Lorrikeet ist wieder im Wasser

Auf geht's Richtung Hafen!

Auf geht’s Richtung Hafen!

Ostern ist klassischer Weise das Ziel, das Boot ins Wasser zu bekommen. Wegen der Corona Reisebeschränkungen konnten wir in den letzten Winterhalbjahren nur sehr eingeschränkt zum Boot und hatten nur das Nötigste im Auftrag machen lassen. Da dies diesen Winter weggefallen ist und Klaus auf Grund seiner Altersteilzeit mehr Zeit hat, werden die Arbeiten dieses Jahr etwas gründlicher durchgeführt. Dazu hat sich Klaus zwei Wochen vor Ostern in Wismar einquartiert. Auch die Zierleisten im Vorschiff sind jetzt endlich angebracht.

Das da unten ist Wasser, kein Eis auch wenn es sich noch nicht so anfühlt!

Das da unten ist Wasser, kein Eis, auch wenn es sich noch nicht so anfühlt!

Gründonnerstag ist es dann soweit. Die Sonne scheint, aber es ist immer noch sehr kalt. Ein Stahlschiff, das vor uns gekrant werden sollte, hat noch Glatteis an Deck, so dass wir bereits um 9:00 Uhr am Haken des Schleppfahrzeuges hängen und gegen 11:00 Uhr steht der Mast. Alles läuft mit eingespielter Ruhe ab. 

Behutsam wird Lorrikeet ins Wasser gesetzt

Behutsam wird Lorrikeet ins Wasser gesetzt

Die erste Nacht an Bord vom Donnerstag auf Karfreitag gestaltet sich als sehr kalt. Zum Glück funktioniert unsere Heizung an Bord. Auch am Tage wird es dann nicht richtig warm. Trotzdem machen wir Mast und Baum fertig.

Da wir im Herbst an unserem Großsegel einige mürbe Stellen festgestellt haben, hatten wir uns über Winter bei dem Segelmacher unseres Vertrauens auch ein neues Segel schneidern lassen. Auch dieses gute Stück muss nun angeschlagen werden. Beim Befestigen der Mast-Rutscher  am Segel fallen uns vor Kälte beinahe die Finger ab.

Auch die nächste Nacht ist ist wieder sehr kalt. Den Samstag  bringen wir damit zu, noch einige Restarbeiten am Großsegel und am Boot zu machen. Eigentlich wollten wir am Sonntag und Montag alles noch einmal ausprobieren, aber auf Grund der Kälte entscheiden wir uns darauf zu verzichten und nach Hause zu fahren. Da dies aber erst am Sonntag möglich ist, besuchen wir noch das Wismarer Osterfeuer am Wendorfer Strand und wärmen uns mit einer kräftigen Erbsensuppe auf.

Am Ostersonntag fahren wir dann zurück nach Laatzen. Es ist einfach zu kalt und es hat keinen Sinn, sich zu quälen.

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Ein Nachruf

Ohrenquallen im Ozeaneum Stralsund

H., so will ich ihn hier nennen, wollte nicht, dass sein Tod bekannt wird. Er wird seine Gründe gehabt haben. Darüber zu urteilen steht mir nicht zu. Wer ihn gekannt hat und ihn heute zusammen mit uns auf seiner letzten Ausfahrt begleitet hat, wird wissen, über wen ich schreibe.

Im November letzten Jahres war er zuletzt bei uns an Bord, nur kurz, so wie immer, nur ein paar Worte reden, dann schnell weiter, bloß nicht bleiben – keinem zur Last fallen? Dass er schwer krank gewesen war und dass er im Jahr zuvor dem Tod noch einmal entronnen war, das wussten wir, aber nicht von ihm. Nun ging es ihm wieder besser, er fühlte sich stärker und plante schon für das kommende Jahr. Mir fiel es schwer, das zu glauben, aber gesagt habe ich nichts. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Muschel im Ozeaneum Stralsund

Er erschien mir weicher bei seinem letzten Besuch, sentimentaler, nicht mehr so kantig. Plötzlich erzählte er, dass er in der Nähe von Brest geboren sei, sein Vater in französischer Kriegsgefangenschaft war, er eine doppelte Staatsbürgerschaft habe. Er träumte davon, noch einmal dorthin zu reisen. Jahrelang hatte er sich nicht getraut, er hatte Angst für den französischen Staat in den Krieg ziehen zu müssen.

