Hinterhergesegelt – Tag 2

Gestern Abend bin ich nach dem Bier in mein Bett gekrochen. Kurz vor der Abfahrt weckt mich noch eine Durchsage, die vermutlich vom Ladedeck zu mir heraufschallt. Ich wickele mich in meine Decke und mache das Verdunklungsrollo wieder hoch. So kann ich beim Auslaufen aus Travemünde zuschauen. Erstaunlich wie klein die Passat von hier oben aussieht. Dann wird es schnell dunkel draußen und ich verkrieche mich wieder in mein Bett.

Guten Morgen! Es nieselt ein wenig bei mäßigem Südwestwind

Guten Morgen! Es nieselt ein wenig bei mäßigem Südwestwind

Morgens um 7 Uhr klingelt mein Wecker. Um 5 Uhr war ich schon mal wach, das helle Tageslicht fiel durch die Ritzen. Der Seegang ist moderat. An Bord ist davon nichts zu spüren, nur das leichte Vibrieren durch den Motor ist zu merken. Beim Auslaufen war es recht deutlich, aber bei Reisegeschwindigkeit ist es weniger störend.

Frühstück mit Blick auf die Ostsee

Frühstück mit Blick auf die Ostsee

Zum Frühstücken gehe ich ins Bordrestaurant. Anscheinend bin ich zu spät aufgestanden, denn es fehlt an Verschiedenem: Teller, Brötchen usw. Jedesmal frage ich nach Nachschub, der auch kommt, aber es dauert halt. Es ist eine enge Cafeteria, wo sich alle in einer Schlange durch schieben. Die schlecht durchdachte Reihenfolge nervt deshalb besonders. Viele Menschen sind nicht an Bord. Wie ist das erst, wenn ganze Ladungen von Reisebussen mitfahren?

Auch beim Anlegen lässt sich aus dem Restaurant gut zuschauen

Auch beim Anlegen lässt sich aus dem Restaurant gut zuschauen

Bei den Sitzplätzen ist also reichlich Auswahl. Das Restaurant ist über der Brücke und ich kann fast senkrecht runter auf das Wasser schauen. Hier so weit vorne und oben ist auch ein klein wenig Schiffsbewegung zu spüren.

Anscheinend hat Trelleborg seit 1909 Bahnanschluss

Anscheinend hat Trelleborg seit 1909 Bahnanschluss

Um halb neun wurde über Lautsprecher angekündigt, dass wir in einer Stunde Trelleborg erreichen und dass das Frühstücksbuffet bis zur Ankunft geöffnet hat. Die Ankunft war eigentlich für 09:15 Uhr geplant. Eine Viertelstunde später eine weitere Durchsage: Wir sind in 30 Minuten in Trelleborg und wir sollen unsere Kabinen räumen, weil sie mit der Reinigung beginnen wollen. Ich sitze noch beim Frühstück. Die können mich mal…

Kuschlige Dohlen am Bahnhof in Lund

Kuschlige Dohlen am Bahnhof in Lund

Als ich nach dem Frühstück zu meiner Kabine gehe, ist von Reinigungskräften nichts zu sehen, also kein Grund zur Eile. Die Fussgänger sollen zur Rezeption kommen und dort warten. Die Rezeption ist die Bar im Restaurant. Ich hole meinen Rucksack und setze mich wieder in den Speiseraum, wo ich der Mannschaft beim Anlegen zuschauen kann. Nebenbei kaufe ich auf dem Handy in der schwedischen Bahn App, die ich zu Hause installiert hatte, meine Fahrkarte nach Karlskrona.

Eine etwas hochnäsig wirkende Krähe marschiert an den Dohlen in Lund vorbei

Eine etwas hochnäsig wirkende Krähe marschiert an den Dohlen in Lund vorbei

An der Bar wartet mittlerweile auch der ältere Herr von gestern und sonst niemand. Wir waren also tatsächlich die einzigen Fußgänger. Mein Zug geht um 10:20 Uhr. Hoffentlich müssen wir nicht warten bis alle LKW ausgeladen sind. Der Barkeeper, der jetzt die Tische abwischt ist unbesorgt.

Schönes Fries an einem alten Haus in Karlskrona

Schönes Fries an einem alten Haus in Karlskrona

Ein junger Mann taucht auf mit einer Klappleiter und öffnet die Deckenverkleidung. Dann taucht auch der Steward von gestern wieder auf und zieht sich seine Warnweste an. Ich soll nicht wieder weglaufen sagt er mir. Ich frage ihn, ob sie noch was in den Deckenplatten verstecken müssen. Im Fahrstuhl fängt er an zu erzählen. Das Schiff ist neu und in China gebaut, aber es würde nach 2 Jahren schon alles auseinander fallen. Das hätten sie wahrscheinlich alles bei Aliexpress gekauft. Der junge Mann mit der Leiter würde sich die Beine ausreißen, um ständig alles zu reparieren, weil die Qualität so schlecht wäre.

