Abschluss der Sommertour 2015

17. Seetag

Kühlungsborn – Wismar
27,2 sm
NW 3-4

Mit vielen bunten Hafenzetteln am Bugkorb liegt Lorrikeet wieder am Steg

Mit vielen bunten Hafenzetteln am Bugkorb liegt Lorrikeet wieder am Steg

Nachdem am frühen Morgen noch ein heftiges Gewitter über uns hinweggezogen ist und wir den nachfolgenden Regen abgewartet haben, laufen wir gegen Mittag aus, um zurück nach Wismar zu segeln. Dies ist eigentlich unsere Hausstrecke für Wochenendtouren. Da heute Samstag ist, kommen uns viele Segler aus der Lübecker Bucht entgegen. Auch in die Wismarer Bucht laufen viele ein. Unser Platz ist rot markiert, so dass er trotz Andrang frei ist. Gegen 17:30 sind wir im Hafen fest und unsere Tour ist damit beendet.

Unsere Sommertour 2015 im Überblick

Unsere Sommertour 2015 im Überblick

Damit ist es an der Zeit, ein wenig Statistik zu betreiben:

  • Wir waren 22 Tage unterwegs, davon haben wir 17 Tage gesegelt und 545,8sm zurück gelegt, also im Schnitt etwa 32sm pro Tag.
  • Wir fuhren etwa 50sm unter Maschine, weil der Wind sehr ungünstig oder einfach weg war.
  • Wir verbrauchten etwa 20l Diesel für das Motoren, Kochen und Heizen, da es an zwei Abenden einfach zu unangenehm kalt war.
  • In der Zeit haben wir 17 Schweinswale gesichtet und einen Seehund.
  • Das Wetter war durchwachsen und wir haben unsere Sommersachen nur spärlich nutzen können. Allerdings hatten wir keine längere Regenperiode.

Es hat viel Spaß gemacht und wir haben die Erkenntnis, dass wir Ziele wie den Limfjord in drei Wochen erreichen können. Aber wenn wir etwas Zeit dort verbringen wollen, müssen wir einmal ein bis zwei Tage durchsegeln.

Auf dieser Tour hat sich das AIS, welches wir nach der Erfahrung mit plötzlichen Nebelbänken im Frühsommer 2013 beschafft hatten, in Kombination mit dem Kartenplotter sehr bewährt. So war es bei Begegnungen mit der Großschifffahrt möglich, schnell zu erkennen, ob eine Kollisionsgefahr besteht und wie wir ggf. unseren Kurs ändern müssen. Dabei hat sehr geholfen, dass die meisten Schiffe ihre statischen Schiffsdaten gepflegt haben und wir so erkennen konnten, welchen Zielort ein Schiff hat. Dadurch war selbst in Zweifelsfällen schnell klar, welche Route ein Schiff nehmen wird. Einmal haben wir in Dänemark über Funk gehört, wie ein Schiff auf offensichtliche Falschinformationen in den AIS-Daten angesprochen wurde. Wir würden uns wünschen, dass das noch öfter passiert. Denn es gab immer noch etliche Schiffe, von denen wir diese Daten nicht bekommen haben. Leider gab es auch einige offensichtliche Berufsschiffe (AIS Class A), von denen wir kein AIS Signal empfangen haben.

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Hanse Sail Rostock

Hafentag in Kühlungsborn

Münster in Bad Doberan

Münster in Bad Doberan

Da wir nun einen Tag früher in der Mecklenburger Bucht sind, als ursprünglich geplant, bleibt uns noch die Chance, die Hanse Sail in Rostock zu besuchen. Wir sind gestern jedoch nicht nach Warnemünde gesegelt, da wir befürchtet hatten, keinen Liegeplatz mehr zu bekommen. So setzen wir uns ganz gemütlich in den Bus und fahren nach Warnemünde. In Bad Doberan müssen wir umsteigen und nutzen die 20 Minuten Wartezeit für einen kurzen Spaziergang um das schöne Münster. In Warnemünde ist unser erster Gang in den Buchladenm um ein neues Logbuch zu erstehen, da wir gestern die letzte freie Seite gefüllt haben und es uns nicht gelungen ist, in Dänemark ein neues Logbuch zu kaufen.