Dann meldete er sich noch einmal, als sein Schiff aus dem Wasser kam. Es kam in die Halle ins Winterlager und steht dort noch immer direkt neben unserer Lorrikeet. Es ärgerte ihn, dass die Schiffe wieder viel zu dicht nebeneinander stehen. Ich war trotzdem beruhigt, dass er und Klaus sich verabreden wollten, um gleichzeitig in der Halle zu arbeiten und die Schiffe fertig zu machen für die Saison. Es war auch so ein wenig Vereinskameradschaft, denn wir sind noch immer im selben Segelverein an der Elbe, obwohl wir doch schon so lange auf der Ostsee segeln.

Rotfuchs und Flussseeschwalbe in einem Diorama im OzeaneumDort haben wir uns kennengelernt, irgendwann Ende der 80er oder Anfang der 90er Jahre – so genau wissen wir es nicht mehr. Es war auf einer Vereinsfahrt im Frühjahr. Er war bei Freunden an Bord, wir lagen in Glückstadt nebeneinander. Wir hatten eine Gitarre an Bord und auf dem anderen Schiff gab es Maiurbock. Daraus wurde ein lustiger Abend mit schweren Folgen am nächsten Tag. Ich hatte glücklicherweise nichts davon getrunken und so musste ich meine kranke Mannschaft allein nach Hause segeln…

An dem Wochenende hat H. wohl der Segelvirus ereilt. Er kaufte sich einen kleinen Jollenkreuzer ohne irgendwelche Segelkenntnisse zu haben. Bei der ersten Ausfahrt musste ich das Boot segeln. Er hat fotografiert, seine Frau saß unter Deck und lernte für eine Prüfung. Auf sie war der Virus nicht übergesprungen. Das Schiff war ihm schnell zu klein, er verkaufte es, wie so viele Boote danach, zu einem guten Preis und kaufte ein größeres Boot.

Grasnadeln und künstliches Seegras im Ozeaneum StralsundIrgendwann war ein Vierteltonner dabei – ideal als Regattaschiff geeignet. Wir meldeten uns zum Blauen Band der Niederelbe an und segelten zu viert. Klaus, Bernd B., H. und ich. Er hatte vorher das Schiff ausgepackt, damit kein Gramm zu viel an Bord war, sorgte für die Verpflegung und dann ging es los: Bernd als Steuermann, Klaus als Vorschoter, ich als Ausguck und H. als Smutje der um sein Schiff zitterte. Als eine der wenigen Crews waren wir auch auf der Rückregatta, der Elbaufregatta, pünktlich am Start – von Maiurbock waren wir kuriert.

Ein paar Jahre später wechselten wir mit unserem Boot an die Ostsee und verloren den Kontakt zu ihm und seinen Freunden. Eines Morgens stand ich frühmorgens an der Kaimauer – wir wollten Joggen gehen – und wartete auf Klaus. Unter dem Kran lag ein Schiff. Den Namen konnte ich von oben lesen. Es hieß, wie seine Schiffe immer hießen. Das konnte nur eins bedeuten und so war es auch. Er lag mit seinem Schiff schon ein paar Jahre im Nachbarhafen und hatte seine neue Liebe in Schwerin gefunden. Von seiner Frau war er geschieden. Kurz danach hatte er einen Liegeplatz in unserem Hafen gefunden und so waren wir wieder vereint.

Er träumte davon, sein Unternehmen an seinen Sohn zu übergeben und in Rente zu gehen. Das dauerte noch ein wenig und lief nicht so reibungslos ab, wie er sich das vorgestellt hatte. Als es soweit war, zog er auf sein Schiff, löste im Mai die Leinen, segelte gen Osten und kam erst im September zurück. Auch sonst löste er in der Zeit einige Leinen. Krank war er da schon gewesen. Wie viel Zeit ihm bleiben würde, wusste er nicht. Aber dass er sie nutzen würde, das wusste er ganz sicher.

