Abendliche Zwiesprache mit einem vereinsamten Erpel

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Auf der Rückfahrt von Kiel nach Lübeck halten wir abends am Strand von Scharbeutz. Ob das erlaubt ist? Wir wissen es nicht wirklich, aber wir wollen gern mal an den Strand und sind hier auch völlig allein, bis auf einen … Weiterlesen

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Winterarbeiten in Zeiten von COVID-19

Diesen Winter liegen wir mit unserer Lorrikeet wieder in Schlutup, da die MT-Werft in Wismar sich ausweitet und deshalb die Halle, in der wir letzten Winter gelegen haben, alle Verträge gekündigt hat.

Die Deckenverkleidung ist angeklebt in der Vorschiffskoje

Die Deckenverkleidung ist angeklebt in der Vorschiffskoje

Also haben wir uns wieder an unsere alten Kontakte nach Lübeck erinnert und dort einen Winterliegeplatz in Schlutup gebucht. Im Herbst lief alles gut und da wir einiges unter und an Deck machen wollten, hatten wir Unterwasser und Außenhaut an den Bootsservice vergeben.

Dann kam COVID-19. Seit März 2020 durften wir nicht mehr von Hannover nach Lübeck, da die Arbeit am Boot als touristischer Zweck angesehen wurde. Für Touristen ist Schleswig Holstein aber gesperrt.

Der Krümmer ist durchgerostet und nun brauchen wir erst einmal einen Neuen

Der Krümmer ist durchgerostet und nun brauchen wir erst einmal einen Neuen

Seit Montag 4.5.20 dürfen wir wieder zu unserem Boot, da wir jetzt mit den Dauercampern gleichgestellt sind und wir haben die Möglichkeit sofort genutzt. Da wir nicht auf dem Boot, das noch in der Halle steht, übernachten können, ist das Ganze natürlich eine Grauzone. Wir haben eine andere Möglichkeit gefunden, ohne das Kontaktverbot zu verletzen.

So sind wir also wieder kräftig an unserer Lorrikeet am arbeiten. Wäre der Krümmer vom Motor nicht durchgerostet, könnte sie jetzt eigentlich schon ins Wasser. Wir hoffen, dass bis Freitag alles soweit fertig ist und sie schwimmt.

Gestern haben wir erst einmal die Fenster abgedichtet und den reparierten Lüfter wieder eingebaut. Auch die Heizung hat jetzt einen neuen Luftkanal und die Trinkwasserversorgung ist mit neuen Schläuchen ausgestattet.

Der Mond über Lübeck

Der Mond über Lübeck

Im Herbst hatten wir im Vorschiff die alte Rumpfbeklebung entfernt, um sie gegen eine neue auszutauschen. Nur mussten wir feststellen, dass die Temperaturen für den Kleber zu niedrig waren. Also hatten wir die rohen Oberflächen hinterlassen. Als jetzt COVID-19 zuschlug, hatten wir uns schon fast damit abgefunden damit über die Saison leben zu müssen. Aber heute stieg die Temperatur sowohl im Boot als auch in der Halle über 15 Grad und wir konnten den Kleber verarbeiten.

Die Zufriedenheit in unseren Gesichtern kann sich wohl jeder vorstellen. Das Vorschiff macht jetzt schon einen viel besseren Eindruck und es fehlen lediglich einige Zierleisten.

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Zurück nach Wismar

Wir lassen Grömitz achteraus

Wir lassen Grömitz achteraus

Morgens diskutieren wir noch, ob wir nach Wismar segeln oder doch lieber in die Trave in die Nähe unseres diesjährigen Winterlagers. Für Wismar spricht, dass wir dort am Steg noch unsere Leinen und einen Fender fest angeschlagen haben. Außerdem können wir dort unsere Wäsche waschen und müssten nicht alles mit nach Hause nehmen. Gegen Wismar spricht, dass wir nicht wissen, wie die nächsten beiden Wochenende nach dem kommenden Wochenende werden. An einem der beiden Wochenenden müssten wir dann ja Lorrikeet in die Trave bringen. Im Atlantik sind noch dicke Tiefs unterwegs, die nach den ersten Vorhersagen am übernächsten Wochenende für kräftigen Wind aus West sorgen sollen. Das würde für eine Überführung dann ausfallen. Wir hoffen, dass es danach ruhiger wird und beschließen, nach Wismar zu segeln.

Es hängen immer noch sehr dunkle Wolken am Himmel

Es hängen immer noch sehr dunkle Wolken am Himmel

Die Nacht über hat es sehr kräftig geregnet, aber jetzt ist es trocken. Am Himmel hängen aber immer noch dicke Wolken. Die Luft ist vollkommen klar und kalt. Wir haben extrem weite Sicht. Mit einem schönen Nordwind geht es zurück nach Wismar. Wir sind dick verpackt in mehrere Lagen Pullover und Thermounterwäsche unter unseren Segelhosen. Das Thermometer an der Mastspitze zeigt 9°C. Von innen wärmen wir uns mit heißem Tee.

Ein einzelner Sonnenstrahl beleuchtet den Strand der Insel Poel

Ein einzelner Sonnenstrahl beleuchtet den Strand der Insel Poel

In der Wismarbucht treffen wir auf große Schwärme an Blässhühnern auf dem Wasser. Vermutlich sind dies Blässhühner auf dem Durchzug in ihr Winterquartier. Unsere Blässhühner bleiben ja meist das ganze Jahr hier. Aber weiter nördlich und östlich sind Blässhühner Zugvögel und ziehen im Winter um in wärmere Gegenden. Nach dieser Woche auf dem Wasser haben wir dafür volles Verständnis!

