Veröffentlicht unter Frühjahrstour 2013, Logbuch
Verschlagwortet mit Burgtiefe, Fehmarn, Gewitter, Kühlungsborn
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Die Babiere biddde!
Warnemünde – Kühlungsborn
12,4 sm
ONO 1 – 5
Eigentlich hatte ich mich bislang gefragt, was ich zu heute schreiben könnte, denn das Wetter ist abwechselnd nass und sonnig, nichts Neues also. Wir sind rechtzeitig aufgestanden, um noch ein paar Brötchen abzubekommen bevor sich 800 Segler der Hessenregatta auf die dürftigen Bestände im Hafenshop stürzen. Dann sind wir ausgelaufen Richtung Kühlungsborn, um die nächste Etappe morgen von Warnemünde nicht mitmachen zu müssen. Kurz vor Kühlungsborn tauchte noch eine seltsame Wolke auf und unser Gefühl trog uns nicht, denn als wir gerade im Hafen lagen, begann ein kurzes Gewitter.
Als der Himmel anschließend mehr als 5 Minuten Sonnenschein versprach, haben wir alle immer noch oder schon wieder nassen Sachen nach draußen zum Trocknen gehängt. Ein Polizeiboot fuhr in den Hafen und drehte hinter uns. Das ist hier in der Gegend nicht ungewöhnlich. Das kommt öfter mal vor. Anschließend kam noch ein Schlauchboot mit Polizei. Als dieses Schlauchboot ein zweites Mal auftauchte, wurde es langsam seltsam. Sie hielten auf uns zu, als Klaus gerade auf dem Achterschiff stand. Er hörte den Ausruf: „Da ist er!“ und sie hielten genau zwischen uns und das Nachbarboot. Wir fürchteten schon, dass sie mit ihrem schwarzen Gummiboot über unsere schöne weiße Außenhaut schaben würden. Dann kam die Korrektur: „Nein, der andere daneben!“ Sie setzten noch einmal zurück, legten an sichererer Stelle an und zwei martialisch gekleidete Polizisten mit Headsets stürzten sich auf das kleine Nachbarboot auf unserer anderen Seite. Wir wendeten derweil unseren Spinnaker in der Sonne. Sie kontrollierten Personalausweise und Bootspapiere und behaupteten dann, dass das Boot doch eine Baunummer haben müsse, so wie eine Fahrgestellnummer beim Auto. Wir fragten uns die ganze Zeit, was unsere Nachbarn wohl verbrochen haben mochten, dass sie so behandelt wurden und fanden das sehr entwürdigend. Das Boot konnte wohl kaum gestohlen sein. Dafür war es viel zu alt und zu klein. Die beiden waren ganz offensichtlich Deutsche, also illegal eingereist konnten sie auch nicht sein und zum Schmuggeln wäre das Boot zu klein und zu langsam und die dazu passenden Grenzen zu weit weg. Das Gleiche haben unsere Nachbarn auch gefragt, bekamen von der Polizei aber nur die Antwort, dass sie jederzeit kontrollieren dürften. Als dann einer der beiden einen abgelaufenen Personalausweis vorlegte, waren die Polizisten voll in ihrem Element. Die Papiere wurden eingesammelt, mit dem Motorboot zum Küstenwachboot gefahren, dort kopiert und dann wieder zurück, bevor der „Vorgang“ (so nannten sie das wirklich) abgeschlossen werden konnte. Das ganze dauerte mindestens eine Dreiviertelstunde. In der Zeit waren mindestens sechs Polizisten damit beschäftigt. Was das wohl gekostet hat? Und wofür das Ganze? Als Erklärung hatten unsere Nachbarn dann nur einen völlig belanglosen Vorfall: Sie hatten beim Einlaufen in den Hafen einen Fender verloren und sind deshalb umgedreht, um ihn wieder aus dem Wasser zu holen. Das muss die Polizei wohl beobachtet haben. Außerdem wirkte es auf uns so, als ob einer der Beteiligten in der Ausbildung wäre und lernen sollte, wie man Personen kontrolliert.
Später haben wir dann im Internet nachgelesen: Die Ausweispflicht wurde in Deutschland im Dritten Reich eingeführt, um Juden und andere unerwünschte Personen besser identifizieren zu können. Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen es eine Ausweispflicht gibt. Das erklärt mir endlich, warum mir dieser „Vorgang“ so absurd vorkam.
Veröffentlicht unter Frühjahrstour 2013, Logbuch
Verschlagwortet mit Gewitter, Kühlungsborn, Polizei
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