Schwedischer Nationalfeiertag

Beim Blick ins Internet haben wir gestern festgestellt, dass heute der Nationalfeiertag in Schweden ist. Das erklärt auch die viele Segelaktivität auf dem Wasser. Auf jeden Fall haben die Schweden heute viel Glück mit Wetter. Bei schönstem Wetter verlassen wir den Hafen. Allerdings weht der Wind heute bereits mit SSW 4 und wir stecken gleich nach dem Setzen das Reff 1 in das Großsegel. So läßt es sich gut durch das Göteborger Hauptfahrwasser kreuzen. Die Frachter liegen wegen des Feiertages alle draußen vor Anker. Heute geht für sie nichts im Hafen.

Wir wollen heute nach Donsö, dass etwas südlich liegt. Von hier ist es nicht weit nach Langedrag, wo wir Lorrikeet eine Woche liegen lassen wollen. Der erste Teil der Tour geht dann dort zur Ende. Klaus wird anschließend zusammen mit Petra wieder an Bord kommen und nach einem weiteren Abstecher in den Göteborger Schärengarten das Boot wieder Richtung Heimat segeln.

Als wir in die Nähe von Donsö kommen, fallen uns bereits die vielen Motorboote mit hoher Geschwindigkeit auf. Die Göteborger Motorbootfahrer scheinen diesen Ort und die Gegend als Spielwiese für ihre hoch motorisierten Fahrzeuge zu nutzen. Die Plätze am Gästesteg sind alle mit Booten belegt und es gibt wenig Bereitschaft ein Päckchen aufzumachen. Kurz bevor Klaus die Geduld verliert und den Hafen wieder verlässt, tut sich dann doch ein Platz für Lorrikeet auf.

Der Ort ist auch keine besondere Schönheit, aber immerhin gibt es hier einige Geschäfte und Cafés rund um den Hafen. 

Den krönenden Abschluss bildet das Nationalfeiertagsmenue im Restaurant am Hafen. Nach dem Essen schauen wir beim Bier noch dem Treiben an der Bootstankstelle und auf dem Wasser zu.

Als die Sonne sich dem Horizont nähert, verschwinden die ganzen Boote in Richtung Göteborg und hier kehrt absolute Ruhe ein. Auch der Wind ist schlafen gegangen und hinterlässt eine spiegelnde Fläche.

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Öckerö(de)

Zusammen mit anderen Seglern verlassen wir Marstrand Richtung See. Vor der Südzufahrt von Marstrand setzen wir die Segel. Auch heute weht ein thermischer Wind aus W-SW. Nachdem wir auf dem Weg aus Göteborg heraus das nördliche Hauptfahrwasser nach Marstrand genommen haben, wollen wir diesmal einen engeren Weg ausprobieren.

Nach etwa 3 Stunden laufen wir in den Kallöfjord, also Kalles Fjord. Wir wollen nach Öckerö, dem im Hafenhandbuch eine gewisse Geschäftigkeit nachgesagt wird. Als wir dort in der Marina festmachen, können wir dies für den Hafen mit seinen Seglern bestätigen. Allerdings laufen wir in die Marina ein und nicht auf die Gästeplätze im Fischereihafen. Hier gibt es eine Menge freie Plätze, aber man kann nicht erkennen, ob im Laufe des Abends nicht doch jemand kommt. Trotzdem machen wir auf einem der Plätze fest. Wenn jemand kommen sollte, können wir ja immer noch umlegen.

Nach einer kleinen Pause wollen wir uns ein wenig die Beine vertreten und gehen in Richtung Kirchturm. Wir hatten eigentlich gedacht, dass man dort so etwas wie ein Ortszentrum findet, aber dem ist nicht so. An der Kirche sehen wir, dass sie erst 1906 gebaut wurde, also nicht im Zentrum von Öckerö. Wir machen noch einige weitere Versuche so etwas wie den Ortskern zu finden, aber scheitern. Es gibt zwar nette Häuschen, aber sonstiges finden wir nicht.

Also gehen wir zurück zum Hafen. Auch dort sind alle Geschäfte und Cafés geschlossen. Nur der Hafenkiosk hat einmal wieder auf. Zur Entschädigung gönnen wir uns ein Eis. An Bord wartet eh noch unsere Gemüsepfanne.