Ein Schwarm Blässhühner vor der Werfthalle in Wismar

Ein Schwarm Blässhühner vor der Werfthalle in Wismar

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Nun also

Schon auf dem Weg zum Bäcker scheint die Sonne
Schon auf dem Weg zum Bäcker scheint die Sonne

Heute morgen scheint tatsächlich, wie angekündigt, die Sonne. Dazu bläst ein kräftiger Wind aus West. Auf dem Weg zum Bäcker, um die Frühstücksbrötchen zu kaufen, schaue ich noch bei der Touristeninfo rein und frage nach den Gräbern, aber die Dame dort, kann mir nicht weiterhelfen. Sie rät, beim Pastorat zu fragen. Darauf war ich auch schon gekommen, aber das muss nun warten bis zum nächsten Sturm, den wir in Großenbrode abwettern, den jetzt wollen wir wirklich los.

Trotz Sonnenschein sind wir dick angezogen
Trotz Sonnenschein sind wir dick angezogen

Wir setzen nur unsere kleinste Genua, die zwischendurch doch ein wenig klein erscheint. Aber als der Wind dann auf 5-6 Beaufort zulegt, ist sie doch die richtige Beseglung. Der blaue Himmel wird von kleinen Wölkchen dekoriert, aber in Höhe von Dahme entdecken wir eine andere dazwischen, so wie eine Feuerqualle zwischen lauter Ohrenquallen. Sie entwickelt sich zu einem Monster von Schauer, dem wir ehrfurchtsvoll nachschauen, wie er sich über Travemünde abregnet. Von Dahme aus können wir nur mit Fock die Höhe bis nach Grömitz nicht halten und müssen kreuzen. Wir sehen zu, uns nicht so weit von der Küste zu entfernen. Bei dem Wind legt der Seegang kräftig zu und im Schutz der Küste ist es ruhiger.

Hinter den Dekowölkchen lauert ein dunkler Schatten
Hinter den Dekowölkchen lauert ein dunkler Schatten

Nun entdecken wir die nächsten Schauer. Unsere Hoffnung, trocken nach Grömitz zu kommen, zerschlägt sich, als wir ein ganz breites Biest entdecken, das an Land extra auf uns zu warten scheint und erst auf See raus zieht, als wir keine halbe Seemeile mehr bis zur Hafeneinfahrt haben. Im Hafen nimmt der Wind schnell ab, die Gebäude gewähren einen guten Schutz. Wir suchen uns ein nettes Plätzchen und ich gehe los zum Hafenmeister, um unser Hafengeld zu bezahlen und einen Schlüssel für die Sanitäranlagen auszuleihen, aber hier ist scheinbar alles im Winterschlaf. Alle Läden im Hafen haben geschlossen und auch der Hafenmeister hat schon Feierabend – das in dem ansonsten doch so quirligen Grömitz! In Großenbrode, in dem es ansonsten ja nichts Überflüssiges gibt, war das kein Problem. Dort wirkte auch der Hafen noch sehr belebt, aber hier kommen wir uns trotz genügend anderer Schiffe, doch ein wenig allein vor.

Das war der scheinbar harmlose Schatten
Das war der scheinbar harmlose Schatten
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Schon wieder Regen

Auf der anderen Seite
Auf der anderen Seite

Heute morgen wachen wir wieder zu dem vertrauten Klang von Regen auf. Unser gestriger Aktionismus erstirbt sehr schnell. Wir haben noch zwei weitere Tage, um wieder zurück zu kommen. Es treibt uns also niemand dazu, das klitschnasse Persenning im Regen abzubauen und alles noch nasser zu machen. Außerdem ist kaum Wind, also machen wir es uns wieder gemütlich. Erst nachmittags lässt der Regen nach und wir gehen spazieren. Diesmal gehen wir durch das alte Dorf von Großenbrode und rüber zum Strand auf der Westseite von wo aus wir nach Heiligenhafen schauen können.

Die Kirche in Großenbrode
Die Kirche in Großenbrode

Auf dem Rückweg statten wir der Kirche einen Besuch ab. Hinein kommen wir leider nicht. Daher schauen wir uns die alten Gräber rund um die Kirche an. Darunter sind etliche Sammelgräber: eines für 30 sowjetische Soldaten, eines für etliche deutsche Soldaten deren Namen nicht mehr zu entziffern sind und eines für Menschen aus Jugoslawien. Besonders hervor stechen dabei die Grabsteine zweier Kinder, die 1948 verstorben sind. Die Soldatengräber sind verständlich, denn in Großenbrode befand sich im zweiten Weltkrieg ein Seefliegerhorst mit einer Seenotstaffel. Die ehemaligen Kasernengebäude gehören heute teilweise zur Klemens Werft. Die Obstbäume, die wir am ersten Tag besucht hatten, wachsen auf den ehemaligen Start- und Landebahnen. Aber wie sind die jugoslawischen Kinder zu erklären?

Gräber neben der Kirche
Gräber neben der Kirche

Wieder an Bord und gestärkt mit Birnenkuchen und Apfelmus, mache ich mich im Internet auf die Suche. Bei Wikipedia heißt es, dass der Fliegerhorst nach dem zweiten Weltkrieg als britisches Kriegsgefangenenlager diente. Erst nach längerer Suche finde ich eine Webseite (dpcampinventory.its-arolsen.org) auf der der Fliegerhorst Großenbrode als Standort eines Lagers für Displaced Persons, welches bis zum 1.8.1949 bestand, verzeichnet ist. Wir vermuten, dass hier auch Menschen aus Jugoslawien untergebracht waren. Genaueres finden wir leider nicht heraus.

Auch die Enten und Gänse am Dorfteich sind hier etwas schläfrig
Auch die Enten und Gänse am Dorfteich sind hier etwas schläfrig
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