Alter Chevrolet in der Altstadt von Karlskrona -er klingt so wie er aussieht

Alter Chevrolet in der Altstadt von Karlskrona -er klingt so wie er aussieht

Unten auf dem Ladedeck lassen wir noch einen LKW passieren, dann stoppt er per Handzeichen den Verkehr, damit wir über die Rampe von Bord gehen können. Unten steht schon der Shuttlebus und man winkt uns schon zu. Zwei Fahrradfahrer werden auch noch mi eingeladen. Ausstieg ist dann am Bahnhof Trelleborg, wo in einer halben Stunde mein Zug nach Lund fährt.

Hans Wachtmeister blickt über die Altstadt von Karlskrona. Er spielte eine wesentliche Rolle bei der Schaffung des Marinestützpunktes Karlskrona

Hans Wachtmeister blickt über die Altstadt von Karlskrona. Er spielte eine wesentliche Rolle bei der Schaffung des Marinestützpunktes Karlskrona

Auch in Lund habe ich noch eine halbe Stunde Wartezeit. Es ist kalt und ich hole meinen dicken Pullover raus und ziehe die Jacke noch oben drüber. Ich vergnüge mich die kuschelig aussehenden Dohlen ähnlichen Vögel mit ein paar Krümeln zu füttern und zu fotografieren.

Mein Zug nach Karlskrona ist gut gefüllt. Heute ist Muttertag in Schweden erklärt mir meine Sitznachbarin. Auch sie fährt zu ihrer Mutter.

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Hinterhergesegelt – Tag 1

Während die Lorrikeet in Karlskrona auf mich wartet, fahre ich ihr nun hinterher. Ich hatte bei Finnlines für heute Abend eine Fährpassage nach Malmö gebucht. Gestern Abend kam dann die Nachricht, dass die Fahrt storniert sei und ich möge bitte zu einem anderen Zeitpunkt fahren, den Zug nehmen, bei TT-Line buchen oder die Reise stornieren. Ich setze mich schnell an den Rechner, um die beste Lösung zu finden. Dies scheint die Umbuchung auf TT-Line zu sein. Die Fähre fährt drei Stunden später, also nachts um 1 Uhr, aber man kann schon um 22 Uhr an Bord und in die Kabine. Interessanterweise ist die Kabine nicht im Preis enthalten. Eine Innenkabine möchte ich nicht. Schließlich hatte ich auch bei Finnlines eine Außenkabine gebucht. Hier ist aber nur die VIP-Kabine übrig, also buche ich die und bin schnell bei mehr als dem doppelten Preis im Vergleich zu Finnlines, aber die wollen ja den Preis für die TT-Line erstatten – wir werden sehen….

Junge Leute am Strand von Travemünde

Junge Leute am Strand von Travemünde

Einen Vorteil hat die Umbuchung: ich fahre nun nach Trelleborg statt nach Malmö. In Trelleborg ist der Fähranleger direkt beim Bahnhof. In Malmö hatte ich das auch so vermutet, musste mich aber eines Besseren belehren lassen: dort ist der Fähranleger in einem Industriegebiet ca. 8km vom Bahnhof entfernt. Der Bus zum Bahnhof fährt leider nur Montags bis Freitags.

Zwei Erpel am Strand von Travemünde

Zwei Erpel am Strand von Travemünde

Da ich danach genug hatte von der Umbucherei, fahre ich mit der Bahn wie ursprünglich geplant nach Travemünde. Dort kennt man sich mit Schildbürgerstreichen nämlich auch aus: Es gibt zwar einen Bahnhof „Travemünde Skandinavienkai“ an dem der Regionalexpress aus Hamburg alle zwei Stunden hält, aber der Check-In für die Fähren ist von dort aus zu Fuß nicht zu erreichen. Ein Umsteigen auf den Bus von Lübeck aus nach Travemünde hilft auch nicht wirklich, der hält nämlich nicht mehr am Terminal. Es gibt nur noch die Buslinie 36 von Lübeck Roter Hahn nach Travemünde Priwallfähre oder umgekehrt. Die fährt so alle ein bis zwei Stunden. Ich fahre also lieber rechtzeitig und wenn alles klappt wie geplant, habe ich noch Zeit an den Strand zu gehen.