Als wir wieder am Boot ankommen liegt neben uns ein Boot und die Eigner weisen uns darauf hin, dass es ihr Platz sei. Macht nichts die Box neben uns ist auch noch frei und wir verholen Lorrikeet von Hand einen Platz weiter.

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Segeln im Seewind

Die eingeschränkten sanitären Anlagen stören nicht besonders, da mit uns zusammen nur eine weitere Yacht aus Deutschland im Hafen liegt. Die Sonne scheint und wir motoren durch das spiegelblanke Wasser in Richtung See. Am Horizont kann man bereits den Brisenstrich des Seewindes auf uns zukommen sehen. Nachdem wir durch das enge Schärenfahrwasser Hällervigsstrand verlassen haben, setzen wir wieder das Großsegel und die Genua 2.

Eigentlich haben wir als Ziel Skärhamn aus gewählt, aber Lorrikeet kann einfach nicht langsam, so dass wir uns durch die Schären nach Marstrand schlängeln. Bei dem thermischen westlichen Wind mit 3-4 Bft ist es einfach zu schön, um bereits in einen Hafen zu fahren.

Nachdem wir Marstrand vor einigen Tagen als total verschlafen mit allen Geschäften geschlossen erlebt haben, boxt heute hier der Bär. Trotzdem finden wir einen Platz im Gästehafen und statten dem Treiben in Marstrand einen Besuch ab. 

Nach unserem Dinner an Bord begeben wir uns noch in die Bar neben dem GKSS in Marstand. Es ist einfach herrlich hier und die Leute sind gut drauf.

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Hällevigsstrand oder der Ort, der erst ab Mitte Juni geöffnet hat

Die Windvorhersage von Windy prognostiziert thermischen Seewind, der sich an der schwedischen Küste des Skagerrak und Kattegat aufbauen soll. Es macht also keinen Sinn in Hektik zu verfallen, da sich die Thermik erst im Laufe des Vormittags aufbaut.

Gegen 10:00 Uhr weht ein SW mit 3-4 Bft und wir verlassen den Hafen. Das erste Stück geht durch ein ziemlich enges Fahrwasser Richtung SW. Hier ergibt es keinen Sinn, die Segel zu setzen. Also lassen wir den Motor mit niedriger Drehzahl vor sich hinarbeiten. Es tut ihm auch einmal gut, gleichmäßig warm zu werden und überall Motoröl verteilt zu bekommen. Als wir das enge Fahrwasser nach gut zwei Stunden verlassen haben setzen wir noch für das letzte Stück die Genua 2.

Heutiges Ziel ist der Ort Hällevigsstrand, ein ehemaliges Fischerdorf, mit alten Häusern und einer urigen Kneipe direkt am Hafen. Wir machen auf den Gästeplätzen direkt hinter der Hafeneinfahrt fest. Das Bezahlen funktioniert wie häufig mit einem Automaten. Als wir den Öffnungscode für WC und Dusche ausprobieren geht nichts. Glücklicherweise ist das einzige Behinderten-WC allgemein zugänglich. Wir besorgen uns erst einmal ein Eis am geöffneten Kiosk am Hafen und machen einen Rundgang durch den malerischen kleinen Ort.

Als wir wieder am Hafen hinter der besagten Kneipe ankommen, kommen wir mit dem Inhaber ins Gespräch, der dort gerade irgend etwas macht. Er hat dort auch zwei wunderbare Mofa-Oldtimer stehen, die Thomas‘ Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der Inhaber sagt uns, dass die Kneipe erst am 16.6.23 an den Wochenenden und ab 3.7.23 ganz öffnet. Noch fehlt ihm das Personal und er betreibt den Laden nebenberuflich in der Sommerzeit.

Wir machen wohl einen sehr enttäuschten Eindruck und er findet Gefallen an einem kleinen Plausch, so dass er uns auf ein Bier im Plastikbecher (sonst bekommt er Ärger mit seiner Frau) auf die Veranda der geschlossenen Kneipe einlädt.

Wir erfahren viel über den Ort, mit dem Lars, wie er heißt, eng verwandt ist. Der ganze Ort ist 1908 einem Brand zum Opfer gefallen, der genau von dem Haus ausging, in dem heute seine Kneipe ist. Diese Kneipe gibt es erst seit 9 Jahren, vorher war es ein Supermarkt. Sie wurde von Verwandten von ihm aufgemacht und war bereits ein Jahr später kurz vor der Pleite. Da ist er dann eingestiegen. Im Hauptberuf ist er Uni-Professor in Göteborg, aber er war der Überzeugung, dass Hällevigsstrand so einen Laden braucht. Seither betreibt er ihn mit Schülern und Studenten.