 

 

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Streckenrekord 2015 und hat doch gar nicht wehgetan

16. Seetag

Stubbekøbing (Falster) – Kühlungsborn
52sm
OSO – NO 4-5

Heute wollen wir auf die deutsche Seite hinüber. Deshalb stehen wir früher auf und verlassen gegen 9:30 Uhr den Hafen. Da der Wind aus OSO weht und der Grönsund in diese Richtung verläuft, ersparen wir uns das Kreuzen und laufen die ersten Meilen unter Maschine bis wir das Fahrwasser anliegen können. Mit etwa 6,5 Ktn rauschen wir hinaus auf die Hjelm-Bugt und dann in Richtung Gedser Odde. Im Laufe der Zeit dreht der Wind dann noch nördlicher auf ONO. Dies hilft ungemein. bereits gegen 14:30 Uhr passieren wir die Odde.

So sieht ein Grünstreifen auf See aus: zwischen den beiden Fahrtrichtungen des Verkehrstrennungsgebietes liegt ein Streifen, der von den großen Schiffen, die den Fahrtrichtungen folgen, nicht befahren werden darf

So sieht ein Grünstreifen auf See aus: zwischen den beiden Fahrtrichtungen des Verkehrstrennungsgebietes liegt ein Streifen, der von den großen Schiffen, die den Fahrtrichtungen folgen, nicht befahren werden darf

Hier beginnt der etwas aufregendere Teil der Tour. Vor der Odde liegt das Verkehrstrennungsgebiet Kadet-Rinne. Diese ist stärker befahren als der Nord-Ostsee-Kanal, denn auch die Schiffe, die durch den großen Belt gehen, fahren hier durch. Wir Segler müssen in diesen Gebieten allen ausweichen und dürfen sie nur auf dem schnellsten Weg also im rechten Winkel durchqueren. Wir gehen also auf Süd-Kurs und steuern die grüne Eingangstonne an. Das Gebiet hat von dort eine Breite von etwa 3,5sm. Als wir an der grünen Tonne sind, fährt wieder erwarten kein Großschiff in das Gebiet und dies bleibt auch die nächste halbe Stunde, die wir für die Strecke brauchen, so. Die Querung erfolgt also ohne Herzklopfen.

Raumschots mit 7,5 Knoten nach Kühlungsborn

Raumschots mit 7,5 Knoten nach Kühlungsborn

Danach nehmen wir direkt Kurs auf Kühlungsborn, wo wir gegen 18:30 Uhr festmachen. Als wir die Daten des GPS auslesen, stellen wir fest, dass wir heute den diesjährigen Streckenrekord aufgestellt haben. Die 52sm fühlten sich gar nicht so weit an und das in 9 Stunden. Hier ist es sehr warm, unterwegs hatten wir lange Hosen und Fleece-Pullover an, die tauschen wir so schnell es geht gegen kurze Hosen und T-Shirts.

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Noch einmal schnell nach Osten!

15. Seetag

Omø – Stubbekøbing (Falster)
37,4sm
SW-W 4-0

Zum ersten Mal auf dieser Tour (in diesem Jahr?) packen wir den Spi aus, sonst bekommt er womöglich noch Stockflecken...

Zum ersten Mal auf dieser Tour (in diesem Jahr?) packen wir den Spi aus, sonst bekommt er womöglich noch Stockflecken…

Da der Wind heute aus West kommt und die nächsten Tage auf SO-O drehen soll, schlagen wir einen kleinen Haken durch das Smålands-Fahrwasser, um dann durch den Grønsund östlich von Falster zu gelangen. Allerdings fällt dies uns erst sehr spät ein. So verlassen wir den Hafen erst am späten Vormittag und rauschen zu Anfang mit 7 Ktn vor flachgerefftem Großsegel und Genua II in Richtung Osten.

Über die Störström-Brücke verläuft auch der Bahnverkehr nach Deutschland über Puttgarden

Über die Störström-Brücke verläuft auch der Bahnverkehr nach Deutschland über Puttgarden

Leider hält sich der Wind diesmal an die Vorhersage und wird immer flauer. Wir halten mit bauchigerem Großsegel und später sogar Spinnacker dagegen. Aber es hilft nichts, etwa 10 sm vor der Størstrøm-Brücke bei Vordinborg ist der Wind weg. Wir hätten früher auslaufen sollen! Wir starten die Maschine und packen den Spinnacker ein und schieben Richtung Brücke. 4 sm vor der Brücke hat sich dann wieder ein thermischer Wind aus West aufgebaut und wir können wieder mit Spinnacker schnell genug segeln.