Unvollendetes (?) Kunstwerk an der Trave

Unvollendetes (?) Kunstwerk an der Trave

So kommt es denn auch und ich fahre gleich bis Travemünde Strandbahnhof durch und erlebe wieder dieses Glücksgefühl, wenn man das kurze Stück vom Bahnhof zum Strand läuft und dann der große Strand und die Ostsee in ihrer ganzen Weite vor einem liegen. Anderen Menschen scheint es auch so zu gehen. Sie tollen wie junge Hunde am Strand. Mir ist dafür mein Rucksack zu schwer.

Gänsefamilie an der Trave

Gänsefamilie an der Trave

Ich habe nun zwei Stunden Zeit, um zur Priwallfähre zu gehen und von dort aus den Bus zu nehmen. Das ist mehr als genug und ausreichend Zeit für ein leckeres Eis und den Kauf eines Fischbrötchens als Proviant für die Wartezeit im Hafenhaus.

Dieses quietschende drehende Kunstwerk schaufelt dunkle Wolken um die Ecke - jetzt brauche ich ein Dach über dem Kopf

Dieses quietschende drehende Kunstwerk schaufelt dunkle Wolken um die Ecke – jetzt brauche ich ein Dach über dem Kopf

Als der Bus kommt, steigen nur wenige Menschen ein. Zum Hafenhaus fahre nur ich. Gegen 19:45 Uhr komme ich an und kann gleich einchecken. Gegen 21 Uhr soll der Shuttlebus zum Schiff kommen. Das klingt gut, ich hatte erst mit 22 Uhr gerechnet. Ich versuche noch herauszufinden, was mit der Finnlinesfähre passiert ist, aber das weiß anscheinend niemand.

Mit dem Shuttlebus geht es zur Fähre Peter Pan

Mit dem Shuttlebus geht es zur Fähre Peter Pan

Die Zeit vertreibe ich mir mit einem Rundgang durch den Laden, einem Spaziergang nach draußen, wo gerade meine Fähre anlegt, dem Genuss meines Fischbrötchens und einem Buch. Viel früher als erwartet, steht plötzlich der Shuttlebus da. Außer mir steigt nur noch ein älterer Herr ein und dann geht’s auch schon los. Sind wir die einzigen Fußgänger oder holen sie die anderen später ab? Ich weiß es nicht. Es ist schließlich erst 20:30 Uhr.

Das Bunkerschiff legt ab

Das Bunkerschiff legt ab

Der Bus fährt direkt in die Fähre. Ein Steward schwer beladen mit einer roten Tasche nimmt uns mit. Es ist das Wechselgeld für die Bar verrät er uns. Der ältere Herr muss auf Deck 9, ich auf Deck 10. Der Steward steigt auf Deck 9 mit dem älteren Herrn aus, um ihn zu seiner Kabine zu begleiten. Ich soll auf ihn warten, aber natürlich tut der Fahrstuhl was Fahrstühle so tun: die Türen schließen sich und er fährt wieder nach unten. Ich drücke auf die Taste für Deck 10. Ich weiß doch meine Kabinennummer und habe auch schon die Schlüsselkarte beim Einchecken erhalten. Den Weg werde ich schon finden. Es ist doch alles ausgeschildert.

Entspannter Blick auf den Trubel am Fährterminal

Entspannter Blick auf den Trubel am Fährterminal

Als ich auf Deck 10 aussteige, legt gerade das Bunkerschiff ab. Ich gehe ans Fenster zum Fotografieren. Dann höre ich den Steward. Er schimpft, dass ich nicht auf ihn gewartet hätte – naja ich schon, aber der Fahrstuhl nicht 😉 Er entschuldigt sich.

Blick die Trave hinab. Rechts ist der Priwall

Blick die Trave hinab. Rechts ist der Priwall

Meine Kabine liegt ganz am Ende des Ganges. Sie hat ein großes Fenster mit Blick nach hinten. Von oben kann ich die Beladung und die Manövrierkünste der Trucker bewundern. Aber mein Fischbrötchen will schwimmen und ich hätte gerne ein Bier. Ich zieh mir einen dicken Pullover über und gehe das Schiff erkunden. Es ist vor drei Jahren in China gebaut worden. Ganz stolz sind sie auf die Dieselmotoren, die auch mit Flüssiggas fahren und dann deutlich weniger Feinstaub produzieren. Ob sie diese Fähigkeit auch nutzen, verraten sie uns nicht. Oben auf Deck stehen große Stahlgestelle, in die Netze aus robusten Leinen gespannt sind. Ich lege mich herein und bewundere den Himmel. Das Ganze erinnert an überdimensionale ägyptische Strandliegen. Es fehlen nur noch die Vorhänge. Schön hier, aber ich wollte doch ein Bier, also wieder aufstehen. Das ist gar nicht so einfach, wenn man erstmal drin liegt.