Auch sonst ist er im Dorf sehr aktiv und unter anderem für die neue Sauna mit Badesteg, sowie einem Konferenzraum darüber, der auch als Regattabüro für den örtlichen Segelclub genutzt wird mit verantwortlich.

Wir erzählen ihm von uns und unserer Tour und auch dem Problem mit dem Tür-Code. Nach einige Telefonaten bestätigt er uns, dass da wohl etwas nicht funktioniert, aber wir sollen das Behinderten-WC benutzen. Am Wochenende wird dort keiner von der Kommune mehr kommen.

Zum Abschluss erzählt er uns noch von der kleinen Werft, die sein Vetter mit seinen beiden Neffen zwei Buchten weiter betreibt. Wir machen uns also auf den Weg, um auch dieses Highlight zu besichtigen.

Auf dem Werkgelände sieht es wie erwartet etwas unordentlich aus und viele verlassene Holzboote fristen dort ihr trauriges Dasein. Es hat einen etwas morbiden Charme. Wir kommen noch mit einem älteren Herren ins Gespräch, der an seinem kleinen geklinkerten Spitzgatter arbeitet, damit er bald ins Wasser kann.

Den Abend verbringen wir mit einem Kaltgetränk aus unseren Vorräten. Hier war zwar alles offiziell zu, aber ein tolles Erlebnis.

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Besuch im „Heiligen Gral“ skandinavischer Fahrtenboote

Da die Bäckerei erst um 9:00 Uhr öffnet, verlegen wir das Frühstück gleich dorthin. Nach dem Besuch von Hallberg-Rassy wollen wir mit den Rädern noch ein wenig die Umgebung von Ellös erkunden. Also holen wir sie aus der Backskiste und nehmen sie gleich mit.

Pünktlich um 10:00 Uhr stehen wir in der Rezeption der Werft und der Vertriebsleiter Deutschland nimmt uns in Empfang. Wir erhalten einen ziemlich tiefen Einblick in die Abläufe der Werft. Es ist ein Vergnügen, den Bootbauern bei der Arbeit zuzuschauen. In der Tischlerei und auch der Elektro- und Motorvorfertigung wird mit hoher Präzision gearbeitet. Die Rümpfe werden an einem Standort nicht weit von hier gefertigt. Eine Besonderheit ist, dass Rumpf, Deck und Spanten/Schotten mit einander per Laminaten verbunden werden.

Auch die Metallstruktur, die die Kräfte aus dem Kiel aufnimmt, ist massiv in den Rumpf integriert. Viele Großserien-Werften nutzen hier Klebeverfahren oder verschrauben Rumpf und Deck. Auf lange Sicht ergibt sich dadurch eine höhere Steifigkeit und Haltbarkeit. Der Innenausbau erfolgt in die Schale aus Rumpf und Deck. Alle Teile unter Deck müssen also durch den Niedergang passen. Auch ein großer Vorteil bei späteren Reparaturen.

Nach der Werfttour sitzen wir noch einige Zeit zusammen auf einer HR400. Dieses Boot ist mir aber zu groß. Die HR340, die wir in verschiedenen Bauzuständen in der Halle in Augenschein nehmen konnten, entspricht mehr der angepeilten Größe. Zum Abschluss reden wir noch über Lieferzeiten. Die Werft ist bis Mai 2025 ausgebucht. Dies ist schon eine stolze Zahl. Der Besuch auf der Hallberg-Rassy Werft hinterläßt bei uns einen insgesamt sehr positiven Eindruck.

Vor der Werft steigen wir wieder auf unsere Fahrräder und radeln zu einem Aussichtspunkt, von wo man die ganze Gegend inclusive des Nadelöhrs vor Ellös überblicken kann. Die Uhr rückt auf 14:00 Uhr und wir haben uns eine kleine Stärkung verdient. Diese finden wir in dem Hof-Café „Fröken Trulls“.

Wieder zurück an Bord gehen wir ein weiteres Mal das Thema Wäsche waschen an und backen einen Kuchen für die nächsten Tage.

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