Von Nahem sind deutlich die Roststellen und die Stalaktiten zu erkennen

Von Nahem sind deutlich die Roststellen und die Stalaktiten zu erkennen

Segeln im Seewind ist eine sehr angenehme Sache. Man möchte nicht mit den Leuten an Land tauschen, die nun in der Sonne brüten. Bei diesem herrlichen Wind segeln wir unter der Størstrøm-Brücke hindurch. Klaus verbindet mit ihr viele Erinnerungen, da er hier häufig mit seinen Eltern gesegelt ist.

Die Farö-Falster Brücke ist in deutlich besserem Zustand

Die Farö-Falster Brücke ist in deutlich besserem Zustand

Die Brücke ist allerdings in einem sehr schlechten Zustand. Die Stahlteile sind vom Rost angefressen und in der Seekarte findet sich eine Warnung über herabfallende Betonteile in den Nebenfächern, die deshalb auch für die Durchfahrt gesperrt sind. Dies ist umso erstaunlicher, als dies die Hauptbahnstrecke zwischen Rødby und Kopenhagen ist.

Attraktiv gealteter Kran im Fischereihafen von Stubbeköbing - Rost kann auch schön sein ;-)

Attraktiv gealteter Kran im Fischereihafen von Stubbeköbing – Rost kann auch schön sein 😉

Danach geht es dann auf die Farø-Falster-Brücke zu. Kurz vor dieser Brücke meldet sich dann der thermische Wind endgültig ab. Unter Maschine laufen wir das letzte Stück nach Stubbekøbing. Hier haben wir vor vielen Jahren mit dem Käpt’n Knurrhahn II einmal eine Schlechtwetterperiode abgewartet. Damals war alles feucht und klamm an Bord. Heute haben wir herrliches Wetter.

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Hallo, hört mich jemand, meine Eltern und mein Bruder treiben ab!

14. Seetag

Korsør – Omø
10,1sm
SO-O 4-5

Dies sind die ersten Schwanenküken, die ich in diesem Jahr an der Ostsee sehe und dabei haben wir es schon August!

Dies sind die ersten Schwanenküken, die ich in diesem Jahr an der Ostsee sehe und dabei haben wir es schon August!

Unser Tag beginnt ganz unspektakulär. Bei herrlichstem Wetter frühstücken wir im Cockpit und müssen uns lediglich einigen sehr aggressiven Bettelversuchen einer Schwanenfamilie erwehren. Wir haben nicht vor, weit zu segeln, sondern wollen einfach nur etwas weiter gen Süden. Da der Wind aus SO mit 4-5 weht lassen wir das Reff II im Groß und laufen mit Genua II hoch am Wind gen Süden.

Der Strand an der Ostküste von Omö

Der Strand an der Ostküste von Omö

Plötzlich hören wir auf Kanal 16 eine panische Mädchenstimme, die ‚Hallo, hört mich jemand, meine Eltern und mein Bruder treiben ab!‘ ruft. Wir sind wie elektrisiert. Lyngby Radio versucht auf Englisch mit ihr Kontakt aufzunehmen, was aber schief geht, da sie nur Deutsches herausbringt. Sie ist aber so geistesgegenwärtig, ihre Position mit ‚Elefanten-Grund‘ anzugeben.

Nach dem Strandspaziergang: gesalzen und gesandet

Nach dem Strandspaziergang: gesalzen und gesandet

Eine deutsche Yacht, die etwa 6 sm von dieser Position entfernt steht, übernimmt die Kommunikation mit ihr und nimmt sofort Kurs auf die Position. Für uns ist es viel zu weit und wir können deshalb nicht helfen. Der Elefanten-Grund liegt zwischen Reersø und Romsø vor Kerteminde. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als den Ablauf der Aktion auf Kanal 16 zu verfolgen.

Urige Viecher auf Omö

Urige Viecher auf Omö

Dem Funker auf der deutschen Yacht gelingt es mit eiserner Ruhe, das Mädchen zu beruhigen und weitere Informationen aus ihr heraus zu bekommen. Sie ist nach ihrer Aussage allein an Bord der ankernden Segelyacht und weiß nicht, wie der Motor angeht, geschweige denn, wie man Anker auf geht. Aber sie weiß offensichtlich gut mit dem Funkgerät umzugehen und hält mit dem Fernglas ihre Eltern und ihren Bruder im Auge. Innerhalb kürzester Zeit finden sich etliche Segel- und Motorboote, die nahe genug sind und sofort Kurs auf das Gebiet nehmen. Lyngby-Radio organisiert dann noch einen Rettungshubschrauber.