Dass er eine Seebestattung wollte, passte zu ihm. Dass wir dafür noch ein Stück weiter nach Osten fahren mussten, passte auch. So sind wir dann heute eine halbe Stunde früher als ursprünglich geplant noch einmal zusammen abgelegt, gerade noch rechtzeitig vor dem heraufziehenden schweren Sturm. Er wollte gern vor Hiddensee bestattet werden. Dort liegt nun seine Asche. Unsere Blumen hat der Sturm sicherlich schon an Land getrieben. Wir werden uns den Wegepunkt noch in unser GPS eintragen, so können wir ihn besuchen, wenn wir das nächste Mal nach Stralsund segeln: 54°22,142‘ N, 13°6,060‘E

Die Fotos in diesem Beitrag stammen aus dem Ozeaneum, das wir im Anschluss besucht haben. Draußen heult nun ein schwerer Sturm.

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Auf dem Landweg nach Stralsund

Keine Sorge, Lorrikeet steht noch in der Halle. Trotzdem sind wir heute nach Stralsund gefahren – mit dem ICE ohne Umsteigen von Hannover. Warum? Nun, das erzählen wir Euch morgen.

Wesentlich war heute die Erkenntnis, dass 4,5 Stunden Anreise mit der Bahn und dann noch eine knappe halbe Stunde Fußweg vom Bahnhof bis zum Hafen zu weit weg sind für einen Bootsliegeplatz. Warum wir darüber nachdenken? Nach den letzten Entwicklungen in Wismar machen wir uns derzeit keine Sorgen um unseren Liegeplatz, aber das war schon mal anders und damals hatten wir tatsächlich über Stralsund als Alternative nachgedacht. Der Strelasund ist ein schönes geschütztes Revier und Stralsund ist eine schöne Stadt, aber zu weit entfernt.

Und was machen wir nun am Hafen? Wir übernachten im Hotel direkt neben dem Ozeaneum in einem netten Hotelzimmer mit Blick auf den Strelasund. Es ist hier so ruhig, dass wir noch nicht mal die Vorhänge zuziehen. Trotzdem haben wir am späten Abend noch ein griechisches Restaurant direkt am Wasser gefunden, dass uns Störtebecker Schwarzbier vom Fass serviert hat, blau gefärbten Ouzo und einen leckeren Vorspeisenteller.

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Die Saison ist fast zu Ende

Der Strand in Timmendorf ist schon fast leer

Der Strand in Timmendorf ist schon fast leer

Von Timmendorf ist es nur einen Katzensprung nach Wismar. Wir machen deshalb erst einmal einen ausgedehnten Strandspaziergang. Viel ist nicht mehr los und am Strand wird das letzte Sommermobiliar weggeräumt – die Saison ist vorbei!

Mit dem Trecker werden die letzten Buden vom Strand gefahren

Mit dem Trecker werden die letzten Buden vom Strand gefahren

Die Wintergäste sind da: Pfeifenten haben sich unter die Stockenten am Strand von Timmendorf gemischt

Die Wintergäste sind da: Pfeifenten haben sich unter die Stockenten am Strand von Timmendorf gemischt

In Timmendorf versucht man mit einem kleinen Kunsthandwerkermarkt die letzten Gäste bei Laune zu halten. Zwei Musiker mit ungewöhnlichen Instrumenten machen nette Musik. Wir hören eine Weile zu. Ich kaufe eine CD. Potenzielle Kundschaft muss ich schließlich unterstützen.

An Holz mangelt es im Hafen von Wismar nicht

An Holz mangeslt es im Hafen von Wismar nicht

Lorrikeet und die Kräne im Westhafen

Lorrikeet und die Kräne im Westhafen

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Am Tag der Deutschen Einheit von Großenbrode nach Timmendorf/Poel

Im Fahrwasser nach Wismar müssen wir höher an den Wind

Im Fahrwasser nach Wismar müssen wir höher an den Wind

Auch heute ist noch viel Wind. Wir laufen trotzdem aus und segeln nur vor Fock bei viel Welle quer über die Mecklenburger Bucht. Dort erleben wir, wie schnell man auf dem Wasser die Orientierung verlieren kann. Vor der Einfahrt ins das Fahrwasser nach Wismar liegt ein Frachter mit großen Ladekränen auf Reede. Klaus hat einen Moment nicht aufgepasst und glaubt, wir würden Travemünde sehen. Das Stichwort wird nun zum Running Gag an Bord. Zur Beruhigung laufen wir durch das Hauptfahrwasser Richtung Poel und legen in Timmendorf an.

Wir genießen im Abendlicht dann noch einen Spaziergang an der Steilküste.

Abenddämmerung in Timmendorf

Abenddämmerung in Timmendorf

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