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Hafentag in Karlskrona

Wir warten auf unsere Crew-Verstärkung und das Wetter ist kalt und durchwachsen. Das Marine-Museum wollen wir zusammen mit Petra besuchen. Also schlendern wir an der Hafenkante bis zum Marine-Bereich, der natürlich nicht allgemein zugänglich ist.

Die Spendenstatue

Die Spendenstatue

Als Kuriosum steht vor der Garnisionskirche eine Figur, der man den Hut lüften kann, um eine Spende hineinzuwerfen. Aber was macht man, wenn man gar kein schwedisches Bargeld mehr hat? In der Garnisionskirche findet gerade eine Taufe statt, so dass sie nicht besichtigt werden kann. Wir schlendern weiter zum Marktplatz, an dem wir mittlerweile ein nettes Café kennen, in dem wir uns mit Tee und Kaffee stärken wollen.

Als wir drin sind, geht draußen ein Regenschauer über uns hinweg. Dies ist uns eine Warnung und wir verziehen uns in unsere geheizte Kajüte.

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Der Sprung um die Südspitze von Utlängan

Für heute ist zwar immer noch reichlich Wind vorhergesagt, aber eine günstige Winddrehung im Laufe des Vormittags. Irgendwie begeistern uns diese winterschlafenden Häfen nicht so sehr, als dass wir einen weiteren Tag dort zubringen wollen.

Wir stehen früh auf und verlassen ohne Frühstück gegen 7:00 Uhr Sandhamn nur mit Fock und lassen den Motor mitlaufen. Dadurch können wir besser gegen die See anhalten und genug Höhe laufen, um bis zur Spitze von Utlängan unter Landschutz zu bleiben.

See vor Karlskrona

See vor Karlskrona

See vor Karlskrona

See vor Karlskrona

Der Wind hält sein Wort und direkt an der Spitze dreht der Wind südlicher, so dass wir nach der Wende die Einfahrt in das Fahrwasser nach Karlskrona anliegen können. Allerdings läuft eine kräftige See aus SW.

Vor uns fährt die Stena-Fähre aus Danzig kommend und zeigt uns den Weg. Im äußeren Fahrwasser müssen wir uns gut an die Betonnung halten, da direkt neben den Fahrwasserbegrenzungen ein Stein gerade so aus dem Wasser ragt. Die Gischt kann man allerdings gut sehen.

Untiefe neben dem Fahrwasser nach Karlskrona

Untiefe neben dem Fahrwasser nach Karlskrona

Dieses Mal gibt es in der Einfahrt nach Karlskrona keine Schiessübungen und wir sind bereits gegen 11:00 Uhr fest im Gästehafen. Unsere Kalkulation hat also gestimmt und wir genehmigen uns erst einmal ein Frühstück.

Schulabschlussparty in Karlskrona

Schulabschlussparty in Karlskrona

Schulabschlussparty in Karlskrona

Schulabschlussparty in Karlskrona

Nachdem wir am Nachmittag in der Stadt waren, kommen wir zurück zum Hafen und treffen auf eine große Schar Menschen. Einige, speziell die jungen Damen, sind festlich gekleidet. Wir fragen nach und bekommen die Antwort, dass es sich um die Schulabschlussfeier handelt. Leider kommt auch ein Regenschauer zu Besuch. Das kann die jungen Schweden aber nicht davon abhalten, am Hafen in einem Eventlokal zu feiern. 

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Hafentag in Bullerbü

Der Wind soll morgens mäßig aus Süd und ab etwa 11:00 frisch aus WSW wehen. Also nicht der richtige Wind, um die Ecke von Utlängan nach Karlskrona zu segeln. Wir entscheiden uns für einen Hafentag in Sandhamn. 

Vielleicht ergibt es ja Sinn, mit dem Fahrrad etwas die Gegend zu erkunden. Wir radeln also los und es geht durch Sandhamn und Torhamn. Irgendwie fühlt man sich an die Geschichten aus Bullerbü erinnert. Sowie man die Orte verlässt, fährt man aber an einer Landstraße ohne Fahrradweg und es macht nicht wirklich Spaß. Wir drehen wieder um und wollen noch einmal zum Supermarkt. 

Am Himmel zieht eine dunkle Wand herauf und wir versuchen, schnell alles zu erledigen. Trotzdem erwischt uns noch der erste Regenschauer, der natürlich auch mit starken Böen begleitet ist. Wir sind zwar nass, aber froh über unsere Entscheidung im Hafen zu bleiben.

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