Omö ist von der Landwirtschaft geprägt, steht im Infoblatt, das es am Hafen gab

Omö ist von der Landwirtschaft geprägt, steht im Infoblatt, das es am Hafen gab

Nach etwa einer Stunde kommen Meldungen, dass die Personen aus dem Wasser geborgen seien. Als Bestätigung meldet sich der Vater des Mädchens per Funk. Alle Personen seien zwar etwas ausgekühlt, aber wohlbehalten wieder an Bord. Die Funkerin von Lyngby-Radio ist erleichtert und trägt dem Vater auf, seiner Tochter auszurichten, dass sie fantastisch gewesen sei.

An der Südspitze von Omö gibt es viele rundgewaschene Steine. Auf einer Infotafel steht, dass hier die Steine abgebaut wurden, mit denen der Nord-Ostsee-Kanal gebaut wurde

An der Südspitze von Omö gibt es viele rundgewaschene Steine. Auf einer Infotafel steht, dass hier die Steine abgebaut wurden, mit denen der Nord-Ostsee-Kanal gebaut wurde

Dieses Mädchen hat heute ihren Eltern und ihrem Bruder das Leben gerettet. Es bleibt aber die Frage, wie es überhaupt dazu kommen konnte? Die Yacht hatte dort wohl geankert und ein Teil der Besatzung hat gebadet. Dabei wurden Wind und Strom unterschätzt. Überhaupt stellen wir uns die Frage, warum sie mitten im Großen Belt auf so etwas gekommen sind. Dazu sucht man sich eine Bucht oder sichert sich mit einer Leine und dann nur maximal eine Person zur Zeit.

Der Leuchtturm an der Westküste von Omö. Von hier aus wurde während des Kalten Krieges auch der Schiffsverkehr auf dem Großen Belt beobachtet. Das Fernglas soll so gut gewesen sein, dass man auch die Rasse des Bordhundes erkennen konnte. Im Hintergrund ist die Oslo-Fähre zu sehen

Der Leuchtturm an der Westküste von Omö. Von hier aus wurde während des Kalten Krieges auch der Schiffsverkehr auf dem Großen Belt beobachtet. Das Fernglas soll so gut gewesen sein, dass man auch die Rasse des Bordhundes erkennen konnte. Im Hintergrund ist die Oslo-Fähre zu sehen

Wir laufen Omø an und machen mit geliehenen Fahrrädern eine Inselrundfahrt. Unterwegs treffen wir einen Hasen und eine Ringelnatter (lebendig und diemal nicht plattgefahren!) Wir sind rechtzeitig zurück, um vor der aufziehenden Front noch Matjes für unser Essen zu besorgen. Die Front kommt dann mit Gewittern, Böen bis 7 Bft und viel Regen. So war es aber auch angesagt.

Nachtrag:

Hier noch eine Ergänzung bzw. Richtigstellung zu dem Seenotfall, die wir aus der dänischen Presse entnommen haben:

Der Leuchtturm an der Westküste von Omö

Der Leuchtturm an der Westküste von Omö.

Die Yacht hatte zu Mittag dort geankert. Danach ging der 8jährige Sohn mit Schwimmweste baden. Da er drohte abzutreiben, sprang die älteste 13 jährige Tochter hinterher, um ihren kleinen Bruder zu retten. Da natürlich auch sie abtrieb, sprang der Vater mit Schwimmweste hinterher, um erst einmal die Tochter zu bergen, was auch gelang. Sie bewältigte später den Funkverkehr. Zur Unterstützung sprang dann auch die Mutter ins Wasser, um den Jungen zu bergen. Damit waren drei Personen im Wasser. Warum auch die mittlere 11 jährige Tochter ins Wasser sprang, läßt sich nur vermuten. Die Älteste hat in diesem Moment das einzig Richtige mit dem Funkspruch getan.
Tochter und Mutter wurden vom Helikopter geborgen und wegen Unterkühlung ins Krankenhaus auf Seeland geflogen. Vater und Sohn wurden von der Segelyacht geborgen, die von Anfang den Funkverkehr begleitet hat und dann wieder auf der Yacht abgesetzt. Diese hat dann vermutlich einen Hafen auf Seeland angelaufen.
Trotzdem fragt man sich, wie unvernünftig die Erwachsenen gehandelt haben. Ein Mensch schwimmt kaum schneller als 1 Knoten, aber die Strömung im Großen Belt kann durchaus mehrere Knoten betragen, wie wir selbst erlebt haben. Das wäre schief gegangen, wenn die 13 Jährige Tochter nach ihrem ‘Bad’ nicht so umsichtig gehandelt hätte.

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